Kiel: Hohe Haftstrafen für Ehrenmord vor Bäckerei

Kiel - Wegen Totschlags bei einem sogenannten Ehrenmord hat das Kieler Landgericht hohe Haftstrafen gegen vier Brüder und einen Schwager verhängt.

Bei einem sogenannten Ehrenmord an einem Iraker hat das Kieler Landgericht vier Brüder und einen Schwager wegen Totschlags zu hohen Haftstrafen verurteilt. Drei der vier Brüder erhielten eine Freiheitsstrafe zwischen acht und zwölfeinhalb Jahren. Der weitere Bruder erhielt fünf Jahre Jugendstrafe. Der Schwager wurde zu einer Haftstrafe von 14 Jahre verurteilt. Die fünf Männer hatten ihr Opfer Anfang 2011 vor einer Kieler Bäckerei getötet.

Bei dem 26-Jährigen handelte es sich um den neuen Lebensgefährten der Frau eines der Angeklagten. Diese hatte ihren 33 Jahre alten Partner, mit dem sie nach muslimischem Recht verheiratet war, erst wenige Tage vor der Tat Ende 2010 verlassen und war zu dem anderen Mann gezogen.

„Es war eine Familiensache“, hatte Staatsanwalt Matthias Daxenberger während seines Plädoyers Anfang März gesagt. „Die Tötung des Ali O. war eine gezielte Bestrafungsaktion.“ Er hatte für drei der libanesischen Brüder und deren Schwager lebenslange Haft sowie für einen weiteren Bruder neun Jahre Jugendstrafe gefordert.

Der Iraker war am 7. Januar vergangenen Jahres durch diverse Schläge, Tritte und Messerstiche am helllichten Tag getötet worden. Er verblutete. Wiederholt soll er während des Angriffs gerufen haben: „Was habe ich getan?“ Mediziner stellten später insgesamt 18 Stichverletzungen fest. Der Mann war vor seinen Angreifern vergeblich in eine Bäckerei geflohen. Dort filmte eine Kamera den Angriff. Auch als er im Verlauf der Attacke auf einen Blumenkübel vor dem Geschäft stürzte, malträtierten ihn die Täter weiter.

Verteidiger bestritten Ehrenmord

Demgegenüber hatten die Verteidiger der Männer vor Gericht bestritten, dass es sich um einen gezielten Mord zur Rettung der Familienehre handelte. Vielmehr hätten sich die Angeklagten des Totschlags oder der Körperverletzung mit Todesfolge schuldig gemacht. Einer der Rechtsanwälte hatte für seinen Mandaten einen Freispruch gefordert.

Die Männer selbst hatten vor Gericht geschwiegen. Einer der Angeklagten räumte via einer von seinem Anwalt verlesenen Erklärung allerdings die Anwesenheit am Tatort und auch Schläge ein. Belastet wurden die Männer neben den Videoaufnahmen, worauf sie von Zeugen teilweise identifiziert wurden, unter anderem durch Telefondaten und Zeugen-Aussagen. Auf dem Schuh eines der Angeklagten wurden zudem Blutspuren des Opfers festgestellt.

Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft hatten die Brüder und der verlassene Mann erfolglos versucht, die Frau und ihren neuen Lebensgefährten auseinanderzubringen. Die Ehre der Familie sei nach ihrem Dafürhalten durch deren Beziehung verletzt gewesen.

dapd

Rubriklistenbild: © dpa

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