Kölner baut Häuschen für Obdachlose - Stadt übt Kritik

+
Sven Lüdecke baut Wohnboxen für Obdachlose: Bisher bezahlte der 39-Jährige die Materialkosten aus der eigenen Tasche. Nun ist er auf Spenden angewiesen.

Köln. Sven Lüdecke baut Wohnboxen und verschenkt sie. Die Mini-Häuser sind für Obdachlose – so haben sie einen eigenen Schlafplatz. Die Stadt Köln sieht das aber anders und äußert Kritik.

Sieben solcher Boxen hat der hauptberufliche Fotograf schon gebaut und Obdachlosen übergeben. 

Eine davon bekommt Andreas. Der 51-Jährige hat schon einen Schlüssel zu seiner Kiste, sie steht noch bei Lüdecke auf dem Hof. Noch schläft Andreas mit seinem Hund in einem Zelt in einem Waldstück am Rande Kölns. „Besonders nachts ist das unglaublich nass und kalt“, erzählt er. Die Wohnbox gebe ihm das erste Mal wieder das Gefühl, etwas Eigenes zu haben. "Und das ist wunderbar." 

Auf Hilfe angewiesen: Andreas und seine Hündin Bella freuen sich, bald ihre Wohnbox beziehen zu dürfen. 

Die Stadt Köln ist jedoch kritisch. „Bei diesen Boxen handelt es sich um eine Unterkunft ohne Strom, Wasser, Kanal, Heizung und ohne ausreichende Stehhöhe“, sagt Pressesprecherin Inge Schürmann. Die kleinen Häuschen auf Rädern sind 2,40 Meter mal 1,40 Meter groß und 1,60 Meter hoch. „Für die dauerhafte Nutzung als Wohnraum sind solche Boxen nicht genehmigungsfähig“. Konkrete und prüfbare Angaben lägen nicht vor, obwohl man darauf hingewiesen habe, teilte die Stadt mit. In Köln müsse niemand auf der Straße oder unter der Brücke schlafen, ergänzt Schürmann. 

Probleme gibt es außerdem noch mit den Standorten der Unterkünfte. Sofern die Häuschen auf privatem Grund stehen, trügen auch die Grundstückseigentümer Verantwortung für die Unversehrtheit der Nutzer. „Sobald Boxen auf städtischem Grund stehen, wenden sie abgeräumt“, sagt die Stadtsprecherin. Eine Box habe beispielsweise im Kölner Stadtwald gestanden, „die hat das Ordnungsamt aufgenommen. Der Fall liegt jetzt beim Bauaufsichtsamt zur Prüfung.“ Dabei geht es beispielsweise um die Frage des Brandschutzes. Laut Lüdecke gibt es aber momentan keine rechtliche Grundlage, sein komplettes Projekt zu verbieten. 

Die Mini-Häuser baut Lüdecke nebenbei nach der Arbeit. 600 Euro koste Lüdecke die Herstellung einer Box. Er finanziert das Material aus eigener Tasche. Das sei aber bald aufgebraucht. Deswegen hat er jetzt den Verein Little Home Köln gegründet.

Spendenkonto: 

Sparkasse Köln Bonn 

IBAN: DE96 3705 0198 1933 6044 47 

BIC: COLSDE33XXX

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.