Prozessionen und Kreuzigungen

Christen aus aller Welt begehen Karfreitag

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Der Philippiner Ruben Enaje lässt sich an ein Kreuz nageln

Jerusalem - Christen auf der ganzen Welt begehen heute mit Prozessionen oder rituellen Kreuzigungen den Karfreitag. Papst Franziskus wird am Abend zum ersten Mal den Kreuzweg am Kolosseum beten.

Die Karfreitagsprozession in der Altstadt von Jerusalem hat in diesem Jahr besonders viele Gläubige und Schaulustige angelockt. Das Gedränge in den engen Gassen war noch größer als üblich. Viele beklagten sich über den enormen Andrang. Nach altem Brauch führten Franziskaner-Mönche den Zug der Gläubigen durch die Via Dolorosa an. Die israelischen Sicherheitskräfte waren wie jedes Jahr in erhöhter Alarmbereitschaft.

„Ich bin das erste Mal hier bei der Prozession. Aber es sind zu viele Menschen hier“, sagte eine Frau aus dem westfälischen Werther der Nachrichtenagentur dpa. Die junge Protestantin leistet in Israel freiwillige Betreuungsarbeit mit behinderten Kindern.

Bei der Prozession empfinden die Gläubigen den Leidensweg Jesu Christi nach. Eine Gruppe Gläubige trug ein besonders schweres Holzkreuz durch die Menge, das dem Kreuz nachempfunden war, an das Jesus vor fast 2000 Jahren geschlagen wurde. Ein anderer hatte sich eine Dornenkrone auf den Kopf gedrückt, wie sie damals auch Jesus aufgezwungen worden sein soll. Als römische Soldaten verkleidete Teilnehmer taten so, als ob sie ihn antreiben und schikanieren würden, so wie es damals mit Jesus geschehen sein soll.

Jesus wurde nach christlichem Glauben am Karfreitag verurteilt und auf dem Hügel Golgatha, der außerhalb der damaligen Stadtmauern gelegenen Hinrichtungsstätte von Jerusalem, gekreuzigt. 14 Stationen auf dem Leidensweg markieren die Stellen, an denen er unter dem Gewicht des schweren Holzkreuzes zusammenbrach. Dort verharrten die Gläubigen jeweils für ein Gebet und fromme Gesänge. Die Prozession endete in der Grabeskirche.

Am Morgen hatte der lateinische Patriarch Fouad Twal in der Grabeskirche die religiösen Feierlichkeiten zum Karfreitag im Beisein von mehreren Hundert Gläubigen begonnen. Am Nachmittag war dort traditionell eine symbolische Grablegung Jesu geplant.

Rituelle Kreuzigungen auf den Philippinen

Auf den Philippinen fanden auch in diesem Jahr wieder rituelle Kreuzigungen statt. Zahlreiche Menschen ließen sich an Kreuze nageln, um das Leiden Jesu Christi nachzustellen. Unter den Augen Tausender Schaulustiger verbrachten mindestens 16 Teilnehmer der Aktion in der nördlichen Provinz Pampanga mehrere Minuten an ein Kreuz genagelt. Andere geißelten sich in Erinnerung an das Leiden Jesu.

Mit der Kreuzigung wollen gläubige Philippiner für ihre Sünden Buße tun oder Gott danken. Zudem hoffen einige, dass dadurch Krankheiten geheilt werden. Die Kirche sieht die jährliche Inszenierung der Kreuzigung aber kritisch.

Papst betet Kreuzweg am Kolosseum

Am Abend wird Papst Franziskus den traditionellen Kreuzweg am römischen Kolosseum beten. Zu der Andacht, die symbolisch den Weg Jesu zum Kreuz nachgeht, werden wie in den Vorjahren Zehntausende Menschen erwartet. Die Meditationen der 14 Stationen stammen in diesem Jahr von Jugendlichen aus dem Libanon.

Zuvor leitet Franziskus am Nachmittag die Feier des Leidens und Sterbens Christi im Petersdom. Eine Messe findet an diesem Tag in der katholischen Kirche nicht statt. Zu den ersten Osterfeierlichkeiten des neuen Papstes wird in Rom mit einem deutlich höheren Pilgerandrang gerechnet.

dpa/AP/kna

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