Sensoren melden, wenn sie voll ist

Japanische Forscher entwickeln intelligente Windel

Tokio. Japanische Forscher haben eine Windel entwickelt, die sich per drahtloser Datenübertragung meldet, wenn sie voll ist. Dafür haben sie erstmals wegwerfbare, flexible organische Sensoren entwickelt. Diese könnten auch Pulsmesser und andere klinische Messgeräte revolutionieren.

Ein hauchdünner Plastikfilm liegt in der Windel. Sobald Flüssigkeit auf den eingebauten Sensor trifft, meldet er sich bei dem dazugehörigen Empfangsgerät. Der Sensor misst den elektrischen Widerstand, der sich durch die Flüssigkeit verändert und gibt die Daten drahtlos weiter. Die intelligente Windel ist die neueste Erfindung japanischer Forscher.

Der Träger werde den Sensor nicht spüren, versichern die Entwickler von der Universität Tokio in ihrer Pressemitteilung. Schließlich sei das Material so dünn und flexibel, dass es sich jeder Körperbewegung anpasse.

Vor allem für den Einsatz in Inkontinenzwindeln sei der neue Sensor ideal, schwärmen die Professoren Takayasu Sakurai und Takao Someya. Statt den Patienten zu entkleiden, um zu checken, ob die Windel gewechselt werden muss, müssten Pfleger bei der neuen Windel lediglich ihr Empfangsgerät in die Nähe der Windel halten. Auch Baby-Windelhersteller dürften Interesse an der Hochtechnologiewindel haben, da sind sich die Forscher sicher.

Da die organischen Bestandteile ganz einfach per gewöhnlicher Tintenstrahldrucktechnologie auf einen Plastikfilm gedruckt werden können, sei eine billige Massenherstellung möglich.

Noch gibt es aber keine konkreten Pläne für die Markteinführung der ersten intelligenten Windel der Welt. Ein paar Kleinigkeiten müssten noch verbessert werden, so die Entwickler. Zum Beispiel muss das Empfangsgerät momentan bis auf wenige Zentimeter an die Sensoren heran gehalten werden, um die Datenübertragung zu ermöglichen. In einem nächsten Schritt soll diese Distanz verlängert werden.

Das möglicherweise wichtigste Anwendungsgebiet der neuen Sensor-Technologie sind wohl medizinische Messgeräte. Für wenig Geld ließen sich nämlich auch große Flächen mit dem neuen Meß-System bedrucken. Medizinische Messungen am menschlichen Körper, wie von Temperatur oder Sauerstoffsättigung, würden dadurch wesentlich exakter als die herkömmliche punktuelle Messung, schreiben Sakurai und Someya. Messen lasse sich mit ihrem System jedes Phänomen, das eine Veränderung des elektrischen Widerstands hervorruft. Auch drahtlose Elektrokardiogramme (EKG) sind denkbar.

Ein weiterer Vorteil des neuen Sensor-Systems ist, dass der bedruckte Film ultraleicht und beliebig biegbar ist. Wie ein Pflaster könnte der Patient sein Messgerät künftig mit sich herum tragen, ohne es zu spüren.

Nach einmaligem Gebrauch können die Sensoren entsorgt werden, was nach Ansicht der Entwickler aus hygienischen Gründen ein großer Vorteil gegenüber herkömmlichen Medizin-Sensoren sei. Gegenwärtig werden auch in Sensoren für medizinische Messgeräte relativ harte Materialien wie Silikon eingesetzt, was das Tragen solcher Geräte für den Patienten unangenehm macht. (yeu)

Rubriklistenbild: © picture-alliance / dpa

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