Thorsten Fischer gewann bei "Wer wird Millionär?" eine Million Euro

Jauchs Rate-Millionär bleibt bescheiden

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Frisch gebackener Millionär: Der Gastronom Thorsten Fischer (48) – hier vor seinem Gasthaus nahe Hameln – holte im Oktober bei Günther Jauch eine Million Euro. Inzwischen hat sich der Rummel um ihn gelegt.

Hannover. Der Millionär erscheint mit einem alten Hackenporsche, dessen Griff mit silbernem Klebeband notdürftig geflickt ist. „Da sind Pfandflaschen drin“, erklärt Thorsten Fischer mit einem schelmischen Blitzen in seinen Augen. „Die bringe ich immer noch weg.“

Und er geht immer noch zu Aldi, besucht immer noch seine angestaubte Mucki-Bude, betreibt immer noch sein Ausflugslokal „Forsthaus Finkenborn“ in einem Wäldchen oberhalb von Hameln. „Warum sollte ich denn mein Leben ändern?“

Ganz unberechtigt ist diese Frage zumindest in den Augen vieler Fernsehzuschauer freilich nicht. Im Oktober räumte der Gastronom aus Hannover bei Günther Jauchs Quiz „Wer wird Millionär?“ ab. Nach drei Anläufen in früheren Sendungen hatte es Fischer beim Jubiläum zum 15-jährigen Bestehen der Show endlich auf den Stuhl geschafft. Dort durfte er dank einer Sonderregel nach der 16.000-Euro-Frage direkt zur Million springen und wusste nach einigem Überlegen, dass New York - und nicht Tokio, Kapstadt oder Moskau - so weit von Berlin weg liegt wie Berlin vom Erdmittelpunkt.

Zwei Wochen später trafen die 1.000.000 Euro auf seinem Konto ein. Inzwischen hat sich der Medienrummel gelegt, haben die wenigen Bittbriefe und Bettelmails ganz nachgelassen, hat Fischer seine Leistung und deren finanziellen Folgen realisiert und verinnerlicht. „Am Anfang konnte ich das gar nicht richtig glauben, das war schon bizarr.“ Jetzt sitzt der 48-jährige Familienvater zwischen Lebensmitteleinkäufen und Hundetraining draußen am Hochtisch seines Lieblingscafés am Lister Platz in Hannover und sinniert darüber, ob so viel Geld glücklich macht. „Ich war vorher nicht unglücklich“, sagt Fischer mit ernstem Lächeln.

Vor zehn Jahren habe er nach der Übernahme des elterlichen Restaurants und nach dem Kauf einer Eigentumswohnung für die fünfköpfige Familie eine Million Euro Schulden gehabt, nun sei es eben eine Million plus. „Ich bin damals gut klar gekommen, ich komme heute gut klar.“

Die Probleme seien nach Jauch dieselben wie vor Jauch. „Die Kinder sind genauso frech, und der Hund gehorcht immer noch nicht.“ Natürlich mache er sich dank des Polsters weniger Gedanken um seinen Betrieb, bei dem er in den besuchsschwachen Wintermonaten zuschießen müsse, gibt Fischer zu. „Klar ist die Million eine Menge Geld. Aber ich muss doch nicht komplett ausflippen.“

Also kein neues Haus mit Swimming Pool, kein echter Porsche, keine Kreuzfahrt, kein edler Wellness-Club, kein beruflicher Ausstieg. „Die Kohle ist schneller weg, als man gucken kann“, warnt der Millionen-Gewinner mehr seine Mitmenschen als sich selbst. „Denken Sie an all die Folgekosten.“

Fischer selbst denkt lieber an seinen Nachwuchs im Alter von 15, elf und neun Jahren. „Die wollen ja alle eine Ausbildung machen oder studieren.“ Fischers Hoffnungen für 2015 fallen entsprechend normal aus. „Gesund bleiben, das ist das Wichtigste. Alles andere hat man selbst in der Hand.“

Mit Kumpels ins Zocker-Paradies Las Vegas

Eine ausgefallene Reise plant der frisch gebackene Millionär in diesem Jahr. Thorsten Fischer lädt sechs Kumpels aus seiner wöchentlichen Poker-Runde auf eine Tour in die Zocker-Hochburg Las Vegas ein ein altes Versprechen aus der Zeit, als er noch auf die Anrufe aus der Jauch-Redaktion wartete. Damit sei dann das "Wer-wird-Millionär"-Kapitel für ihn auch abgeschlossen, sagt der Gewinner, denkt kurz nach und macht prompt einen Rückzieher.

Die Frage, ob man auf ihn als Telefonjoker bauen könne, beantwortet er begeistert mit einem Ja. "In Geografie, Geschichte, Sport und klassischer Musik bin ich nahezu unschlagbar."

Von Peter Mlodoch

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