Kommentar zum Mord von Darmstadt: Im Namen der Macht

Eine 19-Jährige in Darmstadt wurde vom eigenen Vater erwürgt. Dieser hat die Tat gestanden. Nach derzeitigem Ermittlungsstand soll den pakistanischen Eltern der Mann, den die Tochter heiraten wollte, nicht gepasst haben. Ein Kommentar von HNA-Redakteur Jörg S. Carl.

Ein Elternpaar aus Pakistan ermordet seine Tochter und entsorgt die Leiche in einem Wald. Unfassbar. Ein Mord im Namen der sogenannten Ehre soll es gewesen sein. Aber hier geht es nur vordergründig um das Ansehen einer Familie. Es geht im Kern um Dominanz und Macht.

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Denn den Ehrbegriff beanspruchen vor allem Männer für sich, die als Brüder oder Väter die seit barbarischen Urzeiten von Generation zu Generation weitergereichte Oberhaupt-Tradition diktatorisch auslegen: Wer sich in der Familie den väterlichen Gesetzen der Lebensführung nicht unterordnet, den zwingt das Oberhaupt dazu - oder beseitigt ihn. Die Opfer sind fast immer Mädchen und Frauen, die ein selbstbestimmtes Leben führen wollen. Träume, Wünsche, Selbstachtung, Emanzipation, Freiheit - all das soll an der Haustür enden.

Die Frage, ob solches Geschehen ein originär islamisches oder vorislamisches Phänomen ist, ist müßig. Denn gegen diese in Einzelfällen tief verwurzelte Barbarei und ihre verinnerlichten Mordmotive helfen weder ein religiöser Diskurs noch gut gemeinte Integrationspolitik. Wo ein Vater sich vornimmt, seine Tochter umzubringen, ist der Staat, ist die Gesellschaft hilflos. Hier bleibt nur das Strafrecht.

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