Er will aus dem Knast

Keine Spur von Reue: Kinderschänder Dutroux

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Der damals angeklagte Marc Dutroux, aufgenommen am 22.06.2004 im Schwurgericht von Arlon (Belgien).

Brüssel - Es war ein Jahrhundertprozess: Vor zehn Jahren verurteilte ein belgisches Gericht den Kinderschänder Marc Dutroux zu lebenslanger Haft. Der Name steht für abscheuliche Verbrechen. Dennoch will der verurteilte Mörder auf freien Fuß kommen.

Zehn Jahre sind vergangen. Zehn Jahre, in denen die Belgier nicht vergeben haben. Zu ungeheuerlich waren die Verbrechen des Kinderschänders und Mörders Marc Dutroux, der immer noch als der meistgehasste Verbrecher Belgiens gilt. Sechs Mädchen und junge Frauen hatte Dutroux in den 90er Jahren entführt, in einem Kellerverlies gefoltert und vergewaltigt - vier von ihnen starben. Vor einem Jahrzehnt, am 22. Juni 2004, wurde der Mörder zu lebenslanger Haft verurteilt. Seitdem schaffte Dutroux es immer wieder in die Schlagzeilen.

Aus dem Gefängnis heraus beschwerte sich der Mann über seine Haftbedingungen wie etwa Einzelzelle, Sonderbewachung und Leibesvisitationen. Im vergangenen Jahr löste Dutroux mit seinem Antrag auf Freilassung mit einer elektronischen Fußfessel öffentliche Empörung aus. Vor Gericht scheiterte er damit erwartungsgemäß.

Die meisten Belgier hoffen, dass Dutroux, der laut Gerichtsurteil ein eiskalter Psychopath ist, nie wieder das Gefängnis verlassen darf. „Er soll drinbleiben. 100 Jahre lang!“, fasst eine Karikatur auf der Webseite des belgischen Radiosenders RTBF die Meinung vieler Bürger zusammen. Eine andere Zeichnung zeigt ein borstiges Schwein mit dem Antlitz Dutroux' und dem Ausruf: „Er hat sich nicht geändert.“

Das glaubt auch Jeannine, die Mutter des heute 57-Jährigen. „Früher oder später wird er herauskommen“, sagte sie dem Magazin der belgischen Tageszeitung „Le Soir“. „Aber ich habe überhaupt keine Lust, das zu erleben. Mein Sohn wird rückfällig werden.“ Gutachter und die Staatsanwaltschaft kommen bis heute zu demselben Urteil. Seine Mutter beklagt, dass Marc seine Taten nie eingesehen habe.

Noch im Gerichtssaal hatte Dutroux 2004 seine Unschuld beteuert und in seinem Schlussplädoyer behauptet, für keinen Todesfall mehr Verantwortung zu tragen als man „bei einem Verkehrsunfall“ auf sich lade: „Ich werde meine Unschuld bis zu meinem Tode hinausschreien.“ Während des Prozesses gab er nur zu, was ihm tatsächlich nachgewiesen werden konnte. Weil Dutroux eisern schwieg, konnten viele Fragen nie geklärt werden. Etwa ob der bieder wirkende Mann mit Schnurrbart und Brille ein perverser Einzeltäter war oder vielleicht doch einem Ring von Kinderhändlern angehörte.

Seine Verurteilung markierte den Endpunkt eines belgischen Jahrhundertprozesses: Das Dossier gegen Dutroux umfasste 440 000 Seiten, die Akte füllte laut Zeitungsberichten 60 Regalmeter. Die Kosten für den Prozess beliefen sich auf mehrere Millionen Euro. Skandalöse Pannen der Justiz wurden nie wirklich aufgeklärt, so gelang dem angeblich bestbewachten Häftling Belgiens im April 1998 die spektakuläre Flucht aus dem Justizpalast von Neufchâteau.

Seit insgesamt 17 Jahren sitzt Dutroux nun schon hinter Gittern. Die Zeitungsgruppe „Sudpresse“ veröffentlichte jüngst ein Video aus dem Gefängnis, das den Häftling beim Hofgang zeigt. „Er hat im Gefängnis ganz schön zugenommen!“, lautet die Überschrift. Ein dicklicher Dutroux im roten Pulli bewegte wieder einmal das Land. 2013 hatten die Medien ein unscharfes Foto von Dutroux mit zotteligem grauen Bart und langen Haaren gezeigt und ihn „Penner“ und „Rasputin“ genannt. Er weigere sich, seinen Bart schneiden zu lassen, weil ihm neun Euro beim Gefängnisfriseur zu teuer seien, berichtete „Le Soir“.

Auch wenn Dutroux weiter für gefährlich gehalten wird: Das heißt nicht, dass sein Streben nach Freiheit zu Ende wäre. Er kann seinen Antrag auf Freilassung immer wieder stellen. Als Vorbild dient ihm seine ehemalige Frau und Komplizin Michelle Martin, die bereits auf freiem Fuß lebt. Allerdings war Martin an den Taten nur beteiligt - sie hatte zwei Opfer verhungern lassen - und hat zudem ihre Taten öffentlich bereut. Auch Dutroux dürfte nicht locker lassen. Schon beim Urteil hatte er angekündigt: „Mein Kampf ist nicht zu Ende.“

dpa

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