Auf der Pirsch (6)

„Jagd ohne Hund ist Schund!“ - Sitten, Bräuche und des Jägers bester Freund

Der Erlegerbruch wird an die rechte Hutseite gesteckt. Er zeigt an, dass der Träger des Bruchs Wild erlegt hat.
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Der Erlegerbruch wird an die rechte Hutseite gesteckt. Er zeigt an, dass der Träger des Bruchs Wild erlegt hat.

Über kaum eine Leidenschaft wird so intensiv diskutiert wie über die Jagd. In unserer Serie „Auf der Pirsch“ möchten wir über das Waidwerk aufklären. Fakt ist: Es geht um mehr als Schießen.

Werra-Meißner-Kreis – Die Jagd als das älteste Handwerk des Menschen hat im Laufe ihrer Geschichte Sitten und Bräuche hervorgebracht, die heute noch zum Teil von Jägern ausgeführt werden.

Es sind Gewohnheiten und Verhaltensweisen, die sich bei der Jagd bewähren, auf Außenstehende aber auch merkwürdig wirken können. Ein paar Beispiele:

Sitten und Bräuche bei der Jagd

Jägergruß

Jäger begrüßen und verabschieden sich mit dem Wort „Waidmannsheil“. Auch als Glückwunsch zum erlegten Wild wird „Waidmannsheil“ eingesetzt. Dann antwortet der Jäger, der ein Tier erlegt hat, mit „Waidmannsdank“.

Jagdhornblasen

Das Horn des Jägers war früher ein reines Signal-Instrument, mit dem Befehle oder Hinweise auf Entfernung übermittelt werden konnten. Später sind zu den Kommando-Signalen auch dekorative Signale hinzugekommen.

Die wichtigsten Signale müssen heute noch alle Jäger kennen. Sie sind Teil der Jagdscheinprüfung und erklingen noch auf den meisten Gesellschaftsjagden. Dabei werden die Jagdleitsignale verteilt über einen Jagdtag geblasen, wie „Aufbruch zur Jagd“, „Anblasen des Treibens“ und „Hahn in Ruh“ (Aufhören zu schießen, sofortiges Entladen der Waffe). Nach der Jagd wird für jede erlegte Wildart ein eigenes Signal gespielt, das zu Ehren des erlegten Wildes erklingt. Insgesamt gibt es circa 45 traditionelle Jagdsignale.

Tonbeispiele gibt es unter: deutsches-jagdportal.de/portal/index.php/service/jagdhornsignale

Zweige mit Bedeutung

„Brüche“ sind abgebrochene grüne Zweige, die dazu dienen, verschiedene jagdliche Zeichen zu setzen. So gibt es Brüche, die Spuren des Wildes markieren, Jäger warnen sollen und welche, die den Hut schmücken. Auf das erlegte Wild wird zum Beispiel ein Zweig gelegt vom Erleger, der „Inbesitznahmebruch“, der anzeigen soll, dass dieses Tier waidgerecht erjagt wurde. Der Bruch „Letzter Bissen“ wird dem erlegten Tier in den Äser (Maul des Haarwildes) oder ins Gebrech (Rüssel des Wildschweins) gesteckt. Er gilt als „ewige Äsung“ und drückt die Achtung des Jägers aus. So haben die Bruchzeichen teils symbolische Bedeutung, teils dienten sie früher zur Nachrichtenübermittlung. Brüche werden nur von Eichen, Fichten, Tannen, Kiefern oder Erlen abgebrochen.

Unsere Jagdserie „Auf der Pirsch“:

In der ersten Folge unserer Serie „Auf der Pirsch“ nennen wir Gründe, weshalb das Waidwerk auch heute noch notwendig ist.

In der zweiten Folge klären wir die meist gestellten Fragen von Nichtjägern zur Jagd.

Die dritte Folge unserer Serie „Auf der Pirsch“ erläutert den Weg bis zum Jagdschein.

Die vierte Folge dreht sich um die vier Jahreszeiten in der Natur. Was in einem Jagdjahr bei Wild und Jäger passiert.

Die fünfte Folge ist eine Zeitreise durch das Waidwerk: Die Entwicklung der Jagd im Laufe der Jahrhunderte

In der siebten Folge nehmen wir Sie mit auf einen Ansitz auf dem Hochsitz.

Hubertuslegende

Am 3. November finden sich Jäger aller Konfessionen zum Hubertustag zusammen. Dabei ehren sie ihren Schutzpatron, den Heiligen Hubertus von Lüttich, der auch als Symbolfigur und Bewahrer der Natur gilt.

Hubertus soll ein vergnügungssüchtiges Leben geführt haben und war als wilder Jäger bekannt. Der Legende nach aber erschien ihm an einem Sonntag auf der Jagd ein weißer Hirsch mit einem Kreuz zwischen den Geweihstangen. Dieser ermahnte ihn, von seinem bisherigen Leben abzulassen, vernünftig und waidgerecht zu jagen und sich zum Christentum zu bekennen. Kurz danach erkannte Hubertus, dass auch Wild Gottes Schöpfung sei und wurde fortan ein Heger und Bewahrer der Natur.

Der Forstmann und Jagdschriftsteller Oskar von Riesenthal (1830-1898) formulierte diese waidgerechte Jagd in dem Gedicht „Waidmannsheil“ (1880). Noch heute wird die erste Strophe auf dem Etikett der Jägermeister-Flaschen abgebildet: „Das ist des Jägers Ehrenschild, dass er beschützt und hegt sein Wild, waidmännisch jagt, wie sich’s gehört, den Schöpfer im Geschöpfe ehrt!“

Jagdtrophäen

Die Eckzähne eines Wildschweins werden in der Jägersprache als „Gewaff“ bezeichnet.

Jagdtrophäen sind Erinnerungsstücke, die von erjagtem Wild stammen und vom Jäger aufbewahrt werden. Sie sollen ihn an Stunden der Jagd erinnern und die Tiere in Ehren halten. Zu den Jagdtrophäen zählen zum Beispiel die Gehörne von Rehböcken, Geweihe von Hirschen, Gewaffe (Zähne) von Wildschweinen, Grandeln (obere Eckzähne) des Rotwildes und Zierfedern von Federwild. Auch Felle und Tierpräparate zählen dazu.

Aberglaube

Nach wie vor hat Aberglaube eine Bedeutung bei der Jagd. Beispielsweise nehmen Jäger keine gerade Anzahl von Patronen mit zur Jagd, denn das führt angeblich zu Misserfolg. Außerdem könnte dem Erleger weißen Wildes innerhalb eines Jahres etwas Schlimmes drohen, mindestens aber hat er sieben Jahre Jagdpech.

Des Jägers bester Freund: Was gibt es bei der Jagd für Hunde?

Auch das Führen von ausgebildeten Jagdhunden gehört zum jagdlichen Brauchtum. Schon eine alte Jägerweisheit sagt: „Jagd ohne Hund ist Schund!“ Dieser Spruch hat nach wie vor seine Gültigkeit. Denn die Jagd ist ohne einen gewissenhaft gezüchteten und gut ausgebildeten Jagdhund oft sehr schwierig und teils auch nicht erlaubt. Nach ihrer Verwendung werden Jagdhunde eingeteilt:

Der Deutsche Wachtelhund ist ein vielseitiger Jagdhund und zählt zu den Stöberhunden. Diese stöbern das Wild auf und treiben es ihren Hundeführern zu. Auf dem Bild ist Paco von der Lausebuche (5) zu sehen.

Apportierhunde sind stämmige, mittelgroße Hunde, die dafür gezüchtet wurden, Jägern das Niederwild zu bringen. Zum Beispiel holen sie eine erlegte Ente aus dem Wasser und bringen es ihrem Hundeführer. Daher müssen sie ausdauernd, wasserfreudig und spurwillig sein. Beispiele: Golden Retriever, Labrador Retriever.

Bracken sind die älteste Jagdhundeform. Sie werden auch „jagende Hunde“ genannt. Sie suchen im Wald oder Feld das Wild und verfolgen es anschließend auf Abstand, bis es durch den Jäger zur Strecke gebracht wurde. Beispiele: Deutsche Bracke, Brandlbracke, Beagle.

Erdhunde müssen klein genug sein, um Raubwild (Fuchs, Dachs) in den Bau unter die Erde zu folgen und es dadurch aus den unterirdischen Gängen zu verjagen. Zu der Gruppe gehören Terrier und Dachshunde (auch als Teckel oder Dackel bekannt).

Schweißhunde (Jägersprache: Schweiß = Blut) sind Jagdhunde, die darauf spezialisiert sind, verletztes Wild bei einer Nachsuche oder nach einem Wildunfall zu suchen und es zu stellen. Hierfür müssen sie sehr feinnasig und fährtentreu sein. Beispiele: Hannoverscher Schweißhund, Bayerischer Gebirgsschweißhund.

Stöberhunde suchen selbstständig, planmäßig und gründlich in unüberschaubaren Gebieten nach Wild, auch außerhalb der Sichtweite des Hundeführers. Findet der Stöberhund Wild, wird er spurlaut, das heißt, er fängt an zu bellen, und treibt es dem Jäger zu. Beispiele: Deutscher Wachtelhund, Cockerspaniel.

Vorstehhunde weisen alle ein besonderes Verhalten vor, sie „stehen vor“. Dabei verharren sie, ohne Laut zu geben, in ihrer Bewegung und heben einen Vorderlauf und winkeln diesen an. An dieser Stellung kann der Jäger erkennen, dass sein Hund Wild gefunden hat oder es in der Nase hat. Beispiele: Deutsch Drahthaar, Münsterländer, Weimaraner, Griffon.

Nicht wenige Jagdhunde werden wegen ihrer speziellen Eigenschaften und damit einhergehenden Bedürfnissen nur an Jäger verkauft. (Carolin Eberth)

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