Neue, ungewöhnliche und empfehlenswerte Bücher

Jede Menge Lesestoff 2018: Geschenktipps zu Weihnachten aus der Redaktion

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Bücher zählen zu den beliebtesten Weihnachtsgeschenken. Auch in diesem Jahr stellen Redakteure unserer Zeitung wieder vor dem Fest ihre Favoriten vor.

Vielleicht finden Sie, liebe Leser, die eine oder andere Anregung – entweder zum Verschenken oder zum Selberlesen.

Die Tipps sind in drei Kategorien eingeteilt: 

  1. Das Buch des Jahres 2018: Welche Neuerscheinung hat am meisten beeindruckt, war am spannendsten, hat den größten Spaß bereitet? 
  2. Das Buch, dem man viele Leser wünscht: Welches Buch ist so faszinierend, dass es unbedingt gelesen werden sollte? 
  3. Der besondere Buchtipp: Seltene, ungewöhnliche, skurrile oder zeitlose Bücher.

Jens Nähler (45), Chefredaktion/Onlineredaktion

Michele Ufer: Limit Skills. Delius Klasing, 160 S., 24,90 Euro: Michele Ufer animiert seine Leser, bei sich selbst auf Spurensuche zu gehen: Was würde ich gern verändern? Wie schaffen es andere, vermeintliche Grenzen zu überwinden? Ufer, der selbst Extremsportler ist, spricht mit anderen Sportlern, Abenteurern und Wissenschaftlern und geht der Motivation auf den Grund – um am Ende dem Leser konkrete Tipps mit auf den Weg zu geben. Unglaublich spannend, immer inspirierend und fern von simplen Motivationssprüchen. Stattdessen ein toller Ratgeber in Sachen Grenzkompetenz. 

Truman Capote: Kaltblütig. Rowohlt, 480 S., 9,99 Euro: „Kaltblütig“ (1966) ist ein Tatsachenroman, in dem Capote anhand von Gesprächen mit den inhaftierten Tätern rational und sachlich einen grausamen Mord in einer Kleinstadt in Kansas/USA dokumentiert. Er versucht, die Skrupellosigkeit der Mörder zu verstehen und liefert einen atemberaubenden Einblick in die Psychologie des Verbrechens.

Christopher McDougall: Born to run. Heyne, 400 S., 12,99 Euro: Wenn es ein Buch gibt, das zum Laufen motiviert, so ist es dieses. McDougall liefert einen wunderbaren Einblick in die Ultralaufszene – auch für Nichtläufer immer spannend zu lesen. Läufer werden das Buch nicht aus der Hand legen können, es sei denn, um selbst die Sportschuhe anzuziehen – oder gleich barfuß zu laufen.

Friederike Steensen (33), Redaktion Witzenhausen

Carmen Korn: Zeitenwende. Kindler, 560 S., 19,95 Euro: Endlich erfahren wir im dritten Teil der Jahrhundert-Trilogie, wie es ab 1970 mit den Freundinnen Henny, Käthe, Ida und Lina weitergeht, die wir 1918 (im ersten Band) kennengelernt haben. Mitreißend mischt Korn die Geschichte der geteilten Republik mit dem Schicksal vierer Familien, nimmt alte Handlungsstränge auf, fügt neue hinzu. Manchmal etwas oberflächlich, aber stets menschlich – eine historische Soap.

Mark Haddon: Supergute Tage oder Die sonderbare Welt des Christopher Boone. Blessing, 288 S., 7,99 Euro: Wie meistert man den Alltag, wenn man weder Witze noch Gesichtsausdrücke versteht, dafür aber kleinste Details bemerkt? Wenn man nicht lügen kann? Christopher – 15 Jahre alt, Autist – will dennoch den Mord an Nachbars Pudel aufklären. Kurios, lustig und tiefsinnig.

Pete Souza: Barack Obama – Bilder einer Ära. Prestel, 352 S., 42 Euro: Erinnern Sie sich an die Zeit, als man sich bei Nachrichten aus der US-Politik noch nicht reflexartig die Haare raufte? Pete Souza war acht Jahre Fotograf im Weißen Haus, sein Bildband ist eine Zeitreise: Zu einem US-Präsidenten, der zuhörte statt Hass schürte und Humor hatte statt Paranoia.

Thomas Siemon (59), Redaktion Stadt Kassel

Mariana Leky: Was man von hier aus sehen kann. DuMont, 320 S., 20 Euro: Alle in diesem Dorf sind ebenso schräg wie liebenswert. Selbst Marlies, die konstant schlechte Laune hat. Der Optiker sowieso. Und auch die abergläubische Selma, die manchmal von einem Okapi träumt. Danach stirbt dann immer jemand. Klingt seltsam? Macht nichts. Die Geschichte ist so schön erzählt, dass man zusammen mit Selmas Enkelin Luise die Verstocktheit ablegen muss und sich begeistern darf. 

Olivier Bourdeuat: Warten auf Bojangles. Piper, 160 Seiten., 18 Euro: Vor der Lektüre oder mittendrin? Irgendwann sollte man sich das wunderschön melancholische „Mr. Bojangles“ von Nina Simone anhören. Denn dann bekommt die Geschichte einer etwas anderen Familie und eines Elternpaars, das gern und immer nur zu diesem Lied tanzt, eine eigene Melodie. Tolle Urlaubslektüre, funktioniert aber auch unter dem Weihnachtsbaum.

Jean-Luc Bannalec: Bretonische Geheimnisse. Kiepenheuer & Witsch, 400 S., 16 Euro: Als Krimi überschaubar spannend, als Lustmacher auf die Bretagne kaum zu übertreffen.

Theresa Novak (30), Redaktion Kreis Kassel

Michelle Marly: Mademoiselle Coco und der Duft der Liebe. Aufbau, 496 S., 12,99 Euro: Der weltberühmte Duft Chanel Nº5, seine Schöpferin und Paris in den 20er-Jahren: Um all dies geht es in dem Werk, das zur Reihe „Mutige Frauen zwischen Kunst und Liebe“ gehört. Ein richtiger Schmöker, der Lust auf weitere Bücher der Reihe macht.

Sarah Lark: Im Land der weißen Wolke. Bastei Lübbe, 832 S., 11 Euro: Zwei junge Frauen wandern 1852 von England nach Neuseeland aus und sollen Männer heiraten, die sie kaum kennen. Ihre Leben entwickeln sich in völlig unterschiedliche Richtungen, doch ihre Schicksale sind fest miteinander verbunden. Ein toller Auftakt der dreiteiligen Neuseeland-Saga.

Arnold Schwarzenegger: Total Recall: Die wahre Geschichte meines Lebens. Heyne, 672 S., 13,99 Euro: Was für ein Mann: Die Biografie des Bodybuilders, Schauspielers und Politikers liest sich wie ein Roman. Am interessantesten sind dabei die Kapitel über Sport. Mit welcher Disziplin Schwarzenegger es im Alter von 20 Jahren zum jüngsten Mister Universum aller Zeiten schaffte, ist einfach unglaublich.

Maximilian Beer (29), Volontär Kulturredaktion

Olaf Sundermeyer: Gauland – Die Rache des alten Mannes. C.H. Beck, 176 S., 14,95 Euro: Wer ist der gebildete Kopf hinter der oft so geschichtsvergessen pöbelnden AfD? Wer ist Alexander Gauland? Sundermeyer beschreibt einen Mann, der sich, vom Groll auf seine alte Liebe CDU getrieben, zu einer Liaison mit rechten Hetzern hinreißen ließ. Einen machtgeilen Opportunisten, dem so vieles egal ist. Das Buch: teils sprunghaft, oft plakativ, aber durchweg lesenswert.

Kurt Tucholsky: Zwischen Gestern und Morgen. Rowohlt, 256 S., 10 Euro: Es wäre Wahnsinn, die Qualität eines Tucholsky-Buches beurteilen zu wollen. Nur so viel: Diese Sammlung aus Schriften und Gedichten strotzt so sehr vor Sprachwitz und Ironie, dass man nach vielen Texten erst mal eine Pause braucht. Und: Man lernt, wie anspruchsvoll der Beruf des städtischen „Laternenanzünders“ ist.

Rocko Schamoni: Risiko des Ruhms. Rowohlt, 192 S., 8,99 Euro: Die (Schein-)Memoiren des großartigen Rocko Schamoni, der als Kind mit seiner Familie aus Langeweile Käseläden überfiel. Da ist jeder Satz so absurd, dass es manchmal fast wehtut.

Maja Yüce (45), Kulturredaktion

Clara Asscher-Pinkhof: Sternkinder. Dressler, 288 S., 18 Euro: Ein aufwühlendes und schonungsloses Zeitdokument. Sternkinder sind jüdische Kinder, die während der Schreckenszeit der Nationalsozialisten den Davidstern tragen mussten. Wie sich ihr Leben veränderte, erfährt man hautnah aus Kindersicht. Asscher-Pinkhof hat jüdische Kinder unterrichtet – auch in Konzentrationslagern. Ihr Leiden veröffentlichte sie 1961 in 58 Geschichten, jetzt neu herausgebracht zum 80. Jahrestag der Reichspogromnacht. Die Protagonisten bleiben namenlos, das macht es gewaltiger – und universeller.

Béatrice Fontanel, Claire d´Harcourt: Babys in den Kulturen der Welt. Gerstenberg, 280 S., 36 Euro: Kuhfladen in der Windel, ein Bad im Rauch: Das Umsorgen der Babys umfasst in anderen Kulturen nicht nur konkrete Bedürfnisse, sondern auch symbolische und magische Praktiken. Spannende und innige Geschichten darüber, wie Babys in anderen Teilen der Welt leben – und tolle Bilder.

Martin Suter, Stephan Eicher: Song Book. Diogenes, 104 S., 36 Euro: Ein Buch für Menschen, die gute Texte und gute Musik mögen. Zu den Liedtexten des Schweizer (Rock-)Chansonniers Eicher, die Schriftsteller Suter übersetzt, gibt es witzige Entstehungsgeschichten – mit dabei: CD mit warmherzigen Liedern.

Tibor Pézsa (57), Politikredaktion

Thomas Bauer: Die Vereindeutigung der Welt. Über den Verlust an Mehrdeutigkeit und Vielfalt. Reclam, 104 S., 6 Euro: Schon mal drüber nachgedacht, warum wir auf Reisen immer weniger Anderes und immer mehr Bekanntes entdecken? Diese weißen Plastikstühle zum Beispiel, Verpackungen, Autos, Alltagsgegenstände. Aber auch Sichtweisen auf die Welt gleichen sich an. So krass wie das Artensterben ist auch der Trend zu einer immer normierteren Sicht auf die Dinge. Der Münsteraner Arabist Thomas Bauer nennt dies in seinem philosophischen Bestseller Vereindeutigung. Zum Weiterdenken.

Martin Buber: Ich und Du. Reclam, 143 S., 4 Euro: Ein philosophischer Klassiker, in wunderschöner Sprache vor fast 100 Jahren geschrieben. Ich-Du steht für die Liebe, vom Menschen, zum Menschen, letztlich auch von und zu Gott. Mit Buber denken heißt, über Sprache nachdenken und über die kostbarsten Momente unseres Lebens, inmitten eines anschwellenden Meers von anderem.

Alexandre Dumas: Der Graf von Monte Christo. Anaconda, 944 S., 9,95 Euro: Einmal wieder so schmökern wie früher? Dann muss man Dumas lesen. Seine Geschichte über Gier, Neid, aber vor allem Rache ist ein Klassiker der Weltliteratur. Spannend bis zum Schluss.

Kathrin Müller (41), Producing

Jacqueline Woodson: Ein anderes Brooklyn. Piper, 160 S., 20 Euro: Ein mitreißendes Buch für Erwachsene aus der Feder einer Jugendbuchautorin: Zur Beerdigung ihres Vaters kehrt die Anthropologin August zurück nach New York, Stadt ihrer Kindheit. Hier, im Brooklyn der 70er-Jahre, ist sie aufgewachsen. Es ist die Geschichte einer Freundschaft unter vier Mädchen, die unzertrennbar sind und doch auseinandergerissen werden. Ein Buch voller Poesie, lyrisch und wunderschön.

Oliver Hilmes: Berlin 1936. Siedler, 304 S., 19,99 Euro: Berlin 1936: Der Sommer in einer Stadt, die vom Nationalsozialismus überschattet wird und zugleich im Glanz der Olympischen Spiele erstrahlt. Der Autor nutzt historische Quellen und folgt prominenten und auch unbekannten Figuren durch diese flirrenden 16 Tage. Atmosphärisch dicht, rasant und einfach nur gut.

Joachim Meyerhoff: Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war. Kiepenheuer & Witsch, 352 S., 19,99 Euro: Herrlich skurril, tief berührend und unglaublich witzig: Die autobiografischen Kindheitserinnerungen des Theaterschauspielers Meyerhoff, der als jüngster Sohn des Direktors einer Kinder- und Jugendpsychiatrie mitten in der Anstalt aufwächst, sind ein Erlebnis. Bitte lesen!

Petra Wettlaufer-Pohl (61), Nachrichtenredaktion

Pete Souza: Shade – A Tale of Two Presidents. Little, Brown and Company, 236 S., 18,99 Euro: Zugegeben, Pete Souza, ehemaliger Cheffotograf im Weißen Haus, ist ein echter Obama-Fan, das spürt man auf jeder Seite. Kaum einer war aber auch so dicht dran an Amerikas erstem schwarzen Präsidenten. Und doch ist sein neues Buch die Geschichte zweier Präsidenten: Eine Gegenüberstellung von Fotos von Obama zu bestimmten Ereignissen und Twitter-Nachrichten, die Trump aus diesen Anlässen verfasst hat. Mehr braucht es nicht, die beiden zu charakterisieren.

Wladimir Kaminer: Die Kreuzfahrer. Wunderraum, 224 S., 20 Euro: Zu Kreuzfahrten haben viele Menschen ja ihre ganz eigene Meinung, auch wenn sie noch nie eine gemacht haben. Sich lustig zu machen, Klischees zu pflegen ist das eine, aber es derart amüsant, leichtfüßig und ohne jede Häme zu verpacken, das kann nur Wladimir Kaminer. Ob in die Karibik oder die Ostsee, man folgt ihm und Gattin Olga nur zu gern.

Um das ganze Cover zu sehen, klicken Sie oben rechts. 

J. L. Carr: Ein Monat auf dem Land. DuMont, 158 Seiten, 10 Euro: Das Leben auf dem Land ist gerade modern, ob Dörte Hansen oder Juli Zeh, sie haben das Landleben – für frustrierte Städter – entdeckt. Ganz anders der schmale Band von J. L. Carr, dessen Protagonist Tom Birkin, kriegsversehrt im Ersten Weltkrieg, 1920 als Restaurator in ein Dorf in Nordengland kommt. Das soll man lesen? Man sollte. Literatur vom Feinsten, die man gar nicht aus der Hand legen mag.

Werner Fritsch (62), Kulturredaktion

Virginie Despentes: Vernon Subutex. 3 Bände, Kiepenheuer & Witsch, jeder Band 22 Euro: Mit ihrer Romantrilogie über Vernon Subutex, einen Pariser Plattenhändler, der nach seinem Absturz in die Obdachlosigkeit zum guruhaften DJ und Kristallisationspunkt einer heterogenen Gruppe von Menschen wird, hat die französische Autorin Virginie Despentes eine spannende literarische Zeitanalyse vorgelegt. Faszinierend die präzise sprachliche Einfühlung, mit der die Autorin im Wechsel die Perspektiven aller Figuren im Umkreis des Titelhelden einnimmt. So entsteht ein tiefenscharfes Bild unserer Gesellschaft, ihrer Ideologien und Konflikte.

Bas Kast: Der Ernährungskompass. C. Bertelsmann, 320 Seiten, 20 Euro: Ein großes Thema: Was ist richtige und gute Ernährung? Erbitterte Glaubenskämpfe werden da ausgefochten. Der Wissenschaftsjournalist Bas Kast hat in jahrelanger Arbeit Tausende Studien zum Thema Ernährung ausgewertet – und geschaut, wer sie bezahlt hat. Die Ergebnisse fasst er in diesem gut lesbaren Buch zusammen. Am Ende stehen ein paar Tipps, aber keine neue Heilslehre. Manches konnte man erwarten, Anderes überrascht. Sehr hilfreich.

Eva Meijer: Die Sprachen der Tiere. Matthes & Seitz (Naturkunden). 176 Seiten, 28 Euro: „Wer Glück hat, trifft ein Tier, das mit ihm sprechen will.“ So leitet die Philosophin und Autorin Eva Meijer ihr spannendes Buch über die Sprachen der Tiere ein. Es enthält Unglaubliches über tierische Kommunikation: Ein Rotschwanzpapagei spricht 150 Wörter, Delfine nennen sich beim Namen. Es geht aber um mehr als um Merkwürdigkeiten. Nämlich um die Frage, ob Tiere ein Ich-Bewusstsein entwickeln können, und darum, was sie eigentlich von Menschen unterscheidet.

Jörg Paulus (39), Redaktion Frankenberg

Timur Vermes: Die Hungrigen und die Satten.Eichborn, 509 S., 22 Euro: Was wäre, wenn Hunderttausende Flüchtlinge aus einem Camp in Afrika zu Fuß auf dem Weg nach Deutschland wären? Will und kann Deutschland das verhindern? Wie reagieren Bürger und Politik? Darum geht es in dem Roman, der anfangs komisch daherkommt, aber letztlich ernst und politisch ist. Wie bei seiner Hitler-Persiflage „Er ist wieder da“ hält uns Vermes einen Spiegel hin – diesmal noch realer, noch beklemmender.

Ronald Reng: Warum wir laufen. Piper, 304 Seiten, 20 Euro: Ronald Reng ist ein meisterhafter Erzähler, wie er schon bei seiner Biografie über den Fußball-Torwart Robert Enke eindrucksvoll gezeigt hat. Deshalb ist „Warum wir laufen“ auch nicht das x-te Laufbuch und schon gar kein Ratgeber, sondern ein ebenso unterhaltsames wie informatives Buch über das Laufen, seine Geschichte und vor allem über Läufer, zu denen auch Sportjournalist Reng gehört: Der 48-Jährige war als Jugendlicher erfolgreicher Mittelstreckenläufer. Auch deshalb weiß er, warum wir laufen.

Jörg Maurer: Im Schnee wird nur dem Tod nicht kalt. Fischer, 432 Seiten, 16,99 Euro: Kennen Sie Hubertus Jennerwein? Nein? Dann wird es Zeit. Jörg Maurer hat gerade seinen elften Alpen-Krimi mit dem kultigen Kommissar veröffentlicht. Und die Geschichten sind genauso originell wie die Buchtitel.

Michaela Streuff (38), Sportredaktion

Mark Sullivan: Unter blutrotem Himmel. Tinte & Feder, 596 S., 12,99 Euro: Pino Lella will weder etwas mit den Nazis noch mit dem Zweiten Weltkrieg zu tun haben. Doch als die Bomben 1943 auf seine Heimat Mailand fallen, geht er in den Untergrund, wird zum Fluchthelfer und Spion für die Alliierten, verliebt sich. Die mitreißend erzählte Geschichte eines Helden, den bislang keiner kannte. Das Besondere: Pino Lella gibt es wirklich. Autor Mark Sullivan hat in vielen Gesprächen das Leben des 92-Jährigen aufgezeichnet.

Jojo Moyes: Im Schatten das Licht. Rowohlt, 576 Seiten, 14,99 Euro: Sarah und ihr Opa teilen die Liebe zu Pferden, Natasha und Ehemann Mac stehen vor der Scheidung. Doch dann kreuzen sich die Wege des Quartetts, Sarah findet bei Natasha und Mac ein neues Zuhause – bis sie plötzlich verschwindet. Kurzweiliger Schmöker für einen langen Winterabend.

Bernadette Calonego: Oh, wie schön ist Kanada. Leben unterm Ahornblatt. Ullstein, 272 Seiten, 11 Euro: Etwas Gutes hat die Regierung Trump ja: Aufmerksamkeit bekommt plötzlich der große Nachbar im Norden der USA. Kanada ist die charmant-lässige Alternative zu den Vereinigten Staaten, ein Schmelztiegel der Kulturen, reich an Geschichte und unglaublicher Natur. Kurzweilig und witzig berichtet die Auslandskorrespondentin vom Kabeljau-Küssen in Neufundland, vom Brandeisen auf den Bluejeans – kurzum: wie man sich in Land und Leute verliebt.

Claudia Brandau (54), Redaktion Fritzlar-Homberg

Dörte Hansen: Mittagsstunde. Penguin, 320 Seiten, 22 Euro: Es ist ein Abgesang auf eine Zeit, in der in den Dörfern abends hinter Stallfenstern noch Licht brannte. Allerdings ein lakonischer Abgesang, denn Dörte Hansens großartiger Roman spielt in einer wortkargen norddeutschen Region. Im Buch ruft eine leicht irre 17-Jährige allen Passanten ein drohendes „De Welt geiht ünner“ hinterher. Das stimmt nicht ganz: Die Welt an sich ging nicht unter. Wohl aber die, in der der Begriff „Heimat“ noch von vielen Traditionen geprägt war.

Helene Hanff: 84 Charing Cross Road. btb, 159 Seiten, 12,90 Euro: Dieser Briefwechsel ist eine Laudatio auf die Literatur und auf die Freundschaft zugleich. Die New Yorkerin Helene Hanff schreibt 1949 auf der Suche nach gutem Lesestoff den Antiquar Frank Doel aus London an. Aus der anfangs simplen Geschäfts-Korrespondenz wird eine großartige Brieffreundschaft zwischen dem spitzzüngigen Fräulein Hanff und dem knurrigen Buchhändler. Dieses kleine Buch ist großes Kino.

Waldwunder: Vom Glück, im Grünen zu sein. DuMont, 272 Seiten, 26,90 Euro: Auch wenn das Jahr 2018 als Supersommer in die Geschichte eingehen wird – für die Wälder war die Dürre eine Katastrophe. Deshalb ist dieser (Bilder-)Buchtipp dem Wald gewidmet. Die Fotos und Geschichten über Eichen-, Buchen, Zirbel- und Nebelwälder machen deutlich, welche unfassbaren Naturschätze die Wälder dieser Welt sind. Wer drin blättert, möchte eines: raus und Bäume umarmen. Oder wenigstens angucken.

Björn Friedrichs (26), Volontär Bad Hersfeld/Rotenburg

Melanie Raabe: Der Schatten. btb, 416 Seiten, 16 Euro: Norah ist gerade nach Wien gezogen, als sie von einer Bettlerin angesprochen wird. Diese prophezeit ihr, sie werde an einem bestimmten Tag jemanden umbringen. Die junge Autorin Melanie Raabe hat mit ihrem dritten Roman 2018 einen spannenden Thriller geschrieben, der ohne großes Blutvergießen auskommt. Einmal angefangen, fällt es schwer, das Buch aus der Hand zu legen.

Simon Beckett: Die Chemie des Todes. Wunderlich, 432 S., 19,90 Euro: Thriller Nummer 2: David Hunter war ein berühmter Rechtsmediziner. Weder sein neuer Arbeitgeber, der alte Dr. Maitland, noch die Dorfbewohner in Manham wissen etwas von seiner Vergangenheit – bis zu dem Zeitpunkt, als die Leiche einer Frau auftaucht. Autor Simon Beckett schreibt spannend und lässt Hunter in vier weiteren Büchern weiter ermitteln. 

Steve Berry: Antarctica. Blanvalet, 608 Seiten, 9,99 Euro: Thriller Nummer 3: Ex-Agent Cotton Malone, dessen Vater damals an Bord eines U-Boots starb, versucht, den Unfall Jahrzehnte später aufzuklären. Eine spannende Story, bei der sich historische Fakten mit ausgedachten Geschichten mischen. Aufgeklärt wird erst ganz zum Schluss.

Thomas Kopietz (57), Redaktion Göttingen

James Baldwin: Von dieser Welt. dtv, 320 Seiten, 22 Euro: Baldwin war Zeit seines Lebens Bürgerrechtler. Sein Mittel war eine wunderbare Sprache, die in Romanen, Essays und auf der Bühne begeistert. Alltagsszenen, brillant beschrieben, spiegeln die Verbitterung, aber auch Hoffnung der unterdrückten schwarzen US-Bevölkerung wider. Aber ist die Bürgerrechtsbewegung nicht längst vergangen? Nein. Sie ist gegenwärtig – wie dieses Buch. Das erschien 1953 und jetzt wieder, prima übersetzt.

Dietrich Schulze-Marmeling: Der Fall Özil. Verlag Die Werkstatt, 192 Seiten, 14,90 Euro:2014: Die Multi-Kulti-Integration-Vorzeigetruppe wird Weltmeister – mit Mesut Özil: einst von der Kanzlerin geherzt, nun wegen des blöden Fotos mit Erdogan verstoßen. Schulze-Marmeling bezieht klar Position jenseits der Polemik, spielt thematisch den astreinen Pass in die Tiefe, den auch Özil meisterlich beherrscht. Er fordert eine Grundsatzdiskussion über Rassismus und Nationalismus in Deutschland und Europa. Ein wichtiges Buch – auch für Özil-Verächter.

Roberto Saviano/Giovanni di Lorenzo: Erklär mir Italien! Kiepenheuer & Witsch, 274 Seiten, 20 Euro: Roberto Saviano („Camorra“) erklärt im Gespräch, wie Italien tickt – jenes liebenswerte, berückend schöne und sogleich politisch zerrüttete, mafiabestimmte, morbide Pleite-Land. Wer „Italia“ und Leute, Politik und Strukturen verstehen lernen will: bitte lesen.

Bella Italia: Um das ganze Buchcover zu sehen, klicken Sie oben rechts. 

Christina Hein (57), Redaktion Stadt Kassel

Alexander Schimmelbusch: Hochdeutschland. Tropen, 214 Seiten, 20 Euro: Von der ersten Seite an reißt dieser Roman mit – nicht nur, weil der Protagonist Victor, ein Millionen schwerer Investment-Banker, im Porsche durch die Welt gleitet. Mit einer Sprache, die er wie ein Skalpell einsetzt, beschreibt Alexander Schimmelbusch eine hyperaktuelle Welt, die schwindelerregend verstört: Aus Überdruss schreibt Victor ein populistisches Manifest, das sich ein Möchtegern-Politiker unter den Nagel reißt, um darauf seine Karriere aufzubauen. 

Daniel Kehlmann: Tyll, Rowohlt, 480 Seiten, 22,95 Euro: Wer das historische Monstrum Dreißigjähriger Krieg verstehen will und zudem eine Sprachkunst der Sonderklasse schätzt, kommt an diesem bewegenden Roman nicht vorbei.

Wolfgang Fricke: 9xGrimm – Märchen ohne Ruckediguh. Boxan, 40 S., 15 Euro: Grimms Märchen sind bekannt. Aber auch das vom Mäuschen, Vögelchen und der Bratwurst, vom Eselein oder der Scholle? Skurrile und absurde Entdeckungen verspricht Illustrator Wolfgang Fricke und hat offensichtlich höllische Freude daran gehabt, diese zu bebildern. Der Kasseler Verlag Boxan hat alles in eine bezaubernde Heftform gebracht. Zur Freude von Freunden des Außergewöhnlichen.

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