Donnerstag im Ersten

Er ist der Kaiser: Olli Dittrich als Franz Beckenbauer

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Täuschend echt: Komiker Olli Dittrich spielt „Schorsch Aigner, der Mann, der Franz Beckenbauer war“. 

Olli Dittrich parodierte schon das Frühstücksfernsehen und Talkshows. Nun nimmt sich der Komiker in der ARD das Doku-Genre vor.

Als Doppelgänger von Franz Beckenbauer ist er schlicht grandios.

Im Nachhinein ist es ein Rätsel, warum das Geheimnis von Franz Beckenbauer nicht längst bekannt wurde. Die Lichtgestalt des deutschen Fußballs hat bereits seit einem halben Jahrhundert einen Doppelgänger. Schorsch Aigner heißt „der Mann, der Franz Beckenbauer war“ und den die ARD nun in der gleichnamigen Doku vorstellt. Erst Aigner machte es möglich, dass der Sportbotschafter im Vorfeld der WM 2006 die ganze Welt bereisen und zeitgleich in Togo und Ghana sein konnte.

Gegen dieses dunkle Geheimnis ist selbst der Fifa-Skandal nur „Kindergarten-Schmarrn“, wie der echte Kaiser sagen würde. Das Ganze ist natürlich nur ein Witz, aber ein genialer. Ausgedacht haben ihn sich Komiker Olli Dittrich und Grimme-Preisträger Tom Theunissen. Dittrich hat schon das Frühstücksfernsehen und Talkshows parodiert, nun haben sich die beiden eine Enthüllungs-Doku ausgedacht mit allem, was das Genre ausmacht - etwa dramatischer Musik sowie echten Zeitzeugen wie Reporter Dieter Kürten und Fußballer Guido Buchwald.

Guido Knopp hätte das nicht besser machen können, nur dass es hier nicht um „Hitlers Helfer“ geht, sondern um den von Beckenbauer. Dessen Manager Robert Schwan, so geht die fiktive Geschichte, hatte 1964 seinen Nachbarn engagiert, um den Jungprofi in einem Werbespot für Frühlingssuppe zu doubeln. Also sagte Schorsch Aigner den Satz: „Schmeckt prima, Kraft in den Körper, Knorr auf den Tisch.“ Der Suppen-Spot veränderte sein Leben.

Immer wenn der Franz fortan nicht kann, springt der Schorsch ein. 1975 ersetzt er ihn sogar auf dem Platz - prompt schießt Beckenbauer zwei Eigentore. Auch die einsame Ehrenrunde nach dem WM-Triumph 1990 in Rom bestreitet Aigner, weil der Teamchef aufs Klo muss. Das Double schreitet allein durchs Stadion, so wie er es bei „Ben Hur“ gesehen hat. Es sollte „ein großer Gang in der Bedeutung werden“, erinnert sich Aigner.

Beckenbauer (69) ist für Dittrich (58) die Rolle seines Lebens. Dabei hat er ihn bislang nur selten imitiert, etwa bei „RTL Samstag Nacht“ in den 90ern. Er spielt ihn auch nicht, er ist Aigner/Beckenbauer. Die Texte sind improvisiert und nur manche Szenen albern.

Der echte Beckenbauer wollte indes nicht mitmachen. Dafür wird er nun rehabilitiert. Denn sein umstrittener Satz „Ich habe noch nicht einen einzigen Sklaven in Katar gesehen“ stammt von Aigner. Der und nicht Beckenbauer hatte 2013 die WM-Baustellen besucht. Das handschriftliche Briefing konnte er nicht richtig lesen. Auf dem Papier stand: „Ich habe in Katar noch nie einen schlafen gesehen.“

Donnerstag, 23.30 Uhr, im Ersten, bereits ab 18 Uhr in der Mediathek.

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