Rückkehr aufs "Concordia"-Wrack

Unglücks-Kapitän Schettino: "Bin kein Feigling"

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Schettino musste sich am Kai des Hafens von Giglio einen Weg durch eine Horde von Reportern und Kameraleuten bahnen.

Giglio - Mehr als zwei Jahre nach der Unglücksnacht, in der er die "Costa Concordia" überstürzt verlassen hat, ist Kapitän Francesco Schettino auf das gekenterte Kreuzfahrtschiff zurückgekehrt.

Bei einem gerichtlichen Ortstermin betrat Schettino am Donnerstagmorgen das vor der Insel Giglio vor sich hin rostende Wrack. Der mit Lederjacke und Sonnenbrille bekleidete Schettino musste sich am engen Kai des Hafens von Giglio einen Weg durch eine Horde von Reportern und Kameraleuten bahnen, bevor er sich Helm und Schwimmweste überstreifen und ein Boot der Küstenwache betreten konnte. Gemeinsam mit Experten wurde er anschließend zu dem Wrack gefahren. Das Gericht hatte einem Antrag von Schettinos Verteidigung stattgegeben, dem Kapitän die Teilnahme an dem Ortstermin zu ermöglichen. Bei dem Besuch sollten der Notstrom-Generator und ein Fahrstuhl untersucht werden, in dem mehrere Menschen ums Leben gekommen waren.

Gegenüber italienischen Medien verwahrte Schettino sich gegen Berichte, er habe geweint, als er bei seiner Ankunft auf der Insel am Dienstag das "Costa Concordia"-Wrack gesehen habe. "Man will mich als einen Schwächling hinstellen, wie vor zwei Jahren. So bin ich nicht. Ich will zeigen, dass ich ein Ehrenmann bin und kein Feigling", betonte der Kapitän.

„Ich habe mich hier offen gezeigt, ich stehe vor Gericht“, sagte Schettino (53) nach der Besichtigung. Zu dem Ortstermin dürfe er nichts sagen. Er hoffe aber, dass das Wrack so schnell wie möglich weggeschafft werde. Schettino beklagte, man habe ihn auf dem Weg zum Schiff, das wieder aufgerichtet nahe am Hafen von Giglio liegt, aggressiv behandelt, wie der TV-News-Sender Sky TG24 berichtete.

Die mit 4229 Menschen aus 70 Menschen besetzte "Costa Concordia" hatte am 13. Januar 2012 bei einem riskanten Manöver vor der Küste der Toskana einen Felsen gerammt und war gekentert. Bei dem Unglück kamen 32 Menschen ums Leben, darunter zwölf Deutsche.

Kapitän Schettino: Ortstermin auf der "Costa Concordia"

Kapitän Schettino: Ortstermin auf der "Costa Concordia" - Bilder

Schettino muss sich wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung, Verursachung von Umweltschäden und Verlassen eines Schiffes in Seenot vor Gericht verantworten. Er hatte das Schiff in einem Rettungsboot verlassen, obwohl noch Menschen an Bord waren. Nach eigener Darstellung war Schettino in ein Rettungsboot gefallen und dann an Land geblieben, um von dort aus die Rettungsarbeiten zu koordinieren. Die Hafenbehörde forderte ihn per Handy mehrmals auf, wieder an Bord des Schiffes zu gehen, wo noch zahlreiche Passagiere festsaßen.

Die Bewohner von Giglio reagierten mit gemischten Gefühlen auf Schettinos Rückkehr auf die Insel. "Was uns am meisten gezeichnet hat ist, wie Schettino in der Unglücksnacht das Schiff verlassen hat", sagte Bürgermeister Sergio Ortelli. "Wenn die Scheinwerfer das Wrack erleuchten, kehrt der Schmerz zurück. Die Angehörigen der Opfer und die Leute von Giglio brauchen eine Erklärung für das, was passiert ist." Mehr als für die Anwesenheit Schettinos interessierten sich die Bewohner dafür, dass das Wrack endlich verschwinde und Giglio zur Normalität zurückkehren könne, sagte Ortelli.

afp

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