Kirchenrechtler Sephan Haering:

Papstamt nun nicht mehr „sakral überhöht“

München - Ein "vernunftgeleiteter Mensch": Kirchenrechtler Stephan Haering spricht über den Rücktritt des Papstes und die Konsequenzen für das Amt.

Nach Ansicht des Münchner Kirchenrechtlers Stephan Haering wird sich das Verständnis des Papstamtes durch den Rücktritt von Benedikt XVI. nicht grundlegend ändern. Er betonte allerdings auch: „Eine sakrale Überhöhung des Amtes erhält dadurch weniger Substanz.“ Man könne beim Thema Rücktritt Parallelen zum Bischofsamt ziehen. Bis vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil seien die Ämter auch auf Lebenszeit ausgefüllt worden, inzwischen seien Rücktritte ganz normal. „Das hat dem Bischofsamt auch nicht geschadet“, sagte Haering der Nachrichtenagentur dpa.

Dass Joseph Ratzinger sich zu einem Rücktritt entschlossen hat, „zeigt, was für ein vernunftgeleiteter Mensch er ist“, ergänzte der Wissenschaftler und Ordensmann. Für künftige mögliche Rücktritte von Päpsten müsse das Kirchengesetz nicht geändert werden: „Ich sehe keinen besonderen Regulierungsbedarf.“ Der jetzige Ablauf habe gezeigt, dass die derzeitige Form des Kirchengesetzes hier ausreiche.

Diese Männer könnten Papst werden

Mögliche Papst-Nachfolger
Wer wird der nächste Papst? Längst gibt es Spekulationen über mögliche Nachfolger von Benedikt XVI. © dpa
Marc Ouellet
Marc Ouellet (68): Der Kanadier und päpstliche Delegat gilt als Favorit bei den Buchmachern. Seine Chancen stehen laut Vatikan-Insidern nicht schlecht, denn er hat sich in Rom profiliert. Sein Problem ist allerdings die geringe Lobby der Katholiken in Nordamerika. © dpa
Tarcisio Bertone
Tarcisio Bertone (78): Der Kardinalstaatssekretär ist Italiener und kennt den Vatikan gut. Bertone war eine Art Regierungschef unter Benedikt, er gilt aber als umstritten und kann keine Fremdsprache. Gegen ihn spricht auch eine ­vatikanischen Redewendung, nach der kein Kandidat zu sehr im Vordergrund stehen sollte. Denn: Wer als Papst in die Wahl gehe, der komme als Kardinal wieder heraus. © dpa
Angelo Scola
Angelo Scola (71): Auch der Mailänder Erzbischof gehört zu den italienischen Kandidaten. Er wurde auch schon als Nachfolger von Johannes Paul II. gehandelt. © dpa
Peter Turkson
Peter Turkson (65): Er könne sich gut vorstellen, dass erstmals ein Afrikaner Papst werde, sagte Benedikt einmal. Glaubt man den Wettanbietern, ist diese Lösung wahrscheinlich: Afrikanische Kardinäle liegen bei den Buchmachern hoch im Kurs. Ganz vorne unter den Kandidaten: der ghanaische Kardinal Peter Turkson. Er ist Präsident des Päpstlichen Rates für Frieden und Gerechtigkeit. © dpa
Francis Arinze
Francis Arinze (81): Auch der erfahrene Kurienkardinal Francis Arinze aus Nigeria wird bei Wettanbietern hoch gehandelt. © dpa
Joao Braz de Aviz
Joao Braz de Aviz (65): 2011 ernannte ihn Benedikt zum Präfekt der Ordenskongragation. Der Brasilianer ist Kurienkardinal. © AP
Odilo Pedro Scherer
Odilo Pedro Scherer (64): Der Kardinal von Sao Paulo mit deutschen Vorfahren zählt auch zum Favoritenkreis. Er vertritt die lateinamerikanische Kirche – häufig war zu hören, aus ihren Kreisen solle der neue Pontifex stammen. © dpa
Luis Antonio Tagle
Luis Antonio Tagle (55): Der Philippine ist Erzbischof von Manila und wurde erst im November 2012 zum Kardinal ernannt – trotzdem hat er keine schlechten Chancen. In der Philippinischen Bischofskonferenz ist er Mitglied der Kommission für die Glaubenslehre. © dpa
Jorge Mario Bergoglio
Jorge Mario Bergoglio (76): Geheimen Aufzeichnungen zufolge stimmten bereits in der Konklave 2005 etwa 40 Kardinäle für den Brasilianer. © dpa
Leonardo Sandri
Leonardo Sandri (69): Auch der argentinische Kurienkardinal gilt als recht aussichtsreicher Kandidat. © dpa

Da der Papst auch Bischof von Rom sei, greife nach seiner Amtszeit das Regelwerk für ehemalige Bischöfe: „Die Regeln für emeritierte Bischöfe kann man übertragen.“ Und da Benedikt XVI. vor habe, auch weiterhin auf dem Territorium des Vatikanstaats zu leben, gebe es keinen weiteren Klärungsbedarf. „Er wird so frei sein, wie jeder andere emeritierte Bischof auch.“ Unklar sei aber freilich noch, wie man Benedikt XVI. künftig ansprechen wird. „Ich kann mir aber vorstellen, dass er Papst Benedikt bleibt.“

Was nach dem 28. Februar geschehe, sei genau festgelegt und orientiere sich am Regelwerk, das Johannes Paul II. 1996 erlassen hat. Allerdings habe Benedikt 2007 eine „kleine, aber wichtige“ Änderung vorgenommen: Während bei der Papstwahl 2005 ab einem bestimmten Zeitpunkt die Kardinäle auch entscheiden konnten, dass eine einfache Mehrheit genügt und nicht mehr die Zweidrittelmehrheit, so wird dies beim Konklave in diesem Jahr nicht mehr der Fall sein. Benedikts Nachfolger muss mehr als zwei Drittel der Stimmen auf sich vereinen.

dpa

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