Streit wegen ungewolltem Kind

12 Jahre Haft für Attacke auf Schwangere

Lüneburg. Bei einer kurzen Affäre wird die Geliebte eines 23-Jährigen schwanger, abtreiben will sie nicht. Da beschließen der Mann und sein Freund, die Schwangerschaft mit der Baseballkeule zu beenden. Das Landgericht Lüneburg sieht darin versuchten Mord. 

Für den hinterhältigen und kaltherzigen Angriff auf seine schwangere Ex-Geliebte muss ein 23-Jähriger für zwölf Jahre hinter Gitter. Die junge Frau hatte sich geweigert, das gemeinsame Kind abtreiben zu lassen, das aus einer kurzen Affäre der beiden stammte. Auch der Komplize des Mannes muss zwölf Jahre ins Gefängnis. Das hat das Landgericht Lüneburg am Dienstag entschieden.

Der 23-Jährige soll mit dem ein Jahr jüngeren Freund seine Ex-Geliebte Ende August vergangenen Jahres in einem Hinterhalt am Reihersee bei Brietlingen im Kreis Lüneburg niedergeknüppelt und fast erwürgt haben. Das Schwurgericht sah in der Attacke - wie die Anklage auch - versuchten Mord, gefährliche Körperverletzung und versuchten Schwangerschaftsabbruch.

Nach Überzeugung der Kammer hatte der 23-Jährige aus Schwarzenbek in Schleswig-Holstein die Frau zu einer Aussprache an den Reihersee gefahren und so in einen vorbereiteten Hinterhalt gelockt. Dort wartete der Komplize mit einem Baseballschläger auf das Paar.

Der Vater des Kindes hatte eingeräumt, die junge Frau bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt zu haben, als sie nach den ersten Schlägen um Hilfe schrie. Dann wurde die 19-Jährige ins Unterholz gezogen. Er habe aber nur einen Schwangerschaftsabbruch erreichen wollen, erklärte der Mann im Prozess, die Tötungsabsicht bestritt er.

Eine Spaziergängerin fand schließlich das schwer verletzte Opfer. Die damals im sechsten Monat Schwangere und das ungeborene Kind überlebten den Angriff nur knapp.

Die beiden Angeklagten hätten den Tod der 19-Jährigen von vornherein billigend in Kauf genommen, befand der Vorsitzende Richter Franz Kompisch am Dienstag. Der 23-Jährige habe aus Heimtücke und niederen Beweggründen gehandelt, auch weil er seine neue Beziehung zu einer anderen Frau gefährdet sah. "Niederste sittliche Stufe - da ist nichts, was wir nachvollziehen können." Das Gericht habe lange darüber nachgedacht, eine lebenslange Freiheitsstrafe zu verhängen. "Sie haben eine rohe und abgebrühte Haltung an den Tag gelegt", bescheinigte Kompisch dem Mechatroniker.

Als Beweismittel wurden während des Verfahrens auch Handy-Protokolle vorgelegt. Danach hatten sich die beiden Angeklagten mit Kurznachrichten abgestimmt.

Die Staatsanwaltschaft hatte acht Jahre verlangt. Die Verteidigung dagegen bestritt eine Tötungsabsicht. Sie sah gefährliche Körperverletzung und hatte zwei Jahre auf Bewährung für ihre Mandanten gefordert. Die Anwälte wollen nun eine Revision prüfen.

"Wir sind froh, dass es vorbei ist", sagte die 19-Jährige, die mittlerweile ein kleines Mädchen zur Welt gebracht hat, unter Tränen nach dem Urteilsspruch.

dpa/lni

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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