Kalte Luft aus dem Norden lässt uns zittern

Pro und Kontra: Ist der Winter wirklich so kalt oder sind wir Weicheier?

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Schön kalt: Unser Leser Peter Kerst aus Waldkappel hat das Fuldawehr in Morschen bei Melsungen fotografiert.

Bis zu minus zwölf Grad wird es in den nächsten Tagen in unserer Region kalt. Die einen zittern vor Kälte, die anderen sagen, man solle sich nicht so anstellen, so sei nun mal der Winter. Wie denn nun?

Pro: Dieser Winter fühlt sich eiskalt an

Rebekka Knoll

Ich weiß nicht mehr, was ich noch alles anziehen soll. Wenn ich morgens zur Arbeit fahre, werden meine Finger am eiskalten Lenkrad weiß. Beim Gasgeben sind meine Zehen taub, obwohl ich zwei Paar Socken trage. Wenn ich mittags zum Bäcker laufe, brennt meine Lunge. Und nachdem ich abends mit dem Fahrrad durch die Straßen gefahren bin, kann ich nicht mehr lächeln, weil mein Gesicht festgefroren ist.

Ich finde es extrem kalt. Dabei zeigt das Thermometer minus 5 Grad an – so schlimm klingt das gar nicht. Ist es aber. Die gefühlten Temperaturen liegen nämlich weit darunter, teilweise sogar bei minus 15 Grad. Das liegt zum einen daran, dass der Mensch nicht nur die Temperatur wahrnimmt, sondern eine Zusammensetzung aus Lufttemperatur, Luftfeuchte, Sonnenstrahlen und Windgeschwindigkeit. Außerdem braucht er über eine Woche, um sich an kalte Temperaturen zu gewöhnen.

Der Januar war sehr mild – diesen plötzlichen Temperatursturz müssen wir erst einmal verkraften. Ob ich das rechtzeitig schaffe, weiß ich noch nicht. Ich drücke lieber beide taube Daumen, dass es vorher endlich Frühling wird.

Kontra: Der Winter ist nur wie immer

Matthias Lohr

Dass der Winter anders als alle anderen Jahreszeiten ist, merkt man jedes Jahr nach den ersten Schneeflocken. In den Nachrichten ist dann vom Wintereinbruch die Rede. Der Winter ist nicht einfach da, er kommt als Gangster, der uns mit vorgehaltener Waffe dazu zwingt, dicke Socken anzuziehen und die Autos frei zu kratzen.

Und jetzt ist er richtig da. Alle, die im trüben Dezember über das Schmuddelwetter und zu wenig Sonne klagten, bibbern nun bei strahlend kaltem Winterwetter. Der Winter ist wie die SPD: Er kann es niemandem recht machen. Seine Umfragewerte sind gerade unter dem Nullpunkt.

Dabei sind Minusgrade im Februar durchaus normal - und auch ein eiskalter Nordwind, der jetzt "Russenpeitsche" genannt wird. Das ist nicht immer angenehm. Durch den Klimawandel haben wir schlicht vergessen, dass der Winter als Wetter vor Erfindungen wie der Heizung und der Thermowäsche lebensbedrohlich war. Es war normal, dass Seen zufroren. Das Leben ist kein Heizpilz.

Der Februar wird wahrscheinlich nur etwas kälter ausfallen als im langjährigen Mittel. Aber zumindest für ein paar Tage im Jahr ist der Winter von heute noch wie früher, nur der Mensch hat sich verändert. Der Nike-Gründer Bill Bowerman hatte recht, als er sagte: „Es gibt kein schlechtes Wetter, nur verweichlichte Menschen.“

Hier geht es zu unserer ausführlichen Wettervorschau für die nächsten Tage

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