Kindesmissbrauch: Sechs Jahre Haft für Priester

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Der Angeklagte Andreas L. hält sich am Donnerstag (26.01.2012) im Landgericht in Braunschweig einen Ordner vor sein Gesicht und redet mit seinem Anwalt Andreas Zott.

Braunschweig - Weil er über Jahre mehrere Jungen sexuell missbraucht hat, muss ein katholischer Priester aus Salzgitter für sechs Jahre ins Gefängnis. Er soll sich 250 Mal vergriffen haben.

Der 46-Jährige habe sich in 250 Fällen an drei 9 bis 15 Jahre alten Jungen vergangen, urteilte das Landgericht Braunschweig am Donnerstag.

“Er hat das besondere Vertrauensverhältnis systematisch ausgenutzt, das er als katholischer Geistlicher hatte“, begründete der Vorsitzende Richter Manfred Teiwes das Urteil. Im Einzelnen wurde der Pfarrer wegen 36-fachen sexuellen Missbrauchs von Kindern und 214 Fällen schweren Missbrauchs von Kindern verurteilt.

Nachdem das Gericht ihm einen Strafrahmen von sechs bis sechseinhalb Jahren in Aussicht gestellt hatte, gab der Geistliche am ersten Verhandlungstag den Missbrauch in vollem Umfang zu. Um den Prozess nicht zu verlängern und um den Opfern weitere Aussagen zu ersparen, wurden von den anfangs 280 Fällen 30 nicht weiter verfolgt. In diesen Fällen fiel den Ermittlern die zeitliche Einordnung schwer.

Den Pfarrer erwartet nun noch ein kirchenrechtliches Verfahren. Denn das Bistum Hildesheim will die Ergebnisse der kirchlichen Voruntersuchung mit dem Gerichtsurteil zur Glaubenskongregation nach Rom schicken. “Entweder wird das Verfahren dann in Rom entschieden oder an das Bistum zurückverwiesen“, erläuterte Bistumssprecher Michael Lukas. Der 46-Jährige müsse damit rechnen, aus dem Priesterdienst entlassen zu werden.

Der Mann hatte von 2004 an zunächst das Vertrauen einer Witwe ausgenutzt. Sie hatte arglos die vom Priester forcierte Freundschaft zu ihrem damals neunjährigen Sohn geduldet. “Ich dachte, er sei ein hilfsbereiter, guter Freund“, hatte sie ausgesagt. Der Junge wurde von dem Geistlichen betreut, schlief regelmäßig an Wochenenden bei ihm und fuhr mit ihm in den Urlaub. Nachdem der Mutter das Verhältnis zu eng geworden war, schaltete sie den Weihbischof ein, der dem Priester im Jahr 2006 den Kontakt zu dem Jungen verbot. Kurze Zeit später freundete sich der Geistliche mit einer anderen Familie mit zwei Söhnen an, die er ebenfalls missbrauchte.

dpa

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