Es geht nicht mehr nur um Magersucht, sondern um den Missbrauch von Macht

#KeinBildfürHeidi: Schülerinnen singen gegen Klums Topmodels und Sexismus

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Umstrittene Model-Mama: Moderatorin Heidi Klum.

Auf Pro Sieben sorgt Heidi Klum weiter für Top-Quoten, doch die Kritik an ihrer Show "Germany's Next Topmodel" wächst. Nun gibt es sogar ein Lied gegen Heidi.

Es ist nicht besonders originell, Heidi Klum doof zu finden. Seitdem die Blondine aus Bergisch Gladbach vor zwölf Jahren angefangen hat, "Germany's Next Topmodel" (GNTM) zu suchen, wird über ihr fragwürdiges Frauenbild geklagt. Zuletzt schrieb eine Kritikerin: "Heidi Klum zu verteidigen ist so, als würde man den Klimawandel gut finden."

Nun finden fast alle einige Hamburger Schülerinnen gut, die gerade mit einem Anti-Heidi-Klum-Lied Erfolg haben. "Not Heidis Girl" heißt der Gute-Laune-Popsong, der gerade überall geteilt wird. Darin heißt es: "Ich bin nicht Heidis Mädchen. Ich kann werden, was ich will. Ich habe Stil, Hirn und mehr, so viel, das man bewundern kann." Wortführerin ist die 14-jährige Lynne, die zugibt, Spaß an "GNTM" zu haben. Aber "danach fühle ich mich falsch, weil die alle so groß und schlank sind".

Hinter dem Song der 11- bis 15-jährigen Mädchen steckt die Organisation Pinksticks, die auf sexistische Werbung aufmerksam macht. Geschrieben wurde das Stück von Pinksticks-Mitarbeiter Marcel Wicker. Verbreitet wird es unter dem Hashtag #KeinBildfürHeidi, den sich die Macher wiederum von den Feministinnen der Mönchengladbacher Vereinigung Vulvarines ausgeliehen haben.

Das alles macht klar, dass das Ganze kein Kinderkram ist. Überhaupt wird der Gegenwind für die kritikerprobte Klum lauter. Die gerade angelaufene 13. Staffel ist die erste, die im #MeToo-Zeitalter ausgestrahlt wird. Es geht jetzt nicht mehr nur darum, dass in der Show junge Frauen zu Schönheitsköniginnen ausgerufen werden, obwohl sie aussehen, als seien sie Patientinnen einer Klinik für Essgestörte. Wie bei Harvey Weinstein und Dieter Wedel geht es auch hier um den Missbrauch von Macht. Für den Medienkritiker Hans Hoff geht es in dem "medialen Bordell" von "GNTM" nur noch darum, "Frauen auf eine pure Körperlichkeit" zu reduzieren, "auf die Rolle von überehrgeizigen Zicklein, die nur das Ziel haben, Heidi Klum und ihren albernen Mode-Schergen zu gefallen".

Songschreiber Wicker, der in Marburg Kunst, Musik und Medien studiert hat, fragte nach der ersten Folge der neuen Staffel bei Twitter: "Noch wem gestern bei #GNTM das Hirn ausgelaufen?" Natürlich weiß der Werbefachmann sehr gut, wie man Stimmung macht. Schon gibt es Kritik daran, dass auch die Hamburger Pinkstinks-Mädchen, die gegen Heidis schöne Mädchen singen, allesamt sehr gut aussehen. Dabei hat ja niemand etwas gegen gutes Aussehen. Im Gegenteil. Aber wenn in einer Befragung von Essgestörten zwei Drittel angeben, dass die Pro-Sieben-Show ihre Erkrankung beeinflusst habe, läuft etwas sehr falsch im Land der Schönen und Blöden.

Neben dem Lied versucht Pinkstinks auch zahlreiche Sticker unters Volk zu bringen. Ein Slogan darauf lautet: "Folge nicht Influencers, sondern deinen Träumen." Das Problem ist nur, dass viele Teenagerinnen, die wissen, wie doof Klimawandel und Sexismus sind, trotzdem jeden Donnerstag gebannt vor dem TV-Gerät sitzen. Zum Staffel-Auftakt zählte Pro Sieben 2,2 Millionen Zuschauer.

Vielleicht müsste man noch viel mehr Sticker bedrucken und noch deutlicher werden. Zum Beispiel mit einem Zitat von Roger Willemsen. Der sonst so zurückhaltende Moderator und Autor bekannte einst, dass er "sechs Sorten Scheiße" aus Heidi Klum "rausprügeln" wolle, "wenn es bloß nicht so frauenfeindlich wäre".

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