Partnerschaft abgestempelt

Kampf der Kinderlosigkeit: Japaner registrieren ihre Liebe beim Amt

Tokio. Um die niedrige Geburtenrate in der am schnellsten alternden Gesellschaft der Welt aufzubessern, denken sich Japans Städte skurrile Aktionen aus: In Nagareyama kann man jetzt seine Liebe im Rathaus registrieren lassen. Fast jede japanische Stadt organisiert mittlerweile Single-Treffs.

Natürlich immer mit dem Hintergedanken, dass diese Beziehungen vor dem Traualtar landen und der erwartete Nachwuchs dafür sorgt, dass es auch in Zukunft noch genügend Steuerzahler gibt. Mancherorts ziehen gar städtisch beauftragte Cupidos durch die Nachbarschaft und nehmen allzu lethargische oder schüchterne Singles unter ihre Fittiche. 

Hinergrund:
Die Liebesschwüre werden von den Behörden nur noch bis Ende Mai akzeptiert. Das Ganze ist nämlich auch eine Werbeaktion für eine Teenie-Liebesschnulze, die in Nagareyama gedreht wurde und Anfang Mai in Nippons Kinos kommt.

In Nagareyama - am Rande der Metropole Tokio - können Verliebte neuerdings ihre Schmetterlinge im Bauch ganz offiziell registrieren lassen. Seit ein paar Wochen bietet die Stadt auf ihrer Homepage neben den Formularen zur Eheregistrierung auch ein neues Formular zur Liebesregistrierung an. „Tag, an dem das Liebesgeständnis geplant ist“, „Inhalt des Liebesgeständnisses“, „Orte, die ich zusammen mit ihm/ihr besuchen will“ – in typischem Beamtenjapanisch erfragt die Behörde so jedes Detail.

Wer das Formular online ausfüllt und einen Ausdruck ins Rathaus bringt, bekommt sogar einen Eingangsstempel. Seine Liebe registrieren lassen kann jeder. Egal, ob verheiratet, in einer Partnerschaft oder gar unglücklich verliebt. Gleich im ersten Monat nach der Einführung wurde das Dokument mehr als 10.000 Mal angeklickt. 4.000 Liebende haben das Formular heruntergeladen. Wie viele Paare auf diese Weise tatsächlich amtlich wurden, also den Stadtstempel erhielten, haben die Stadtväter jedoch nicht so genau nachgezählt. Einige Dutzend, heißt es in japanischen Medienberichten.

Archiviert werden die hochoffiziellen Liebesgeständnisse übrigens nicht. Wer sich seine Gefühle abstempeln lässt, darf das Dokument wieder mit nach Hause nehmen – oder besser gleich der oder dem Angebeteten überreichen. „Wir hoffen, dass unser Ruf, seine Liebe offiziell zu machen, dazu beiträgt, die Geburtenrate zu steigern“, erklärte der Leiter der städtischen Marketingabteilung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen.

Mit 1,41 Kindern hat Japan eine der niedrigsten Geburtenraten der Welt. Gleichzeitig altert die Gesellschaft so schnell wie keine andere. Bereits heute ist gut ein Viertel aller Japaner über 65 Jahre alt, bis 2035 wird offiziellen Schätzungen zufolge jeder Dritte im Rentenalter sein. (yeu)

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