Neue Studie

Alkohol bei Jugendlichen: Zwischen Koma-Saufen und Abstinenz

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Einmal zu viel gefeiert, oder? Eine junge Frau liegt völlig betrunken auf dem Pflaster an einer Plakatsäule am Potsdamer Platz in Berlin im Bezirk Mitte. Foto: dpa

Berlin. Viele Jungen und Mädchen trinken zu viel Alkohol - einige verzichten aber auch ganz. Das zeigt eine neue Studie. Rauschtrinken ist demnach nach wie vor eine Art „Trendsport, völlige Abstinenz ist aber ebenso in Mode.

Hoch die Tassen - „ein ordentlicher Vollrausch hat uns auch nicht geschadet!“ Glaubt man der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU), haben Erwachsene früher so den Alkoholmissbrauch durch Jugendliche verharmlost. Heute ist man schlauer: Je eher jemand zur Flasche greift, desto schlimmer können die Folgen für Gehirn und Organe sein.

Trotzdem ist Rauschtrinken nach wie vor eine Art „Trendsport“. Kurios: Völlige Abstinenz ist ebenso in Mode. Das geht aus einer in Berlin vorgestellten Studie zum Alkoholkonsum des Nachwuchses hervor.

Die Erhebung, für die 5000 Menschen im Alter von zwölf bis 25 Jahren befragt wurden, hat ergeben, dass sich etwa 17 Prozent der 12- bis 17-Jährigen mindestens einmal im Monat in einen Rausch trinkt. Bei den 18- bis 25-Jährigen sind es sogar 44 Prozent. Im Vergleich zu früheren Studien sei „keine Trendwende“ erkennbar, befand Mortler. 32 Prozent der Jugendlichen ab 16 Jahren greifen mindestens einmal in der Woche zum Glas. Jungen trinken dabei nach wie vor häufiger als Mädchen Bier, Wein oder Schnaps.

Das Gesundheitsrisiko sei erheblich, so Mortler. Im letzten Jahr seien deutschlandweit mehr als 26 000 Fälle registriert worden, bei denen eine lebensgefährliche Alkoholvergiftung im Krankenhaus festgestellt wurden.

Doch es gibt auch die andere Tendenz. Immer mehr 12- bis 17-Jährige verzichten ganz auf Alkohol. 30 Prozent gaben an, noch nie in ihrem Leben getrunken zu haben. Vor zehn Jahren waren es lediglich 13 Prozent. Für Mortler ist der Anstieg der Abstinenzlerzahlen ein Hinweis darauf, dass es in der Gesellschaft auch ein Umdenken gebe. Außerdem hätten sich die Präventionsarbeit und Kampagnen wie „Kenn Dein Limit“ ausgezahlt.

Doch wer ist gefährdet? Wenn in kürzester Zeit möglichst viel getrunken wird, um angeheitert zu sein. Die Grenze zum Komasaufen, zum Trinken bis zur Bewusstlosigkeit, ist dann schnell überschritten. Für Jungs gilt: Ab fünf oder mehr Gläsern Alkoholisches ist der Rausch wahrscheinlich. Mädchen vertragen meistens aufgrund ihres geringeren Körperflüssigkeitsanteils weniger. Daher beginnt bei ihnen das „Rauschtrinken“ schon bei vier Gläsern.

Mortler will vor allem auf Prävention und Vorbeugung setzen. Zurückhaltend äußerte sie sich über eine Verteuerung von Alkohol, wie das beispielsweise bei den Alkopops der Fall gewesen ist. Auch hinsichtlich strengerer Gesetze mit dem Ziel, die Verfügbarkeit von Bier, Wein oder Schnaps einzudämmen, zeigte sie sich skeptisch. Vielmehr müssten die bestehenden Sanktionsmöglichkeiten ausgeschöpft werden. Zu möglichen Alkohol-Werbeverboten sagte Mortler: „Ich bin hier offen für Diskussionen.“

von Hagen Strauß

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