Harte Oberfläche mit wenig Staub

So sieht es auf dem Kometen "Tschuri" aus

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So sieht es auf dem Kometen "Tschuri" aus.

Darmstadt - Die ersten Forschungsergebnisse der europäischen Landesonde "Philae" haben den Wissenschaftlern zu neuen Erkenntnissen über die Oberfläche des Kometen 67P/Tschurjumov-Gerasimenko, kurz Tschuri verholfen.

"Jetzt wissen wir: Auf der harten Oberfläche, auf die Philae 'gehüpft' ist, gab es nur zehn oder zwölf Zentimeter Staub", sagte der Leiter für Missionsbetrieb bei der Europäischen Weltraumagentur ESA, Paolo Ferri, am Montag dem Radiosender HR-Info.

Vor der historischen Landung von "Philae" auf dem Tschuri genannten Kometen am vergangenen Mittwoch hatten die Wissenschaftler über die Oberflächenbeschaffenheit des Schweifsterns nur spekulieren können. Ferri zufolge nahm "Philae" enorm detailreiche Fotos von der Kometenoberfläche auf. "Die Bilder, die wir gesehen haben, sind noch nicht veröffentlicht, aber sie waren fantastisch", sagte Ferri. "Ich habe Bilder gesehen, die aussehen wie Korallenriffe auf dem Meeresboden, unglaubliche Strukturen."

Die Landeeinheit "Philae" der ESA-Mission "Rosetta" war am Mittwochnachmittag als erstes von Menschen geschaffenes Gerät weich auf der Oberfläche eines Kometen gelandet. Beim Aufsetzen auf Tschuri funktionierten allerdings die Harpunen von "Philae" nicht, so dass sich der Forschungsroboter nicht wie geplant festzurren konnte.

Das kühlschrankgroße Minilabor wurde deshalb zweimal von der Kometenoberfläche abgestoßen und setzte schließlich in Schrägstellung offenbar an einem Kraterrand auf. Bevor die Energievorrat von "Philae" am Wochenende zur Neige ging, empfingen die Forscher noch große Datenmengen von dem mit zehn Instrumenten bestückten Lander.

"Rosetta"-Mission: "Philae" landet auf Komet "Tschuri"

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Dieses Bild wurde bereits am 7. Oktober 2014 von der CIVA Kamera an Board der Landeeinheit "Philae" gemacht, die zu der Zeit noch mit der Muttersonde "Rosetta" verbunden war. Es zeigt einen Flügel der "Rosetta", die mit Solarzellen versehen ist. Im Hintergrund: der Komet „67P/Tschurjumow-Gerassimenko“ aus einer Entfernung von 16 Kilometer. © AFP
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Die Spannung steigt im Hauptkontrollraum der Weltraumorganisation ESA in Darmstadt - die Landung von Minilabor"Philae" auf Komet "Tschuri" steht am Mittwoch, 12. November 2014 gegen 17 Uhr kurz bevor. Die Aufnahme zeigt das aufgeregte "Rosetta"-Team: Fred Jansen (l-r), Stephan Ulamec, Andrea Accomazzo. © AFP
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Eine wissenschaftliche Mitarbeiterin im Hauptobservationszentrum der Französischen Luftfahrt Gesellschaft CNES in Toulouse trägt ein T-shirt mit dem offiziellen Logo der Kometenlandung. © AFP
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Gegen 17.04 Uhr dann Erleichterung im Hauptkontrollraum der Weltraumorganisation ESA in Darmstadt - die Landung des Minilabors "Philae" auf dem Kometen "Tschuri" ist erfolgreich gelaufen. © dpa
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ESA-Mitarbeiter Tiago Francisco jubelt am 12.11.2014 im Hauptkontrollraum der Weltraumorganisation ESA in Darmstadt. Nach zehnjähriger Reise durch das All ist das Mini-Labor "Philae" der Raumsonde "Rosetta" erstmals auf einem Kometen gelandet. © AFP
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Das "Rosetta"-Team feiert im Hauptkontrollraum der Weltraumorganisation ESA in Darmstadt. © AFP
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Auch der französische Präsident Francoise Hollande verfolgte die Kometenlandung mit - im Cite des Science in Paris.   © AFP
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Die Erleichterung steht ihm ins Gesicht geschrieben: Freudentränen bei dem wissenschaftlichen Mitarbeiter Andrea Accomazzo kurz nach der Kometenlandung am 12.11.2014. © AFP
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Das erste Bild von Landeeinheit "Philae" - übertragen am 12. November 2014 um 18:59 übertragen. Es zeigt den Kometen "Tschuri" aus einer Entfernung von drei Kilometer. © AFP
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Das zweite Bild, übertragen um 11.05 Uhr am 13. November 2014, das "Philae" überträgt beweist: der Lander ist tatsächlich auf "Tschuri" angekommen. Es zeigt die Oberfläche des Kometen. © dpa

Die ESA veröffentlichte derweil im Internet eine Bildsequenz, die den ersten "Hüpfer" von "Philae" nach dessen Berühung der Kometenoberfläche zeigt. Die Bilder wurden von "Philaes" Muttersonde "Rosetta" aufgenommen, die sich seit August auf einer Umlaufbahn um Tschuri befindet und den Kometen aus dem Orbit weiter erforschen wird.

Tschuri, ein vier Kilometer-Brocken aus Eis, gefrorenen Gasen und Staub, rast derzeit auf die Sonne zu. Seinen sonnennächsten Punkt wird der Komet im August 2015 erreichen, die "Rosetta"-Mission soll bis zum Dezember 2015 dauern. Von der 2004 gestarteten Kometenjägermission erhoffen sich Wissenschaftler neue Erkenntnisse über die Frühzeit des Sonnensystems und über die Herkunft des Wasser auf der Erde.

AFP

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