Nach Massencrash: Schwierige Ermittlungen

Kavelstorf/Rostock - Die Ermittlungen zur Ursache des Massenunfalls mit acht Toten auf der Autobahn 19 gestalten sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft Rostock sehr schwierig.

Nach der Massenkarambolage in einem Sandsturm auf der Autobahn 19 ist die Diskussion über die Ursachen entbrannt. Die Prüforganisation Dekra rechnet mit wochenlangen Untersuchungen. Wissenschaftler machen die Agrarindustrie für den verheerenden Sturm mitverantwortlich, der den Autofahrern die Sicht nahm. Bei dem Horror-Crash bei Kavelstorf in Mecklenburg-Vorpommern waren am Freitag 82 Autos ineinandergerast, acht Menschen starben und 44 wurden verletzt. 16 Unfallopfer wurden am Montag noch in den Kliniken der Umgebung behandelt. Ein Mann liege noch in kritischem Zustand auf der Intensivstation in Güstrow.

Unterdessen gestalten sich die Ermittlungen zur Unfallursache nach Angaben der Staatsanwaltschaft Rostock sehr schwierig. Man könne vielleicht herausfinden, von welchem Auto der erste Auffahrunfall ausgegangen sei, sagte eine Sprecherin. Dafür könne man eventuell auch Zeugen finden, da im vorderen Bereich keine Autos In Brand geraten seien. Wenn das geklärt sei, könne man demjenigen aber kaum die Schuld für die Toten im mittleren und hinteren Teil der Karambolage zuordnen. Das Feuer habe vor allem weiter hinten bei den Fahrzeugen gewütet.

Massenkarambolage im Sandsturm auf A19

Massenkarambolage im Sandsturm auf A19: Viele Tote

Die Prüforganisation Dekra rechnet gar mit Wochen und Monaten, um den Massencrash technisch aufzuarbeiten. Aber es werde kaum möglich sein, für jedes einzelne Auto den genauen Hergang zu klären, sagte Fachabteilungsleiter Dirk Hartwig. Er bezeichnete bisherige öffentliche Äußerungen über Unfallursache oder Ablauf als “pure Spekulation“. Die Dekra arbeite im Auftrage der Staatsanwaltschaft. Geklärt werden müsse, ob bei einzelnen Autofahrern ein strafrechtlich relevantes Fehlverhalten vorliege.

Auch die Agrarindustrie ist in die Aufarbeitung miteinbezogen. Der Massenunfall hat die Diskussion auch über Windschutzstreifen auf Feldern neu entfacht. “Da liegt einiges im Argen“, sagte der Professor im Fachbereich Landschaftsarchitektur an der Hochschule Neubrandenburg, Mathias Grünwald. Gebraucht würden Feldhecken, nicht nur entlang der Straßen. Die Landwirtschaft aber sei nur an Großflächen interessiert, die sich gut bearbeiten ließen. “Jetzt haben wir die Kehrseite davon gesehen“, sagte Grünwald.

“Jedem Landwirt muss das Herz bluten, wenn er sieht, wie die Ackerkrume davonweht“, meinte Grünwald. Dass unbedeckter Boden bei Trockenheit weggetragen wird, “gehört zum Erfahrungsschatz seit der Jungsteinzeit“, kommentierte der Professor. Heute seien im Frühjahr hauptsächlich die Felder kahl, auf denen Mais gelegt werden soll. Der Anbau einer Zwischenfrucht, die als Gründünger untergepflügt werden könne, sei sinnvoll. Wo jetzt Winterweizen oder -raps wachse, gebe es das Erosionsproblem nicht.

Keinen neuen Diskussionsbedarf sieht Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) beim Thema allgemeines Tempolimit auf Autobahnen. Das werde es mit dem Minister nicht geben, bekräftigte sein Sprecher Sebastian Rudolph. Man dürfe auch einen solch schlimmen Unfall nicht mit grundsätzlichen Themen vermischen. “Die Gesetze der Natur setzen einfach auch der Verkehrssicherheit Grenzen.“ Auf fast 40 Prozent der deutschen Bundesstraßen und Autobahnen gelte bereits ein Tempolimit. Die Länder könnten solche Geschwindigkeitsbegrenzungen jederzeit “bei Gefahr im Verzug“ einrichten.

dpa

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