Neuer Skandal?

Kinderporno-Verdacht in Odenwaldschule

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Die Odenwald-Schule im südhessischen Heppenheim (Archivbild).

Heppenheim - Die Odenwaldschule kommt nicht zur Ruhe. Ein Lehrer soll Kinderpornos besessen haben - Vertreter von Missbrauchsopfern fordern das Aus für das Reform-Internat.

Der Odenwaldschule droht ein neuer Skandal: Ein Lehrer des Internats, an dem jahrelang Schüler missbraucht wurden, soll Kinderpornografie besessen haben. Die Wohnung des Pädagogen an der traditionsreichen Schule sei vor mehr als einer Woche von der Polizei durchsucht worden, bestätigte eine Sprecherin der Schule am Wochenende im südhessischen Heppenheim. Dem Lehrer sei fristlos gekündigt worden.

Der Vorsitzende des Opfervereins Glasbrechen, Adrian Koerfer, forderte die Schließung der Schule. Die Missbrauchsmöglichkeiten am Internat seien systemimmanent. „Die Täter suchen sich solche Orte immer ganz genau aus“, sagte er. Auch Vertreter von Missbrauchsopfern forderten das Aus für die reformpädagogische Institution, an der es von den 1970er Jahren an rund 130 Missbrauchsopfer gegeben haben könnte.

Bei der Durchsuchung der Lehrerwohnung sollen Dateien und persönliches Material sichergestellt worden sein. Nach einem Bericht des „Mannheimer Morgen“ war die Internet-Adresse des Mannes bei Ermittlungen in Australien gegen einen Kinderporno-Ring aufgetaucht. Die Staatsanwaltschaft Darmstadt war an Ostern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Odenwald-Schüler seien nach bisherigen Erkenntnissen nicht betroffen, heißt es in einer schriftlichen Erklärung der Schule. Der seit August 2011 beschäftigte Lehrer für Mathematik, Physik und Chemie habe eine Wohngruppe betreut. Er habe dies aber nicht alleine getan und nicht mit den Internatsschülern in einer Wohnung gewohnt.

Die Odenwaldschule war in den vergangenen Jahren von einem Missbrauchsskandal erschüttert worden, nachdem Jahrzehnte zurückliegende Übergriffe bekanntgeworden waren. Als Reaktion darauf hatte die Schule unter anderem entschieden, dass nicht mehr ein Lehrer allein eine Wohngruppe betreuen darf.

Man arbeite im aktuellen Fall eng mit den Behörden zusammen, sagte die Sprecherin der Schule. „Das System des Zusammenlebens von Lehrern mit Schülern ist die optimale Ausgangssituation für Pädophile“, sagte Opfer-Anwalt Thorsten Kahl. Schon vor vier Jahren, als die Missbrauchsfälle öffentlich wurden, hätte es seiner Ansicht nach einen Schlussstrich für das Internat geben müssen.

Die Präventionsbeauftragte der Schule, Regina Bappert, erklärte dagegen, keine mit Kindern arbeitende Institution sei vor Bewerbungen von Menschen gefeit, die sich grenzverletzend verhielten. Dank des neuen Präventionskonzeptes wisse die Schule aber mehr über die Strategien der Täter und könne früher reagieren, hieß es in einer Mitteilung.

dpa

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