"Wir sind alle Schauspieler und dürfen auch mal lügen"

Körpersprachen-Expertin: So werden Sie so erfolgreich wie Cristiano Ronaldo

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König der Selbstinszenierer: So affig wie der portugiesische Fußball-Star Cristiano Ronaldo will niemand sein, so erfolgreich aber jeder.

Früher war Monika Matschnig Volleyball-Nationalspielerin, heute gilt sie als "Deutschlands Körpersprachen-Expertin Nummer 1". Hier zeigt sie, wie wir so erfolgreich wie Promis werden.

Sei selbstbewusst, lächle mit den Augen und versuche bitte, nicht authentisch zu sein - mit diesen drei Tipps werden wir erfolgreicher, sagt die Körpersprachen-Expertin Monika Matschnig. Am 16. Mai erklärt die Österreicherin HNA-Lesern in Kassel, wie man besser auf andere wirkt. Für uns hat sie die Körpersprache von Prominenten analysiert und ihre wichtigsten Tipps zusammengefasst.  

Bundeskanzlerin Angela Merkel

Angela Merkel

Angela Merkel ist die Meisterin der Nichtinszenierung. Das ist die höchste Kunst der Inszenierung, weil es immer so aussieht, als würde man nicht irgendeine Rolle spielen. Die Bundeskanzlerin ist das beste Beispiel dafür, dass es sich lohnt, an seiner Wirkung zu arbeiten, auch wenn man talentfrei ist. Schaut man sich alte Bilder an, erkennt man, welch unglaubliche Metamorphose sie durchlaufen hat. Das Foto zeigt sie in ihrer klassischen Pose mit der Merkel-Raute, die auch Merkelizer genannt wird. Es wurde schon viel hineininterpretiert, dabei bedeutet es überhaupt nichts. Zu Beginn ihrer politischen Karriere wusste Merkel einfach nicht, wohin mit ihren Händen. Ganz häufig sind die Hände im Weg, weil wir hier sehr viele Nervenenden haben. Da kam ihr die Idee zu diesem Spitzdach, bei dem man seine Hände gut unter Kontrolle hat. Darüber wurde viel gelacht, aber es ist längst ihr Markenzeichen geworden. Merkels Stärke ist ihre Selbstkontrolle. Für die deutsche Kultur ist ihre Inszenierungsleistung durchaus passend. Wir brauchen keinen absoluten Selbstdarsteller wie Trump, Putin oder Erdagon.

US-Präsident Donald Trump

Donald Trump

Das Bild zeigt einen typischen Gesichtsausdruck des US-Präsidenten. Er hat sich selten unter Kontrolle und zeigt oft eine zuckende, schnelle Bewegung im Gesicht. Sie zeugt von Verachtung und Sarkasmus. Das passt zu einem narzisstischen Menschen wie Trump. Für ihn ist nur das Ich relevant und sonst nichts. Auch wenn wir oft über ihn lachen, sollten wir besorgt sein, wie er mit seiner Inszenierung Millionen von Menschen hinter sich gebracht hat - mit einfachen, kurzen Sätzen, permanenter Wiederholung und einer sehr dynamischen Körpersprache. Auch wenn er nur vier Gesten hat, reicht das. Trump schafft es hervorragend, Statements mit seinen Armen zu unterstreichen. Und er lässt sein Gesicht sprechen. Man sieht sofort, was er wirklich denkt. Das schätzt seine Wählerschaft, die Inhalte kaum reflektiert. Er muss nur oft genug wiederholen, dass die anderen gelogen haben - seine Zielgruppe wird das irgendwann glauben.

Dieses Video ist ein Inhalt der Videoplattform Glomex und wurde nicht von der HNA erstellt.

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg

Mark Zuckerberg

Das Bild von seiner Anhörung vor dem US-Kongress zeigt den Facebook-Gründer mit einem klassischen Ausdruck von Verachtung. Solch ein negativer Gesichtsausdruck ist ungewöhnlich für Zuckerberg, der ein perfektionistischer und analytischer Typ mit sehr reduzierter Körpersprache ist. Und er ist ein absolutes Antitalent, wenn es darum geht, in der Öffentlichkeit im Mittelpunkt zu stehen. Mit seinen Coaches hat er aber konsequent trainiert. Wie Merkel hat er vieles dazu gelernt. Niemals wird er ein Barack Obama werden. Das ist nicht sein Persönlichkeitstypus. Bei der Anhörung hat er versucht, das Gefühl von Schuld und Mitgefühl zu vermitteln. Allerdings ist ihm das nicht gut gelungen, weil er kein empathischer Mensch ist.

AfD-Politikerin Alice Weidel

Alice Weidel

Auf dem Foto zeigt die AfD-Politikerin keine Emotionen. Man sieht keinerlei Muskelspannung. Weidel tritt stets sehr tough auf und will ein bisschen die Intellektuelle spielen. Zugleich kann sie sehr testosterongeladen agieren. Ein bisschen wirkt sie so hart wie die Eiserne Lady Margaret Thatcher. Zudem zeigt sie häufig abschätzige Gesten gegenüber Politikern anderer Parteien. Normalerweise kommt es bei der Wählerschaft nicht gut an, wenn eine Frau zu männlich agiert. Weidel hat jedoch den Vorteil, dass ihr Erscheinungsbild mit den längeren blonden Haaren, Make-up und femininer Kleidung weiblicher ist. Wäre ihre äußere Erscheinung wie die bei Merkel, würde das nicht ankommen.

Fußballer Cristiano Ronaldo

Cristiano Ronaldo

Nach seinem entscheidenden Treffer im Viertelfinale der Champions League gegen Juventus Turin zeigt der Fußballer von Real Madrid eine klassische Dominanz- und Männerpose. Das macht man nur, wenn man einen Body hat wie er. Dessen ist er sich vollkommen bewusst. Seine Schönheit will er der gesamten Welt demonstrieren. Ich persönlich finde das ein bisschen affig, aber seine Fans finden das sicher super cool und vielleicht sogar erotisch. So eine Pose macht er nicht bewusst. Sie passiert aus dem Affekt heraus. Kein Mensch hat sich unter Kontrolle, wenn er in der Nachspielzeit nach langer Unterbrechung den entscheidenden Elfmeter verwandelt. Trotzdem zeigt sich hier das wahre Ich. Ronaldo ist ein Pfau. Das erkennt man schon daran, wie er sich auf dem Spielfeld bewegt. Er trägt eine imaginäre Krone auf dem Kopf und hat diese elegante Haltung. Man kennt das von Königen und Kaisern, die gerne durch die Gegend stolzierten, um ihre Macht zu demonstrieren. So kommt mir Ronaldo ebenfalls vor. Er ist wahnsinnig eitel und lässt sich gern mit Lorbeeren zuschütten.

Ganz praktische Tipps von Monika Matschnig:

Selbstbewusster wirken

  1. Jeder sollte mit dem Smartphone eine Aufnahme von sich vor dem Spiegel machen. Dann sieht er, wie er wirkt. Man schaut, was einem nicht so gut gefällt und fragt am besten auch Freunde. Dann ersetzt man diese Macken durch bessere Verhaltensweisen. Die Alternativen probiere ich dann aus - und zwar solange, bis mein Körper sie verinnerlicht hat.
  2. Zudem sollten Menschen darauf achten, eine aufrechte Haltung einzunehmen. Am besten klemmen sie sich eine virtuelle Erbse zwischen die Pobacken. Automatisch sind sie dann standfester. Man kann auch ein Buch auf dem Kopf balancieren - und schon hat man die richtige Kopfhaltung.
  3. Geht man auf einen anderen Menschen zu, ist der Gesichtsausdruck wichtig. Es reicht schon ein leichtes Lächeln, es darf kein Dauergrinsen sein, und die Mundwinkel zieht man nicht bis zu den Ohren. Zudem sollten Menschen ihren Körper einsetzen, wenn sie sprechen. Damit kann man das Gesagte unterstreichen.

Richtig lachen

Bevor man irgendwo hingeht, stellt man sich bewusst vor, dass man an jeder einzelnen Person, die man treffen wird, etwas Positives finden wird. Die Augen lächeln dann automatisch, der Mund kommt ebenfalls dazu. Ein Tipp für Frauen: Sie lächeln generell zu viel, weil sie weniger auf Konfrontation gehen wollen, besonders in ernsten Situationen. Das sollten Frauen unterlassen. Wenn ich in einer männerdominierten Gesellschaft ernst genommen werden will, muss ich mich anpassen.

Nicht authentisch sein

Wir sind alle Schauspieler, die unterschiedliche Rollen spielen. Ich bitte aber jeden darum, nicht authentisch zu sein. Die Buchregale sind voll mit Titeln wie: "Sei du selbst und werde glücklich." Es gibt sogar schon authentische Lebensmittel und authentische Schuhe. Aber wenn ich immer authentisch, wahrhaftig und glaubwürdig bin, führe ich ein sehr einsames Leben. Es ist respektlos, wenn ich jedem Menschen immer das, was ich denke, an den Kopf werfe. Das können wir uns in einer Gesellschaft nicht erlauben. Da ist Höflichkeit gefragt. Und die ist eine Form des Schauspiels. Kleine Schwindeleien und Flunkereien wollen nichts Böses. Es sind prosoziale Lügen.

Im Sport erfolgreich sein

Vor allem in Mannschaftssportarten ist die Körpersprache essenziell. Zum einen geht es darum, stark zu wirken, wenn wir in das Blickfeld der gegnerischen Mannschaft geraten. Als ich früher Volleyball gespielt habe, haben wir uns in der Kabine darauf eingestellt. Denn was man denkt, strahlt man auch aus. Zum anderen geht es darum, beim Gegner die Schwachen auszumachen. Das klingt böse, aber die Schwachen muss man zum Opfer machen.

Wenn Sie nach einem Fußballspiel die beiden Mannschaften anschauen, müssen sie gar nicht wissen, wie das Spiel ausging, um zu erkennen, wer gewonnen hat. Sieger richten sich auf und haben mehr Spannung im Körper. Verlierer machen sich schmal und klein. Sie lassen Oberkörper vorfallen und die Schultern hängen. Sie sind energielos.

Nach einer schlechten ersten Halbzeit kann ein Trainer seine Mannschaft in der Pause innerlich oder körperlich wieder aufrichten. Er kann durch das Denken die Körpersprache ändern. Oder er kann durch die Körpersprache ein Gefühl erzeugen. Wenn ich nach der Pause rauskomme, muss ich die Gewinnermentalität und Energie im Körper sehen. Jeder muss drei Zentimeter größer aufs Spielfeld kommen.

Vortrag am Mittwoch, 16. Mai (19.30 Uhr), EAM Kassel, Monteverdiestraße 2. Karten für 59 Euro (mit HNA-Abo-Bonus-Karte: 49 Euro) und weitere Infos gibt es hier.

Monika Matschnig

Zur Person

  • Geboren: am 12. Dezember 1974 in Villach, Österreich)
  • Ausbildung: Psychologiestudium in Graz
  • Beruf: Coach und Referentin
  • Sportliche Karriere: Matschnig spielte zehn Jahre lang in der Volleyball-Bundesliga und war Mitglied des österreichischen Nationalteams.
  • Privates: Die 43-Jährige ist verheiratet und lebt in Neufahrn bei München sowie in Graz.
  • Internet: www.matschnig.com

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