„Ewiges Eis“ von Klimawandel bedroht

Wissenschaftler mit Hiobsbotschaft: Deutscher Gletscher schon bald verschwunden - Eisvolumen schmilzt rapide ab

Vom „ewigen Eis“ in Deutschland könnte bald keine Rede mehr sein. Unsere Gletscher tauen in Rekordzeit ab. Schon bald wird einer der noch übrigen fünf ebenfalls verschwunden sein.

  • Das „ewige Eis" in Deutschland schmilzt rapide ab.
  • Ein Geowissenschaftler hat nun eine erschreckende Botschaft.
  • Ein deutscher Gletscher wird schon bald verschwunden sein - und weitere sind bedroht.

München - In den bayerischen Alpen existieren derzeit noch fünf Gletscher: Der Nördliche und Südliche Schneeferner auf dem Zugspitzplatt und der benachbarte Höllentalferner sowie das Blaueis und der Watzmanngletscher im Berchtesgadener Land. Doch vom „ewigen Eis“ in Deutschland könnte schon bald keine Rede mehr sein.

Wissenschaftler mit Hiobsbotschaft: Deutscher Gletscher schon bald verschwunden

Von diesen bislang noch fünf kleinen Gletschern werden bald nur noch vier übrig sein. Der Grund: Die Klimaerwärmung, die vor allem seit der Jahrtausendwende auf dem Vormarsch ist. Im kalifornischen Death Valley etwa wurden gerade die höchsten Temperaturen seit mehr als 100 Jahren gemessen. Der Flächenverlust der Gletscher habe seither rapide zugenommen, sagte der Münchner Geowissenschaftler Christoph Mayer auf Anfrage.

Klima: Ein Drittel der Gletscher innerhalb nur eines Jahrzehnts abgetaut - südlicher Schneeferner verschwindet

Zum Zeitpunkt der letzten Vermessung Ende 2018 waren es noch 44,6 Hektar mit einem Eisvolumen von etwa 4 Millionen Kubikmetern. Damit ist innerhalb eines Jahrzehnts gut ein Drittel der Gletscher abgetaut. 2010 waren es 70 Hektar, vor 200 Jahren geschätzt noch 400. „Der südliche Schneeferner ist eigentlich schon nicht mehr existent und die Eisreste werden sicherlich in wenigen Jahren verschwunden sein“, sagte Mayer.

Dieser schwindende Gletscher liegt mit seinem Nachbarn, dem nördlichen Schneeferner, auf dem Zugspitzplatt unweit des höchsten deutschen Gipfels im Wettersteingebirge bei Garmisch-Partenkirchen. Dritter deutscher - beziehungsweise bayerischer Gletscher - ist der ebenfalls im Wettersteingebirge gelegene Höllentalferner, Nummer vier und fünf sind das Blaueis und der Watzmanngletscher in den Berchtesgadener Alpen.

Auch Watzmanngletscher massiv bedroht

Letzterer gilt ebenfalls seit langem als bedroht. „Der Watzmanngletscher ist schon noch als Eismasse existent, wobei die Frage Gletscher oder nicht differenziert betrachtet werden kann“, sagte Mayer, Fachmann für Erdmessung und Glaziologie an der Bayerischen Akademie der Wissenschaften.

Diese Gletscher haben besonders schlechte Chancen

Nach Angaben des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projekts „Bayerische Gletscher“ haben vor allem die niedrig gelegenen Gletscher in den Berchtesgadener Alpen schlechte Zukunftsaussichten, sie werden bei anhaltenden Schmelzraten in den nächsten Jahren bis Jahrzehnten verschwinden. Die beste Prognose besteht dabei noch für den Höllentalferner. Er wird durch hohe Felswände abgeschattet, die ihn auch zusätzlich mit Lawinen ernähren. Der Höllentalferner wird voraussichtlich der letzte Gletscher sein, der in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts noch existiert.

Wetter: Temperaturen, Niederschlag und mehr - der deutsche Durchschnitt*

„Das ewige Eis“: Was gilt eigentlich als Gletscher?

In der wissenschaftlichen Definition ist ein Gletscher ein fließender Eisstrom, der sich wie ein Fluss bewegt, wenn auch sehr langsam. „Allerdings liegt der Rest-Watzmanngletscher in einer Mulde und hat daher fast keine Bewegung mehr“, sagte Mayer. „Andererseits können schneereiche Winter durch die Lawinenfracht diesen Gletscher noch lange „am Leben“ erhalten, auch wenn es sich dann nur um einen kleinen Eisrest handelt.“

Gletscher: So entsteht das „ewige Eis“

Gletschereis entsteht durch jahrelange Komprimierung des Schnees in hochalpinen Regionen, in denen die Schneefälle des Winters im Sommer nicht restlos abtauen. Frischer Schnee wird im Laufe eines Winters zunächst kompakt, und verdichtet sich zum bei Tourenskifahrern beliebten Firn - daher rührt auch die in manchen Alpentälern übliche Bezeichnung „Ferner“ für Gletscher.

Schneeprognosen und Schneevorhersagen sind für einige Winterfans oft enttäuschend. Woran liegt das eigentlich?

Fällt in den folgenden Wintern immer neuer Schnee auf den Altschnee der Vorjahre, verdichtet sich der Firn in diesem Nährgebiet eines Gletschers allmählich zu blankem, harten, bläulich oder grünlich schimmerndem Eis. An der Gletscherzunge im unteren Bereich - dem „Zehrgebiet“ - tritt das Eis im Sommer ohne Schneeauflage blank zutage und schmilzt. Steigen wie in den vergangenen Jahrzehnten die Durchschnittstemperaturen, schmilzt im Jahresverlauf im Zehrgebiet mehr Eis als im Nährgebiet neu entsteht - der Gletscher weicht zurück. (va/dpa) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Jetzt hat ein Forscher-Team der Ohio State University Alarm geschlagen. Anlass ist eine Analyse neuer Daten über den Eisschild auf Grönland - dieser soll irreparable Schäden aufweisen. In Italien drohte kürzlich ein großer Gletscher-Teil am Mont Blanc abzustürzen. Dort wurde im März vergangenen Jahres auch ein Gletscher-See zur großen Gefahr. Ein Fachmann schlug Alarm: „Was da oben passiert, ist nicht normal“. Hier informieren wir über die aktuelle Wetter-Vorhersage in Deutschland.

Rubriklistenbild: © Stephan Jansen/dpa

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