Auf der Pirsch (3)

Der Weg zum Jagdschein: Was ein Jäger für das „Grüne Abitur“ wissen muss

Lernbücher für die Jagdscheinprüfung.
+
Für das „Grüne Abitur“ muss viel gebüffelt werden. 2020 lag die Durchfallquote bei 20 Prozent.

Über kaum eine Leidenschaft wird so intensiv diskutiert wie über die Jagd. In unserer Serie „Auf der Pirsch“ möchten wir über das Waidwerk aufklären. Fakt ist: Dafür ist einiges an Wissen notwendig.

Werra-Meißner-Kreis – Sich für die Natur einsetzen, Wild beobachten und selbst erlegtes Fleisch essen – immer mehr Menschen interessieren sich für das Waidwerk. Doch mit dem Jagdschein in der Tasche beginnt nicht einfach nur ein neues Hobby.

Jagd verlangt einiges an Wissen und Erfahrung. Wer von dem Waidwerk Gebrauch machen möchte, benötigt daher einen Jagdschein – und dieser wird erst nach bestandener Jägerprüfung ausgehändigt. Bundesweit besitzen ihn aktuell fast 400 000 Waidfrauen und Waidmänner.

Wie ist die Ausbildung für den Jagdschein aufgebaut und was kostet er?

Die staatlich anerkannte Jägerprüfung besteht aus drei Teilen: einer Schießprüfung, einer schriftlichen Prüfung und einem mündlich/praktischen Gespräch mit Prüfern. Weil die Jägerausbildung nicht einfach ist, wird sie auch als „Grünes Abitur“ bezeichnet. Im vergangenen Jahr haben 13 000 Menschen die Jagdscheinprüfung in Deutschland gemeistert. Die Durchfallquote lag bei 20 Prozent.

Die Ausbildung kann entweder über eine Jagdschule oder die Landesjagdverbände abgelegt werden – auch unterscheiden sich die Prüfungen etwas von Bundesland zu Bundesland. Je nachdem, ob man den Jagdschein in einer Jagdschule oder über die Landesjagdverbände macht, entstehen für Kurs und Prüfung Kosten zwischen 1500 bis 2500 Euro.

In der Fabel heißt der Hase „Meister Lampe“. Unter Jägern wird er auch Mümmelmann genannt. Männliche Hasen heißen Rammler, weibliche Häsin – auch das sollte man für die Jägerprüfung wissen.

Jagdschein: Voraussetzungen und Vorbereitungen für die Prüfungen

Bevor die Jagdscheinanwärter zu den Prüfungen zugelassen werden, müssen sie ein einwandfreies polizeiliches Führungszeugnis vorlegen und die körperliche und geistige Eignung muss festgestellt werden. Das Mindestalter beträgt 16 Jahre.

Zur Vorbereitung auf die Jägerprüfung müssen sich die Prüflinge in folgenden Themengebieten besonders gut auskennen: Wildbiologie, Naturschutz, Ökologie, Land- und Waldbau, Hege und Jagdbetrieb, Verwertung des Wildbrets als Lebensmittelgut, Wildkrankheiten, Jagdhundewesen, jagdliches Brauchtum, Waffenkunde sowie Jagdrecht.

Durch Exkursionen in den Wald wird das theoretische Wissen vertieft und an praktischen Beispielen in der Flora und Fauna erklärt. Auf dem Schießstand wird der sichere Umgang mit Waffen und das zielgenaue Schießen trainiert.

Buchtipps zur Vorbereitung auf den Jagdschein

Das Buch „Grundwissen Jägerprüfung“ von Siegfried Seibt gehört zu den Standardwerken zur Vorbereitung auf den Jagdschein. Wer sich optimal vorbereiten möchte, sollte das Lernsystem „Grundausstattung Jagd“ von der Firma Heintges durcharbeiten.

Alle Fragen für die schriftlichen Prüfungen von Hessen und Niedersachsen sind im Internet kostenlos zum Download erhältlich auf den Seiten des Regierungspräsidiums Kassel und des Niedersächsischen Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz.

Bestandteile der Prüfungen für den Jagdschein:

In der mündlich/praktischen Prüfung muss sich der Anwärter Aufgaben und Fragen einer staatlichen Prüfungskommission stellen. Beispielsweise könnte gefragt werden, was ein Jäger bei der Durchführung einer Gesellschaftsjagd zu beachten hat, und er könnte aufgefordert werden, verschiedene Blätter ihren Bäumen zuzuordnen oder Gräsersorten zu benennen. Eine typische Prüfungsaufgabe im Fach Waffenkunde lautet, die Funktionsweise und den Aufbau an einer Büchse zu erklären.

Je nach Bundesland werden die Fragen in der schriftlichen Prüfung entweder ausführlich oder im Multiple-Choice-Verfahren beantwortet. In Niedersachsen besteht der Fragenkatalog insgesamt aus 2512 Fragen, in Hessen sind es 2008.

Einen besonders hohen Stellenwert hat die Schießprüfung. Dabei müssen die Anwärter ihre Schussgenauigkeit mit der Flinte (Schrot) und der Büchse (Kugel) unter Beweis stellen. In manchen Bundesländern ist auch das Schießen mit einer Kurzwaffe (Pistole oder Revolver) Bestandteil der Prüfung. Bei den verschiedenen Schießdisziplinen sind jeweils Mindestergebnisse zu erfüllen – reichen diese nicht aus, können sie nicht durch bessere Leistungen in anderen Prüfungsgebieten ausgeglichen werden.

Prüfungsfragen aus den offiziellen Fragenkatalogen für Hessen und Niedersachsen:

(Antworten sind am Ende des Artikels)

  • Wie viele Zähne sind bei Wildschweinen im Dauergebiss vorhanden?
  • Was ist der Unterschied zwischen Pistole und Revolver? 
  • Was versteht man unter einem Gewölle? 
  • Welcher Nadelbaum wirft im Herbst die Nadeln ab?
  • Wie bezeichnet man die Pflanzenschutzmittel, mit denen Pilze bekämpft werden?

Jagdschein ab 16 Jahren? Wie man den Jugendjagdschein erhält und seine Richtlinien

Der Kurs und die Prüfungen für einen Jugendjagdschein finden unter den gleichen Bedingungen statt. Allerdings unterscheiden sich die Richtlinien des Jugendjagdscheins: Vom 16. bis zum 18. Lebensjahr darf die Jagd nur in Begleitung einer Aufsichtsperson ausgeübt werden. Diese muss jagdlich erfahren sein.

Die Teilnahme an Gesellschaftsjagden ist nicht erlaubt, und der Jungjäger darf bis zum 18. Lebensjahr keine eigenen Waffen besitzen.

Die Prüfungsantworten:

  • 44 Zähne.
  • Die Pistole hat ein Patronenlager im Lauf, der Revolver hat mehrere Patronenlager in der Trommel, getrennt vom Lauf.
  • Den unverdaulichen Teil der Beute von Eulen und Greifvögeln, der wieder ausgespien wird.
  • Die Lärche.
  • Fungizide.

Unsere Jagdserie „Auf der Pirsch“:

In der ersten Folge unserer Serie „Auf der Pirsch“ nennen wir Gründe, weshalb das Waidwerk auch heute noch notwendig ist.

In der zweiten Folge klären wir die meist gestellten Fragen von Nichtjägern zur Jagd.

Die vierte Folge dreht sich um die vier Jahreszeiten in der Natur. Was in einem Jagdjahr bei Wild und Jäger passiert.

Die fünfte Folge ist eine Zeitreise durch das Waidwerk: Die Entwicklung der Jagd im Laufe der Jahrhunderte.

In der sechsten Folge geht es um Sitten, Bräuche bei der Jagd und Jagdhunde.

In der siebten Folge nehmen wir Sie mit auf einen Ansitz auf dem Hochsitz.

(Carolin Eberth)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.