Kasseler Tierheim Wau-Mau-Insel: Immer mehr schwere Fälle

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Traurig und eingeschüchtert: Filou leidet unter einem Hautpilz und Milbenbefall. Nachdem eine Tierärztin den Hund gesehen hatte, schaltete sie das Veterinäramt ein.

Kassel. Als Filou, ein Bobtail-Mix, Ende August in das Tierheim Wau-Mau-Insel gebracht wurde, da hatte der Rüde kaum noch Fell. Grund: Der Hund leidet unter einem Hautpilz und Milbenbefall.

Das hatte eine Tierärztin festgestellt. Dorthin war der Hund immerhin gebracht worden, weil er geimpft werden sollte.

Das Gros der Hunde, die im Tierheim an der Schenkebier Stanne landen, sei nicht durchgeimpft, sagt Leiter Karsten Plücker. Das Tierheim müsse in jüngster Zeit vermehrt verwahrloste Tiere aufnehmen. Tiere, die krank und oft auch gestört sind. „Die Verweildauer wird bei uns immer höher, weil der Zustand der Tiere so schlecht ist“, sagt Plücker. Von den Hunden im Tierheim seien 40 schon länger als ein Jahr da. Vor wenigen Jahren beherbergte das Tierheim um die zehn schwer vermittelbare Hunde, sagt Plücker.

Neben Filou, dessen Hautprobleme noch behandelt werden, wurde kürzlich Gizmo abgegeben. Sein Besitzer, ein Hartz-IV-Empfänger, habe kein Geld mehr gehabt, um für das Tier zu sorgen. Gizmo hat einen gebrochenen Schwanz, Entzündungen und Ekzeme am Hinterteil. Wenn die Entzündungen abgeheilt sind, muss Gizmos Schwanz amputiert werden.

Tierheimleiter Pflücker über verantwortungslose Tierbesitzer

Plücker kann nachvollziehen, wenn Herrchen oder Frauchen kein Geld haben, um eine teure Operation zu bezahlen. Er kann allerdings nicht verstehen, wenn nicht einmal ein Flohmittel für fünf Euro gekauft wird. Kürzlich habe eine 18-Jährige ihren völlig verflohten Hund ins Tierheim gebracht. „50 Flöhe haben wir vom Fell gesammelt“, sagt Plücker. Er wolle gar nicht wissen, wie es in der Wohnung der jungen Frau aussehe.

Er berichtet von einem Pudel, der in einem Schrebergarten in Polen gekauft worden ist. Zu Hause in Kassel stellte das neue Herrchen fest, dass der Pudel beißt. „Wir haben seit Ende der Sommerferien 38 Hunde aufgenommen“, sagt Plücker. Das seien zum Großteil Tiere, die während des Urlaubs angeschafft worden wären. Viele Käufe erfolgten mittlerweile übers Internet.

Eingewachsen: Karsten Plücker zeigt den Schnabel eines Kleinpapageis, der in den Hals des Vogels eingewachsen war. Das Tier starb, nachdem es im Tierheim abgegeben worden war.

Wenn die neuen Besitzer dann feststellten, dass der Hund ihren oft viel zu hohen Ansprüchen nicht gerecht wird, wollten sie ihn schnell wieder loswerden. Probleme gibt es auch mit Kleintieren wie Hamstern und Kaninchen. Lebten vor zehn Jahren etwa zehn Kleintiere im Tierheim, so seien es mittlerweile 100. „85 Prozent dieser Tiere stammen aus dem Baumarkt“, sagt Plücker. Er fordert deshalb von der Politik, dass der Verkauf dieser Tiere zusätzlich besteuert wird. Es könne nicht sein, dass das Tierheim dafür aufkommen müsse, wenn diese Kleintiere nicht mehr ins Leben der Menschen passten. Zudem fordert er eine Kastrationspflicht für Katzen. Wegen des Überangebots seien Katzen auch nur noch ganz schwer vermittelbar.

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