Für Königinnen werden teils Hunderte Euro bezahlt

Der Herr der Ameisen: 15-Jähriger aus Kassel handelt europaweit mit den Insekten

Kassel: 15-Jähriger handelt europaweit mit Ameisen - und verdient damit Hunderte Euro
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Nicht alle Ameisenbisse sind schmerzhaft: Niclas hat für unser Foto zwei Tiere der Art Messor barbarus aus dem Mittelmeerraum auf den Finger genommen.

Bei Familie Ochonski aus dem Kasseler Stadtteil Niederzwehren herrscht das große Krabbeln. Der jüngste Sohn Niclas betreibt mit „MagicAnts“ einen europaweiten Onlineshop für Ameisenliebhaber.

  • Junge (15) aus Kassel (Nordhessen) handelt europaweit mit Ameisen
  • Manche Exemplare verkauft er für mehrere Hundert Euro
  • In Deutschland gibt es eine große „Ameisen-Community“
  • Kassel – 400 Kolonien mit Arten von fast allen Kontinenten hält der 15-Jährige mit seinem Geschäftspartner, um sie an eine immer größere Fangemeinde als Haustiere zu verkaufen. Bis zu 1000 Euro werden für besonders exotische Tiere geboten.

    „Der Trend kommt aus China, wo die Menschen oft in kleinen Wohnungen leben und keinen Platz für Haustiere haben“, erzählt der Schüler des Lichtenberg-Gymnasiums. Inzwischen gebe es im Netz eine große „Ameisen-Community“ in Deutschland, die sich rege austausche.

    Kassel: 15-Jähriger handelt mit Ameisen - "Spannender als Goldfische"

    Er selbst ist über einen Freund auf die Geschäftsidee gekommen, der selbst auch Ameisen gehalten hat. „Die Tiere sind viel spannender als Goldfische. Es ist faszinierend, sie zu beobachten: wie sie Nester bauen, sich vermehren und jagen. Selbst bei Kolonien mit Zehntausenden Tieren weiß jedes genau, was es zu tun hat“, erzählt Niclas aus Kassel.

    Aus Australien: Für Königinnen der Art Myrmecia nigrocincta werden mehrere Hundert Euro bezahlt.

    Als er bei seinen Eltern mit der Idee eines Ameisenhandels um die Ecke kam, waren diese zunächst skeptisch. Zumal der Schüler auch viele Arten hält, deren Stiche und Bisse sehr schmerzhaft sind, wie Niclas selbst schon zu spüren bekam.

    Kassel: Online-Handel mit Ameisen: 15-Jähriger verdient mehrere Hundert Euro im Monat

    Schließlich erkannten aber auch die Eltern das Potenzial der Geschäftsidee. Denn ihr Sohn verdiente schon bald mehrere Hunderte Euro im Monat mit dem ungewöhnlichen Geschäft. Er verschickt von Kassel aus begattete Königinnen und teilweise ganze Kolonien europaweit. „Aus einer einmal begatteten Königin können über die Jahre Hundertausende Arbeiterinnen entstehen“, sagt Niclas. Die Königinnen werden 15 bis 20 Jahre alt.

    Die Haltung der Ameisen ist je nach Art einfach bis sehr aufwendig. Nur Feuchtigkeit und Nahrung benötigten alle. „Für Einsteiger sind europäische Ameisen geeignet. Vor allem die bei uns übliche schwarze Wegameise ist wenig anspruchsvoll. Eine Königin mit Brut gibt es für zwei Euro“, sagt Niclas.

    Kassel: 15-Jähriger ist Herr der Ameisen - Preis für Kolonie nach Bränden in Australien gestiegen

    Für die australische Art Myrmecia nigrocincta – auch bekannt als Sprung-Ameise – müssen Halter deutlich mehr Bedürfnisse erfüllen: Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Ernährung müssen den Bedingungen des Herkunftslandes entsprechen. Niclas füttert die Tiere mit Mehlwürmern, Fliegen und Grillen und muss gut darauf achten, dass die giftigen Tiere – die 15 Zentimeter weit springen können – nicht entwischen.

    Der hohe Aufwand in der Haltung lohnt sich: Auch wegen der Buschbrände in Australien ist der Preis für seine Kolonie von 600 auf 2000 Euro gestiegen. Es kürzlich kam ein Jugendlicher aus Hamburg in Kassel vorbei, um für 600 Euro eine Königin dieser Art zu kaufen. Bei so teuren Tieren kämen die Käufer meistens persönlich, damit die Tiere den Transport sicher überlebten, sagt Niclas.

    Kassel: Ungewöhnliches Hobby - Ameisenhandel statt Fußball

    Anders als Kaninchen oder Meerschweinchen sorgen Ameisen selbst für Hygiene. Sie sammeln ihren Müll – Essensreste und tote Tiere – auf einem Berg weit abseits des Nestes. Der lässt sich dann einfach beseitigen. Auf diese Weise verhindern sie Infektionen. Die Nester bestehen oft aus Erde- oder Sand. Es gibt aber auch vorgefertigte Nester aus Plastik oder für einige Arten spezielle Pilz-Ameisenhaufen. Niclas hat selbst ein Ameisennest entworfen und Prototypen mit dem 3D-Drucker produziert.

    Noch ist Niclas in seinem Freundeskreis relativ allein mit dem Hobby. „Ich habe versucht, sie mit den Ameisen anzustecken. Die spielen aber lieber Fußball“, sagt er.

    https://magicants.de/

    Video: Ehrenamtliche Ameisenbetreuer werden gesucht

    Von Bastian Ludwig

    Traumberuf Busfahrer: Er zählt mit 18 Jahren zu den jüngsten in Hessen. Schon als kleiner Junge wusste Adrian Hassenpflug aus Kassel, was er einmal werden möchte, wie hna.de* berichtete.

    *hna.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

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