Er soll Betreuungskosten vergangener Jahre zahlen

Japaner findet demente Ehefrau nach sieben Jahren wieder - Treffen am Hochzeitstag

Tokio. In Japan hat ein 68-jähriger Mann seine schwer demenzkranke Frau nach sieben Jahren wieder gefunden, nachdem sie in einer Fernsehsendung als „Frau ohne Identität“ vorgestellt wurde. Nun soll er für die Betreuungskosten der vergangenen Jahre zahlen.

„Mieko!“, ruft Shigeo Yanagida seiner Frau entgegen, als er sie zum ersten Mal seit ihrem plötzlichen Verschwinden vor sieben Jahren wieder sieht. Yanagida greift Miekos Hand. Die Kameras, die Yanagida bei seinem Besuch in dem Pflegeheim begleiteten, fangen Miekos Gesichts ein. Doch die 67-Jährige zeigt keine Reaktion. Wie versteinert sitzt sie im Rollstuhl. Ihre Augen bleiben geschlossen.

„Dass ich meine Frau wiederhabe, ist ein Wunder“, sagt der Rentner. Er schluckt, als er hinzufügt, dass er sich gewünscht hätte, dass das Fahndungssystem der Polizei für verwirrte Demenzpatienten besser funktioniert hätte und er seine Frau gefunden hätte, bevor sie vor vier Jahren bettlägerig wurde.

Ende Oktober 2007 war seine Frau plötzlich aus dem gemeinsamen Haus im Tokioter Stadtzentrum verschwunden. Wie viele Demenzkranke litt auch die ehemalige Fernsehmoderatorin unter Rastlosigkeit und irrte durch die Nachbarschaft. Yanagida verständigte sofort die Polizei, doch die Suche blieb erfolglos.

Mittlerweile hat sich herausgestellt, dass Polizisten Mieko im 75 Kilometer entfernten Tatebayashi nur wenige Stunden nach ihrem Verschwinden in Gewahrsam genommen hatten. Doch die verwirrte Frau konnte ihren Namen nicht mehr richtig angeben und die Beamten hatten die Namen, die auf ihrer Kleidung standen, falsch in die zentrale Vermisstenkartei eingegeben. Da keine Fotos gespeichert wurden, hatte der Ehemann keine Chance, sie mit Hilfe des Polizeisystems aufzuspüren. Die Behörden steckten die nicht zu identifizierende Frau in ein lokales Pflegeheim, wo sie die nächsten sieben Jahre verbrachte.

„Ich hatte die Suche längst aufgegeben“, gesteht Ehemann Shigeo. Doch am Sonntag meldeten sich plötzlich Verwandte, die glaubten, Mieko in einer Dokumentation des öffentlich-rechtlichen Senders NHK gesehen zu haben. In dem Film über Tausende verschwundene Demenzkranke wurde Mieko als „Frau ohne Identität“ vorgestellt. Auch die Kleidung, die sie am Tag ihres Verschwindens trug, wurde gezeigt. Nur einen Tag später hatte Shigeo seine Mieko wieder – zufälligerweise war es ihr 41. Hochzeitstag.

Ehemann soll zahlen

Jährlich erleiden Tausende japanische Demenzkranke ein ähnliches Schicksal, oft genug ohne glückliches Ende. In der am schnellsten alternden Gesellschaft der Welt, ist offiziellen Hochrechnungen zufolge, jeder siebte Rentner dement. Rechnet man die milderen Vorstufen mit ein, trifft es gar jeden vierten. Allein im Jahr 2012 waren fast 10.000 Demenzkranke bei der Polizei als vermisst gemeldet. 53 konnten bis heute nicht gefunden werden.

Die Gemeinden stöhnen über die finanzielle Belastung durch die scheinbar identitäts- und damit meist mittellosen Kranken. Die Stadt Tatebayashi, in der Mieko aufgegriffen wurde, hat ihre Betreuungskosten übernommen. Jetzt erwägen die Beamten, diese Kosten dem Ehemann in Rechnung zu stellen. Insgesamt 10 Millionen Yen (70.000 Euro) für sieben Jahre Pflegeheim.

„Wir haben Angst, dass dieser Fall zum Präzedenzfall werden könnte und Familien ihre dementen Angehörigen absichtlich ziehen lassen, in dem Glauben, dass der Staat sich dann schon um sie kümmern und für sie aufkommen wird“, erklärte ein nicht namentlich genannter Beamter am Donnerstag in der Zeitung „Mainichi“. (yeu)

Rubriklistenbild: © dpa

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