Kältester Ort der Welt

Kindheit im kältesten Ort der Welt: Leben bei minus 65 Grad

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Kälte erprobt: Vjaceslav Suchomesov stammt aus dem russischen Oimjakon – dem kältesten Ort der Welt.

Stuttgart. Minus 71,2 Grad: An den Allzeit-Kälte-Rekord in Oimjakon erinnert heute ein Monument, eine Steinsäule, die am Rande des russischen Dorfes steht. „Pol der Kälte“ steht dort in kyrillischen Zeichen in den Sockel gemeißelt.

Minus 71,2 Grad hatten Bewohner in den 1920er Jahren von einem Thermometer abgelesen, erzählt der Stuttgarter Student Vjaceslav Suchomesov von seinem Heimatdorf. Bis zum Alter von acht Jahren hat er dort seine Kindheit verbracht.

Oimjakon, der kälteste bewohnte Ort der Erde, liegt im tiefen Nordosten Russlands und gehört mit heute hundert Einwohnern zu eine der wenigen besiedelten Inseln in der Schneewüste der Republik Jakutien. „Minus 60 bis minus 65 Grad waren im Winter ganz normale Temperaturen“, sagt der 25-Jährige mit deutsch-russischem Pass. „Manchmal war es so kalt, dass man beim Ausatmen ein Geräusch gehört hat. Das kam vom Atem, der neben dem Ohr in der Luft gefroren ist.“

Um draußen in den Minusgraden der arktischen Luftströmungen nicht zu erfrieren, hüllte er sich als Kind in einen Zwiebellook aus mehreren Kleidungsschichten. Erst mit mindestens zwei Unterhemden, zwei T-Shirts, einer Weste und Pelzjacke bekleidet, ließen ihn seine Eltern zur Schule gehen, erzählt er. „Ich lief rum, wie ein Michelin-Männchen“, sagt der Student.

Bis zu vierzig Minuten lang marschierte er auf einem Trampelpfad in kniehohem Neuschnee zur Schule in das zwei Kilometer entfernte Nachbardorf Tomtor. Schulfrei hatten die Kinder erst ab 55 Grad unter Null. Durch diese frostigen Erfahrungen sieht sich Suchomesov für den deutschen Winter bestens gerüstet: „Wenn die ersten schon eine Winterjacke anziehen, laufe ich in der Stadt noch im Pulli rum.“

„Heiße Quelle“ heißt Oimjakon auf Deutsch. Erzählt wird in der Onlineausgabe der „Daily Mail“ von Kugelschreibern mit eingefrorener Tinte, tagelangem Gräberschaufeln und festgefrorenen Brillen im Gesicht. Den ganzen Tag über sollen die Bewohner Oimjakons ihre Fahrzeuge laufen lassen, aus Angst, der Treibstoff friere in der Kälte ein. Diese Eindrücke seien nicht aus der Luft gegriffen, sagt Suchomesov. „Eine Stunde, bevor mein Vater losfahren musste, machte er ein Feuer unter dem Auto an, damit es auftaut.“(dpa)

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