Frankreich kämpft gegen Magerwahn

Krankhaft unterernährte Models sollen vom Laufsteg verbannt werden

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Paris. Die französische Nationalversammlung will im Kampf gegen Magersucht untergewichtige Models von den Laufstegen verbannen.

Eine entsprechende Regelung beschlossen die Abgeordneten jetzt bei Beratungen über die geplante Gesundheitsreform.Wird der Passus Gesetz, dürften auf französischen Modeschauen und bei Foto-Shootings keine Models mehr arbeiten, die einen bestimmten Body-Mass-Index unterschreiten.

Die sozialistische Gesundheitsministerin Marisol Touraine unterstützte das Ansinnen und bezeichnete die Präsentation abgemagerter Mädchen als „beunruhigendes Thema“.

Ein solches Verbot gibt es bereits in Israel. Italiens Regierung einigte sich mit den Modeverbänden schon 2006 auf eine Grundsatzerklärung gegen Magersucht. Bei den Modenschauen in Mailand setzen seitdem viele Designer auf kurvigere Models und wehren sich gegen das Ideal der Magermodels. Auch in anderen europäischen Ländern wird das Problem immer wieder diskutiert.

Der Body-Mass-Index setzt das Gewicht ins Verhältnis zur Körpergröße. Das Gewicht in Kilogramm wird durch die Körpergröße in Metern zum Quadrat geteilt. Ein Ergebnis von 16 und niedriger bedeutet starkes Untergewicht. Werte zwischen 18,5 und 25 fallen in die Kategorie Normalgewicht. Die Untergrenze für Models soll nach dem französischen Parlamentsbeschluss von Gesundheitsexperten festgelegt werden. Wer trotzdem extrem magere Models beschäftigt, dem würden bis zu sechs Monate Gefängnis und eine Strafe von 75.000 Euro drohen.

Bürgerlich-konservative Parlamentarier stimmten gegen den Vorschlag. Sie warnten davor, dieses Berufsverbot komme einer Diskriminierung von Menschen gleich, die von Natur aus sehr dünn sind. Der Gesetzestext soll noch Mitte April von der Nationalversammlung abgestimmt werden und muss anschließend noch durch den Senat.

Auch bei französischen Agenturen stößt das Projekt auf Widerstand. Es sei falsch, Magersucht und Schlankheit von Models zu vermischen, hieß es bei Synam, einem Zusammenschluss mehrerer Model-Agenturen. Damit werde Magersucht als seelisch bedingte Krankheit verkannt, sagte Synam-Chefin Isabelle Saint-Félix. (dpa/dob)

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