Königin Elizabeth II. hat die Dauer der Regentschaft ihrer Ururgroßmutter Königin Victoria übertroffen

Keine regierte länger: Queen Elizabeth 63 Jahre auf dem Thron

+
Queen Elizabeth: Seit 63 Jahren sitzt sie auf dem Thron - länger als je ein Staatsoberhaupt in Großbrittanien zuvor.

Gewiss, die Zeiten sind unruhig. Aber waren sie das nicht schon immer? Queen Elizabeth hat in 63 Jahren auf dem Thron vieles miterlebt.

Krieg, Bürgerkrieg und den Verlust eines Weltreichs. Die 89-Jährige ist ab Mittwoch länger Königin als ihre berühmte Ururgroßmutter Victoria.

Wenn Königin Elizabeth II. am Mittwoch eine Eisenbahnstrecke in Schottland eröffnet, gehört das zu einem dieser weniger spektakulären Termine, die sie pflichtbewusst und höflich-reserviert bereits zu Tausenden absolviert hat. Und dennoch wird die ganze Welt auf das Staatsoberhaupt schauen: Denn an diesem Tag überholt die 89-Jährige ihre Ururgroßmutter als Herrscherin mit der längsten Regentschaft Großbritanniens. 63 Jahre und 216 Tage sitzt die Monarchin dann auf dem Thron, aber feiern will sie den Rekord keineswegs.

Dabei genießt sie eine Popularität, von der Politiker nur träumen können. Kaum ein Brite kann sich vorstellen, dass die Königin einmal nicht mehr in ihren farbenfrohen Kostümen und Hüten in die Menge winken wird. Sie ist so etwas wie das Aushängeschild der Nation, das über allen Dingen steht, auch über der Tagespolitik. In der Machtlosigkeit liegt offenbar auch das Geheimnis ihres Erfolgs, sagt die royale Historikerin Karina Urbach.

Die britische Königin Elizabeth II. trifft am 20. Oktober 1992 Kanzler Helmut Kohl

Dabei gehen Experten davon aus, dass Elizabeth II., die nach dem Tod ihres Vaters König George im Februar 1952 über Nacht zur Königinwurde, sehr wohl indirekten Einfluss auf die Politik nimmt. Während aber Queen Victoria das goldene Zeitalter Britanniens geprägt hat, ist unter der Herrschaft Elizabeths II. das Empire zerfallen, die Macht und der Einfluss des einstigen Weltreichs sinken stetig. Sie wurde zur schweigenden Monarchin, die mit stoischer Ruhe, viel Symbolik und Disziplin ihren Dienst am Volk ausübt. „Elizabeth II. hat es geschafft“, so Historikerin Urbach, „die schlechten Erfahrungen und all die Verbrechen, die im Empire stattgefunden haben, in etwas Positives zu verwandeln. Aus einer negativen Kolonialgeschichte ist so etwas Gutes entstanden.“

Dagegen ist ihre Ururgroßmutter Namensgeberin des Viktorianischen Zeitalters. Die rundliche Frau saß zwischen 1837 und 1901 auf dem Thron und wollte nach dem frühen Tod ihres Mannes, Prinz Albert aus dem Hause Sachsen-Coburg und Gotha, „das Empire bis auf den letzten Mann verteidigt sehen“, so Urbach. Sie wurde zum Symbol des ständig wachsenden Weltreichs.

Königin Elizabeth II. besitzt keine vergleichbare politische Macht. Und hält sich auch sonst eher zurück. Manchmal zu sehr. Als 1997 ihre Ex–Schwiegertochter Diana bei einem Unfall starb, forderte das Volk „mehr Gefühl“ von ihrem Staatsoberhaupt.

Königin der Rekorde: Queen Elizabeth regiert seit 63 Jahren

Im Privatleben offenbaren sich die größten Parallelen zwischen den Jahrhundertköniginnen. „Als überforderte Mütter schwieriger Kinder haben sie mehrere Familienkrisen öffentlich ertragen müssen“, so Urbach. Victoria hatte einen „etwas triebhaften Sohn, der ständig in Skandale mit Frauen verwickelt war“. Elizabeth II. dagegen kämpft unter anderem mit ihrer schwierigen Beziehung zu Prinz Charles. Der Thronfolger beschwerte sich einst darüber, dass er eine „elende Kindheit“ hatte.

Mittlerweile aber haben die Briten Elizabeth II. alle Fehler verziehen, die Monarchie scheint gewappnet für die Zukunft. Zu dieser Wende trug auch die jüngere Generation bei. Prinz William, seine Frau Kate mitsamt ihrer Kinder werben auf charmante, wenn auch teilweise sehr altmodische und oberflächliche Art und Weise für die Monarchie.

In bester Laune unterhält sich Königin Elizabeth II. im Schloss Charlottenburg in Berlin am 1978 mit  Helmut Schmidt (r) und mit dem britischen Stadtkommandanten Robert F. Richardson (l).

Schon Victoria, die im Gegensatz zu Elizabeth II. als intellektueller und künstlerisch interessierter beschrieben wird, war Meisterin der Inszenierung. Erst mit ihrer Krönung wurde die Monarchie, die aufgrund verschwenderischer Vorgänger kurz vor dem Kollaps stand, wieder populär. Damals verkörperten sie und Prinz Albert die Werte ihrer Epoche: Moral und die große Bedeutung der Familie. Dies galt im Viktorianischen Zeitalter für alle Klassen als Vorbild. Ob irgendwann von einem zweiten Elisabethanischen Zeitalter gesprochen werden wird, bezweifeln viele. Ein Vorbild für viele Briten ist Queen Elizabeth. trotzdem. „Immer und immer wieder, leise und bescheiden, hat die Königin uns allen gezeigt, dass wir zuversichtlich in die Zukunft gehen können“, schrieb Prinz William kürzlich in einem Vorwort zu einer Biografie. Leise und bescheiden – so wird sie auch am Mittwoch in Schottland auftreten, trotz Rekord-Regentschaft.

Von Katrin Pribyl

Hintergrund: Zwei Epochen: Victoria und Elizabeth

Ja, auch Queen Elizabeth hat eine Ausbildung gemacht, und zwar 1945 als Lkw-Fahrerin und Mechanikerin. 1926 geboren, heiratete sie 1947 den späteren Prinzen Philipp. 1952, da war sie schon Mutter von Charles und Anne geworden, wurde sie als Nachfolgerin ihres verstorbenen Vaters George VI. Königin. In ihre Regierungszeit fiel die Entkolonialisierung des einstigen britischen Weltreichs. 2010 schätzte die US-Zeitschrift Forbes ihr Privatvermögen, darunter einige Schlösser, auf 450 Millionen Dollar (403 Mio. Euro). 2013/14 erhielt die Queen fast 38 Millionen Pfund (ungefähr 52 Mio. Euro) aus Steuern.

Queen Victoria (1819 -1901) war seit 1837 Königin des Vereinigten Königreichs von Großbritannien und Irland und zusätzlich seit 1877 Kaiserin von Indien. Verheiratet war sie mit Prinz Albert von Sachsen-Coburg und Gotha , einem sehr einflussreichen Prinzgemahl. Victoria ist sowohl Ururgroßmutter von Königin Elisabeth II. als auch von deren Prinzgemahl Prinz Philip. Unter Victoria erlebte das britische Weltreich den Höhepunkt seiner Macht. Nach dem Tod ihres Gatten 1861 trug sie bis an ihr Lebensende nur noch Witwentracht und galt manchen Untertanen als etwas wunderlich. (tpa/wet)

Schlagworte zu diesem Artikel

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.