Auf der Pirsch (2)

Dürfen Jäger im Wald tun und lassen, was sie wollen? Die meistgestellten Fragen zur Jagd

Von Hirschen und anderen Wildtieren dürfen nur so viele Tiere erlegt werden, wie der Abschussplan hergibt. Der Hirsch auf unserem Foto steht allerdings im Wildpark Knüll.
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Von Hirschen und anderen Wildtieren dürfen nur so viele Tiere erlegt werden, wie der Abschussplan hergibt. Der Hirsch auf unserem Foto steht allerdings im Wildpark Knüll.

Über kaum eine Leidenschaft wird so intensiv diskutiert wie über die Jagd. In unserer Serie „Auf der Pirsch“ klären wir auf. In dieser Folge: Die meist gestellten Fragen zur Jagd.

Werra-Meißner-Kreis – „Können Jäger in ihrem Revier tun und lassen, was sie wollen?“ Nein, natürlich nicht. Wie so vieles ist auch die Jagd gesetzlich geregelt und Verstöße werden gerichtlich geahndet. Es gibt detaillierte Regeln und Vorschriften, was Jäger tun und lassen müssen, wann, wo und wie gejagt werden darf oder muss. Weitere Fragen, die sich Nichtjäger oft stellen, beantworten wir in einer kleinen Zusammenfassung:

Ist die Jagd heute noch notwendig?

In Deutschland haben wir keine Naturlandschaft mehr, in der die Selbstregulation so funktioniert, dass alle Tier- und Pflanzenarten in einer notwendigen Populationsgröße überleben würden. Ohne Jagd würde sich auch ein Gleichgewicht einstellen, jedoch auf Kosten verschiedenster sensibler Arten wie zum Beispiel dem Rebhuhn.

Auch wirtschaftliche Schäden wie Fraßschäden auf Äckern oder an jungen Bäumen in der Land- und Forstwirtschaft werden durch die Jagd gezielt abgewendet. Außerdem helfen Jäger, Tierseuchen zu vermeiden, wie zum Beispiel aktuell die Afrikanische Schweinepest.

Wer bestimmt eigentlich, wie viele Tiere in einem Revier erlegt werden dürfen?

Für das Wild werden von den Jagdbehörden sogenannte Abschusspläne erstellt, die die Anzahl der zu erlegenden Tiere nach Alter und Geschlecht regeln. Diese Vorgaben müssen vom Jäger erfüllt werden und werden für jedes Revier jährlich individuell erstellt. Die Zahl der zu erlegenden Tiere ist also nicht zufällig gewählt. Ganz vereinfacht kann man sagen: Gibt es zum Beispiel viel Rotwild in einem Revier, dann kann dort auch mehr geschossen werden als in Wäldern, in denen Rotwild nur selten durchzieht.

Werden durch die Jagd Tiere ausgerottet?

Nein. Seit Inkrafttreten des Bundesjagdgesetzes im Jahr 1952 ist in Deutschland keine Tierart, die dem Jagdrecht unterliegt, ausgestorben. Grund dafür ist, dass bedrohte Wildarten eine ganzjährige Schonzeit besitzen. Sie dürfen also gar nicht bejagt werden, wie zum Beispiel Wildkatzen. Abgesehen davon haben Jäger Interesse an einer langfristigen, nachhaltigen Nutzung des Wildes.

Schießen Jäger Tiere nur wegen der Trophäe?

Der verantwortungsvolle Jäger bejagt Wildtiere, um Wildbret (Fleisch) oder Felle zu gewinnen und um Wildtierpopulationen sinnvoll zu regulieren, sofern dies aus Gründen des Artenschutzes geboten ist. Oder um wirtschaftliche Interessen des Menschen zu schützen. Besondere Trophäen werden von Jägern jedoch gerne als Erinnerung an das Jagderlebnis und als Andenken an jenes Tier aufbewahrt.

Können Jäger das Fleisch vom Wild behalten?

Ein Jäger, der ein Revier gepachtet hat, zahlt für das Ausüben der Jagd eine Pacht an die Besitzer der Grundstücke. Er ist somit der Jagdausübungsberechtigte. Damit erwirbt er das Recht, Wild zu erlegen und zu behalten.

Warum haben die meisten Jäger Hunde?

Der Hund ist für den Jäger ein wichtiger Gehilfe bei der Jagdausübung. Er braucht ihn beispielsweise, um Wild aufzustöbern oder erlegte Enten aus dem Wasser zu apportieren. Verletzte Tiere werden ebenfalls mit dem Hund gesucht, indem dieser mit seiner feinen Nase der Spur folgt. Für die verschiedenen Einsatzgebiete gibt es spezialisierte Jagdhunderassen.

Wieso haben Jäger mehrere Waffen und Messer zur Jagd?

Gewehr und Messer sind das notwendige Handwerkszeug des Jägers. Je nach den zu bejagenden Wildarten sind oft mehrere Waffenarten (Schrot, Kugel) in unterschiedlichen Kalibern (Größe der Patronen bzw. der Innendurchmesser des Waffenlaufes) notwendig. Wenn beispielsweise ein verletztes Wildtier im Straßengraben erlöst werden muss, kann auch eine Pistole oder ein Revolver eingesetzt werden. Messer benötigt der Jäger in erster Linie zum Aufbrechen und Zerlegen von Wild.

Warum werden Füchse von Jägern bejagt?

Wenn räuberische Arten wie der Fuchs in hohen Beständen vorkommen, können sie – in Verbindung mit abnehmender Lebensraumqualität für die Beutetiere – zum Beispiel am Boden brütende Vögel an den Rand des Aussterbens bringen. Bei hohen Populationsdichten erkranken Füchse außerdem häufig an Räude. Auch Hunde können sich dann anstecken.

Räude äußert sich durch haarlose und entzündete Hautstellen, eiternde Augen und Abmagerung. Nicht selten zeigen kranke Tiere Verhaltensstörungen wie fehlendes Fluchtverhalten und Selbstverletzung. Sie führt bei Füchsen meist nach langer Qual zum Tod.

Wieso haben Jäger ihre eigene Sprache?

Die Jägersprache (Waidmannssprache) ist die traditionelle Fachsprache der Jäger. Sie wird von Jägern zur exakten Verständigung sowie als Teil des jagdlichen Brauchtums benutzt. Sie umfasst heute rund 13 000 Wörter. Ein paar Beispiele:

abbaumenden Hochsitz verlassen
Kahlwildweibliche Tiere beim Rot- und Damwild
LosungKot vom Wild
mausenRaubwild beim Mäusefang
TellerOhren vom Wildschwein
zerwirkenWild in küchenfertige Teile zerlegen
Überläuferjunges Wildschwein im Alter zwischen 12 und 24 Monaten
SchweinesonneVollmond
SchweißBlut des Wildes
Dickungdichter, noch junger Baumbestand
äsenFressen von Pflanzen

Unsere Jagdserie „Auf der Pirsch“:

In der ersten Folge unserer Serie „Auf der Pirsch“ nennen wir Gründe, weshalb das Waidwerk auch heute noch notwendig ist.

Die dritte Folge unserer Serie „Auf der Pirsch“ erläutert den Weg bis zum Jagdschein. Was muss ein Jäger für das „Grüne Abitur“ überhaupt alles wissen?

Die vierte Folge dreht sich um die vier Jahreszeiten in der Natur. Was in einem Jagdjahr bei Wild und Jäger passiert.

Die fünfte Folge ist eine Zeitreise durch das Waidwerk: Die Entwicklung der Jagd im Laufe der Jahrhunderte.

In der sechsten Folge geht es um Sitten, Bräuche bei der Jagd und Jagdhunde.

In der siebten Folge nehmen wir Sie mit auf einen Ansitz auf dem Hochsitz.

(Carolin Eberth)

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