Herzkranker Junge nach Istanbul ausgeflogen

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Die Eltern von Muhammet, Yavuz (r) und Sennur Dönmez aus Istanbul. Foto: Arne Dedert

Gießen (dpa) - Sein Fall hatte eine Debatte um die Vergabe von Spenderorganen ausgelöst. Nun hat der kleine Muhammet den Kampf verloren. Der herzkranke Junge, der auch einen Hirnschaden hat, wird sterben.

Muhammet liegt im Sterben: Die Eltern des schwer herzkranken Jungen hatten erfolglos versucht, vor einem Gericht in Gießen ein Spenderherz zu erstreiten.

Am Samstag habe sich der Gesundheitszustand des Zweijährigen überraschend dramatisch verschlechtert, teilte der Anwalt der Familie mit. "Da er diese Verschlechterung nach ärztlichem und menschlichem Ermessen nicht überleben kann, haben die Eltern sich entschlossen, ihn in die Türkei verlegen zu lassen, damit er dort im Kreis seiner Familie sterben und beerdigt werden kann."

Noch am Montag wurde der Junge ausgeflogen. Die Privatmaschine sei am späten Nachmittag von Frankfurt aus Richtung Istanbul gestartet, berichtete der Flughafen-Verkehrsleiter vom Dienst. Nach Angaben der Uniklinik Gießen war das Kind am Flughafen einem türkischen Ärzteteam übergeben worden.

Da das Kleinkind neben seinem kranken Herzen auch einen Hirnschaden hat, hatte die Klinik sich geweigert, den Jungen auf die Warteliste für ein Spenderherz zu setzen. Das Landgericht Gießen hatte dem Krankenhaus recht gegeben. Nun sei der Rechtsstreit zu Ende, verkündete der Hamburger Anwalt der Familie: "Das Eilverfahren um sein Recht, auf die Warteliste für eine Herztransplantation gesetzt zu werden, kann nicht weitergeführt werden."

Der Fall des Jungen hatte eine emotionale Debatte um die Vergabe von Spenderorganen ausgelöst. Der Fall zeige, "dass der Rechtsschutz schwer kranker Patienten im System des deutschen Transplantationsgesetzes völlig unzureichend gewährleistet ist", findet der Anwalt. Medizinethiker sind hingegen der Ansicht, dass die - viel zu wenigen - Spenderorgane jenen Patienten zugutekommen sollten, die die besten Aussichten haben, mit ihnen lange zu leben.

Der Hamburger Herzchirurg Hermann Reichenspurner, der in seinem Berufsleben bereits mehr als 300 Herzen transplantiert hat, verteidigte die Entscheidung der Klinik. Dass der Fall Emotionen ausgelöst habe, sei mehr als nachvollziehbar. "Sehr sinnvoll wäre es, wenn dadurch eine essenzielle Debatte angestoßen würde: Wie können wir in Deutschland eine höhere Rate an Organspenden erzielen?", sagte der Mediziner in einem Interview der Nachrichtenagentur dpa.

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