Analyse: Nach zwei Wochen „Gottschalk Live“ dümpelt die unausgereifte Sendung im Quotenloch

"Gottschalk Live" im Quotenloch: Das Konzept stimmt noch nicht

Thomas Gottschalk: Die Quoten sinken. Bild: dpa

Ist der Vorabend doch eine Todeszone? Thomas Gottschalks neue Show „Gottschalk Live“, die mit 4,3 Millionen Zuschauern stark gestartet war, kommt aus dem Quotentief nicht heraus. Ende der zweiten Woche schauten noch 1,4 Millionen zu. Eine Analyse.

Moderation

Gottschalk ist Gottschalk. Was der Mann recht gut kann, ist, mit Gästen zu plaudern. Das fand man bei „Wetten, dass..?“ manchmal zwar arg oberflächlich oder unkonzentriert, aber die lockere Talkerei ist grundsätzlich eine von Thomas Gottschalks Stärken. Ein Talent, das er in der neuen Show zu wenig ausspielen kann, weil zu viel los ist. Vielleicht müsste man ihn einfach eine halbe Stunde lang mit einem Gast auf die Couch setzen, reden lassen, und alles wäre gut.

Länge

Gottschalk soll plaudern, gleich mehrere Studiogäste begrüßen und nebenbei via Internet mit seinen Zuschauern in Verbindung treten. All dem in 30 Minuten gerecht zu werden, ist nahezu unmöglich, hinzu kommen mitunter ungünstig platzierte Werbepausen. Nach großer Kritik strich die ARD schon nach der Auftaktsendung einen Werbeblock – wirklich besser machte es das aber nicht.

Fotos: Das ist das neue Studio von "Gottschalk Live"

Das ist das neue Studio von "Gottschalk Live"

Häufigkeit

Die viermal wöchentlich ausgestrahlte Sendung will aktuell und nachrichtlich sein, das löst sie aber nicht ein. Bunte Meldungen müssen in so einem Format nicht zwingend wenige Stunden nach dem Ereignis verarbeitet werden. Beispiel: Katze rettet Familie aus dem Feuer – das kurze Gespräch mit dem jungen Mann, dem das Tier gehört, wäre auch einen Tag später noch nett. Diese gezwungene Aktualität bringt einen Druck in die Show, der der Sendung nicht guttut. Zwei Sendetermine pro Woche würden reichen und wären besser.

Gäste

Modeschöpfer Karl Lagerfeld, Opern-Star Anna Netrebko und Kaiser Franz Beckenbauer kamen ins Studio, „Emma“-Gründerin Alice Schwarzer und Schauspieler Mario Adorf ließen sich per Telefon zuschalten. Man könnte meinen, Gottschalk kriegt sie alle. Die Gespräche sind unterhaltsam, manchmal gar überraschend. So zum Beispiel bei Karsten Speck, der über seine Zeit im Gefängnis erzählte und sein Ehe-Aus bekannt gab.

Mitmach-Elemente

Die Idee ist gut, dass Redakteure im Studio und vor der Kamera übers Internet mit den Zuschauern kommunizieren. Nur müssen Ergebnisse dann auch gut in die Sendung hineingeholt werden. Hier könnte man von Frank Plasberg lernen.

Konkurrenz

Gottschalk talkt zwischen 19.20 und 19.50 Uhr. Eine Zeit mit starker Konkurrenz. So haben beispielsweise die parallel laufenden Daily Soaps auf RTL genauso treue Zuschauer wie die Regionalnachrichten, die etliche dritte Programme vor der „Tagesschau“ zeigen. Nicht zu vergessen sind außerdem Magazine wie „Galileo“ (Pro 7).

Fazit

Egal, ob man Gottschalk mag oder nicht – das Problem von „Gottschalk live!“ sind weder er noch seine Gäste. Vielmehr scheint das Konzept der Sendung zu unausgereift: Jede Menge Inhalt komprimiert auf 30, von Werbung zerhackte Minuten Sendezeit. Und das gleich viermal in der Woche. Die Show hat Optimierungsbedarf – man sollte ihr die nötige Zeit dafür geben.

Von Kristina Marth und Bettina Fraschke

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