Kuriose Technik in Japan

Automaten erkennen Geschmack und servieren passendes Getränk

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So sieht der Getränkeautomat aus, der via Kamera den Geschmack des Kunden erkennen will.

Tokio. Wie gut geschulte Butler erraten japanische Automaten den Getränkewunsch ihrer Kunden und servieren gut gekühlt oder trinkwarm. Nirgendwo auf der Welt gibt es mehr Automaten pro Einwohner als in der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt.

Wenn Hollywood-Regisseure in die Zukunft blicken, lassen sie schon mal Automaten mit ihren Protagonisten sprechen. Im Automaten-Mekka Japan ist diese Zukunftsvision schon fast wieder Vergangenheit. Sprechende Getränkeautomaten, die sich nach dem Wohlbefinden des Kunden erkundigen und ihm noch einen schönen Tag wünschen, sind längst wieder out.

Video:

Wie der Getränke-Automat funktioniert, sehen Sie in einem Video bei Youtube.

Die neuesten Automaten „erraten“ die Wünsche ihrer Kunden und verlocken sie mit individuell ausgewählten Werbespots auf ihren High-Tech-Displays zum Kauf. Eine unscheinbare, eingebaute Kamera erkennt Alter undGeschlecht des unschlüssigen Durstigen.

In Sekundenschnelle erscheint der passende Werbeclip: Kalter Dosenkaffee für gestresste Männer mittleren Alters in Businessanzügen und süße Tees für junge Frauen. Gezahlt wird praktischerweise mit aufladbaren S-Bahn-Tickets oder alternativ ganz traditionell in bar. „Der Automat hat genau meinen Geschmack getroffen“, freut sich eine Frau um die 30, als sie mit einer Plastik-Flasche süßem Pfirsichtee im Menschenmeer eines Tokioter Bahnhofs verschwindet.

Ein Automat für 23 Menschen

Nirgendwo auf der Welt gibt es mehr Automaten pro Einwohner als in der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt. Ein Automat für 23 Menschen. Nach Angaben des Branchenverbands insgesamt mehr als fünf Millionen. Die Hälfte verkauft Getränke. Der Rest bietet Snacks, Zigaretten und Ähnliches.

Einige Alkohol-Automaten haben übrigens Öffnungszeiten. Nach 23 Uhr stellen sie ihren Betrieb vorübergehend ein. Außerdem gibt es jede Menge Skurriles: Krawatten, Brot in Dosen, frisches Obst und Gemüse sowie ultra-frischen Salat, der praktischerweise gleich in dem mit LED-Lampen ausgerüsteten Automaten wächst.

Kein Ort ist zu abgelegen für diese Wahrzeichen moderner Bequemlichkeit. Selbst der Aufstieg auf den 3.776 Meter hohen heiligen Berg Fuji ist gesäumt von Automaten, die die Massen unerfahrener Möchtegern-Bergsteiger mit Erfrischungen versorgen. In Großstädten stolpert man alle paar Meter über einen Automaten, oft stehen gleich fünf, sechs nebeneinander.

Automaten als Nothelfer

Auch als Katastrophenhelfer sollen sich Japans Automaten nützlich machen. Im Falle von – in Japan leider ziemlich häufigen – schweren Erdbeben spuckt ein Teil der Automaten seine Ware kostenlos aus. Solange sie Strom haben.

Als nach dem Megabeben vom März 2011 in weiten Teilen des Landes der Strom ausfiel und Stromsperren eingeführt wurden, gerieten die Automaten in die Kritik. Schließlich verbrauchen alle japanischen Automaten zusammen etwa so viel Strom wie zwei Atomkraftwerke produzieren.

Mittlerweile haben die Automatenhersteller dazugelernt: Neben ein paar solarbetriebenen Automaten gibt es heute vakuumisolierte Ultra-Stromsparer, die nur noch nachts Strom fressen und trotzdem tagsüber, wenn Strom teuer und knapp ist, Cola, Tees und Kaffee ausreichend kühl halten.

Zurück zum Handbetrieb

Seit Neuestem sieht man in Tokio allerdings immer häufiger merkwürdig altmodisch wirkende Automaten. Bevor die Maschine die Bestellung akzeptiert, muss der Kunde erst einmal die Handkurbel bedienen. Nach etwa 70 Umdrehungen ist der Automat aufgeladen und spuckt –gegen entsprechende Bezahlung versteht sich– das gewünschte Getränk aus. Auch bei Katastrophen und Stromausfall. So sieht also die Zukunft aus. Zumindest im erdbebengefährdeten Tokio. (yeu)

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