Im Kreissaal oder in der Arktis

Kein Sofa, kein Public Viewing - Die WM an ungewöhnlichen Orten

+
Auch hier läuft Fußball: Schleusenwärter Ulrich Klose hat gemeinsam mit Kollegen einen Fernseher in der Schleuse "Neuer Hafen" in Bremerhaven installiert.

Hannover. Manch einer muss bei der Fußball-WM alleine oder fern der Heimat jubeln und bangen, wenn die deutschen Kicker in Brasilien gegen den Ball treten. Doch auch an den ungewöhnlichsten Orten wollen Fußballbegeisterte nicht auf das erste Spiel der Nationalmannschaft oder zumindest die Zwischenstände verzichten.

Public Viewing ist in aller Munde. In Kneipen und auf großen Plätzen verfolgen die Fußball-Fans in Deutschland am Montag das erste WM-Spiel gegen Portugal (Montag, 18.00 Uhr). Doch was machen eigentlich diejenigen, die zum WM-Auftakt der Deutschen arbeiten müssen oder fernab ihrer Heimat sind - und das womöglich auch noch alleine?

BROCKEN-WETTERWARTE:  Die Wetterbeobachter auf dem höchsten Berg in Norddeutschland sind rund um die Uhr im Einsatz - Fußball-WM hin oder her. "Hier sitzt immer jemand", sagt Wetterbeobachter Matthias Glenk. "Wir haben im Erdgeschoss einen Aufenthaltsraum mit Fernseher." Doch eine Halbzeit am Stück können die Wetterbeobachter auf dem Brocken nicht verfolgen. "Wir müssen alle halbe Stunde aktuelle Daten zum Wetterdienst nach Offenbach melden - auch wenn Fußball ist", sagt Glenk. Sein Kollege Michael Hübler muss in den sauren Apfel beißen. "Ich werde zwischendrin versuchen, reinzuschauen wenn Zeit ist, aber Dienst geht ja vor, sagt er. Er sei da ohnehin nicht so extrem wie seine Frau, die zu Hause schon mal mit Fahne vor dem Fernseher sitze.

FLUGHAFEN BREMEN:  Das Geschehen auf dem Bildschirm aufmerksam verfolgen - so lautet die Divise bei der Deutschen Flugsicherung (DFS) andauernd. Nur dreht sich auf den Bildschirmen alles um Flugbewegungen und nicht um König Fußball. "Im Betriebsraum läuft natürlich weder Radio noch TV", sagt die Bremer DFS-Sprecherin Anja Naumann. 55 Fluglotsen überwachsen dort den Luftraum von Holland bis Polen. "Viele haben versucht, ihre Schichten zu tauschen", sagt Naumann. Doch für diese Lotsen gibt eine tröstende Nachricht: Der Wachleiter - so heißt der Chef der Lotsen im Betriebsraum - habe Internetzugang. "Und natürlich darf der kurz Spielstände ansagen."

AUF HOHER SEE: Fußball auf hoher See heißt es für Helgoland-Urlauber, die am Montag um 17.20 Uhr mit der "MS Atlantis" zurück nach Cuxhaven fahren. Die Ankunft dort ist für 19.30 Uhr geplant - da geht das Spiel in die Schlussphase. Doch die Reederei hat vorgesorgt: Auf den Bordmonitoren der Fähren werden alle um 18 Uhr beginnenden WM-Spiele übertragen. "Ein störungsfreier Empfang kann jedoch nicht garantiert werden", heißt es auf der Internet-Seite der Flensburger Förde Reederei Seetouristik, die die Helgoline betreibt. Auf die Zahl der Buchungen wirkt sich der WM-Auftakt der Deutschen am Montag nicht aus. "Wir sind gut ausgelastet", sagt Verkaufsleiter Harald Stüven.

WESERSCHLEUSE: Sollte es in Brasilien spannend werden, könnte es an der Schleuse in Bremerhaven zum Stau kommen. Schleusenwärter Ulrich Klose und seine Kollegen wollen kein WM-Spiel verpassen - und werden bei packenden Szenen nur schwerlich den Blick vom Bildschirm lösen können. "Das könnte passieren. Trotzdem haben wir den Schiffsverkehr natürlich im Blick. Aber bei einem Elfmeterschießen müssen die Schiffsführer vielleicht mal kurz warten", sagt der Schleusenwärter mit einem Schmunzeln. Der 78-Jährige hat seit 1954 alle großen Fußballturniere im Radio oder Fernsehen verfolgt.

ANTARKTIS: Trotz Eis und Kälte wird sogar in der Antarktis mit den deutschen Fußballern gefiebert. Sechs von neun Forschern auf der Neumayer-Station, die vom Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven betreut wird, wollen sich die WM-Spiele regelmäßig anschauen. "Sie laden sich die Spiele als Videos aus dem Internet runter und können sie dann jeweils am nächsten Tag schauen. Es darf nur niemand vorher das Ergebnis verraten", sagt Folke Nertens vom Alfred-Wegener- Institut. Die Wissenschaftler haben dafür einen Beamer in der Station, der nach Feierabend zum Fußballschauen genutzt wird.

KREISSAAL: Für Fußballfans, die ein Baby erwarten, ist das Friederikenstift in Hannover die erste Adresse. Seit vier Jahren gibt es in dem Krankenhaus einen Kreißsaal, der in den Vereinsfarben von Hannover 96 gestaltet ist. Wo können die werdenden Mütter und Väter das erste Spiel der Deutschen verfolgen, wenn ausgerechnet am Montag die Wehen einsetzen? Die Frage nach einem Fernseher im Kreißsaal hält die leitende Hebamme Reinhild Mikolajewski für ziemlich abwegig: "Dass Paare unter der Geburt ernsthaft Fußball schauen, habe ich bisher nicht erlebt."

dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.