Tierreich

Kampf gegen Klimawandel? Forscher wollen Mammuts wiederbeleben 

Wissenschaftler wollen das Mammut wiederbeleben. Sie behaupten: Das Tier könnte im Kampf gegen den Klimawandel helfen.

Cambridge – Mammuts mit wuchtigem Körperbau und langen Stoßzähnen sollen wieder durch Sibirien stampfen - wenn es nach den Vorstellungen von US-Forschern geht.

Die Tiere sind seit Tausenden Jahren ausgestorben. Doch nun wollen Wissenschaftler eine Art Wollhaarmammut wieder auferstehen lassen - mithilfe von Gentechnik. Das erste Kalb soll schon in sechs Jahren geboren werden. Das Startkapital ist gesammelt - aber die Skepsis unter Experten ist groß.

Wissenschaftler will Mammuts seit Jahren wiederbeleben

Das Vorhaben des Genforschers George Church von der Harvard University in Cambridge nimmt nach eigener Darstellung Gestalt an. Ein Start-Up namens Colossal kümmert sich aktuell um die umstrittenen Pläne. „Das Aussterben ist ein kolossales Problem, mit dem die Welt konfrontiert ist“, heißt es auf der Internetseite. „Wir haben die DNA, die Technologie und die führenden Experten auf dem Gebiet.“

Church wirbt seit Jahren für die Idee, die ausgestorbene Tierart wiederzubeleben. Bislang fehlte ihm das Geld. Laut Church könnte das erste Kalb im Jahr 2027 geboren werden, berichtet der US-Sender CNBC. Genau genommen wollen die Forscher kein Wollhaarmammut kreieren. „Ziel ist es, einen kälteresistenten Elefanten zu schaffen, der aber wie ein Mammut aussehen und sich so verhalten wird“. Eine Leihmutter soll das hybride Mammut austragen.

Forscher aus den USA wollen das Mammut wiederbeleben (Symbolbild).

Das Team um Church will für die Wiederbelebung die Zellen des bedrohten Asiatischen Elefanten mit gefundenen Uhrzeit-Genen des Mammuts kombinieren. Dafür wollen die Experten neue Technologien wie die Genschere Crispr-Cas9 verwenden, mit der DNA gezielt geschnitten werden kann. „Mit ihr sollen in die DNA Asiatischer Elefanten mehrere Mammutgene eingefügt werden, zum Beispiel für ein dichtes Fell und für zusätzliche Fettschichten“, sagt die Paläontologin Victoria Herridge dem Spiegel. Dabei handele es sich um ein „extrem kompliziertes“ Verfahren. Nach früheren Angaben von Church reicht das vorliegende Genmaterial eines Mammuts nicht aus, um das Tier zu klonen.

Warum sollen Mammuts wieder durch die Arktis streifen?

Ohnehin stellt sich die Frage: Warum sollten die ausgestorbenen Tiere wieder durch die Arktis streifen? Laut Church könnten die Mammuts dazu beitragen, dass der Permafrostboden weniger schnell schmelze. Dadurch könne man das Freisetzen klimaschädlicher Treibhausgase in den tiefgefrorenen Böden verhindern. Denn: Die Mammuts würden den Schnee feststampfen und so das Auftauen der Böden erschweren, behauptet der Experte. Doch an der Theorie gibt es Zweifel.

„Mammuts werden nicht benötigt, um den Klimawandel direkt zu bekämpfen“, sagt Nikita Simow. Der russische Wissenschaftler leitet ein riesiges Naturschutzgebiet im Nordosten Sibiriens, wo man die wiederbelebten Mammuts ansiedeln könnte. „Die Chance, dass alles gleich perfekt wird, ist gering“, warnt Simow vor übertriebenen Erwartungen. Pflanzenfressende Großsäugetiere trügen vielmehr dazu bei, arktische Landschaften als Weideland vielfältiger und widerstandsfähiger zu machen. Darüber könne der Klimawandel beeinflusst werden.

Für Guido Grosse vom Alfred-Wegener-Institut in Potsdam ist dieser Ansatz nachvollziehbar. Er verweist auf Erfahrungen in Simows Pleistozän-Park. „Dafür gibt es in kleinem Maßstab gute Hinweise, wir sind selbst an solchen Studien beteiligt“.

Kampf gegen Klimawandel? Experte zweifelt an Theorie

Der Permafrost-Experte zweifelt allerdings daran, dass sich so das Auftauen der gefrorenen Böden aufhalten lässt. „Wir sprechen über viele Millionen Quadratkilometer Permafrostregion, die von einer enorm hohen Tierdichte bevölkert werden müssten“. Es würde zu lange dauern, bis ausreichend viele Mammuts vorhanden wären. „Die Erderwärmung wäre dann in der Arktis schon zu weit fortgeschritten“. Auch andere Wissenschaftler haben sich ähnlich skeptisch geäußert.

Gareth Phoenix von der Universität im englischen Sheffield hält es für nachteilig, dass in den von Mammuts besiedelten Gebieten nur noch Gras und keine Bäume wachsen würden. „Wir wissen, dass Bäume und Moos in den bewaldeten arktischen Regionen für den Schutz des Permafrosts entscheidend sein können“, sagt der Professor dem Guardian.

„Es ist und bleibt absolut unabdingbar: Die fossilen Emissionen aus Kohle, Öl und Erdgas müssen beendet werden - und zwar so schnell wie möglich“, sagt Grosse. Das sei die wichtigste Maßnahme im Kampf gegen den Klimawandel. Daher droht Autofahrern nach der Bundestagswahl 2021* eine Spritpreis-Explosion. (Jan Wendt) *hna.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Holger Neuhäuser/dpa

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