Kardinal Marx warnt

"Flüchtlinge nicht einfach abwehren"

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Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx.

München - Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Marx, warnt in einem Interview mit dem Münchner Merkur vor einer Abschottung Europas gegen Flüchtlinge.

Vor einer Abschottung Europas gegen Flüchtlinge warnt der Münchner Kardinal Reinhard Marx in einem Exklusiv-Interview mit dem Münchner Merkur (Donnerstag-/Freitagausgabe). Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz betont, dass Flüchtlinge und Asylbewerber "unsere besondere Aufmerksamkeit und Wertschätzung brauchen". Diese Menschen, die aus äußerster Not heraus und unter Einsatz ihres Lebens nach Deutschland gekommen seien, müssten "bei uns menschenwürdig behandelt werden".

Der Kardinal fügt hinzu: "Es ist eine falsche Politik, Europa mit einer Mauer zu umgeben und alle Menschen, die aus Not und Verzweiflung zu uns kommen, möglichst abzuwehren." Natürlich könne man hier nicht alle Probleme der Welt lösen. "Aber wenn ich ganz konkret hier in Deutschland einen Menschen vor mir habe, der Hilfe braucht, dann kann ich mich doch nicht einfach abwenden."

Verständnis zeigt der Erzbischof für die steigende Zahl an Kirchenasylfällen. In Bayern gibt es derzeit rund 100 Fälle. Zwar sei die Kirche kein rechtsfreier Raum, aber es gebe diese Tradition im christlich geprägten Bayern, dass Flüchtlingen in Kirchenräumen Asyl gewährt werde und die Verantwortlichen der Politik diese Menschen nicht mit Gewalt herausholten. Marx rief aber die Pfarrgemeinden zu einer sorgsamen Prüfung jedes einzelnen Falles auf. Zunächst müssten alle Alternativen geprüft werden. "Ich bitte schon darum, dass alle Möglichkeiten genutzt werden und das Kirchenasyl nur in äußerster Not in Erwägung gezogen wird. Wenn man das zu schnell oder flächendeckend praktizieren würde, müsste die staatliche Seite anders reagieren."

Claudia Möllers

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