Kundus: Taliban brennen Tanklastzüge nieder

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Flammen steigen aus einem brennenden Tanklastzug bei Kundus auf. Die Taliban hatten das Fahrzeug mit Raketen beschossen.

Kundus - Im nordafghanischen Bundeswehr-Einsatzgebiet um Kundus haben Taliban zwei Tanklastwagen niedergebrannt.

In dem Gebiet hatte vor einem Monat die Bundeswehr auf ebenfalls von den Aufständischen entführte Tanklaster einen umstrittenen Luftangriff befohlen. Dabei waren auch 30 Zivilisten ums Leben gekommen.

Provinzgouverneur Mohammad Omar sagte der Deutschen Presse-Agentur dpa, die Fahrzeuge mit Brennstoff für die NATO-Truppen seien von der tadschikischen Grenze gekommen und auf dem Weg nach Kabul gewesen. Am Rand von Kundus-Stadt seien die Tanklastzüge am Freitag in einen Hinterhalt der Aufständischen geraten. Den beiden Fahrern sei unverletzt die Flucht gelungen.

Der blutige Angriff in Kundus

Nach dem blutigen NATO-Luftangriff in Afghanistan wachsen die Spannungen zwischen den Bündnispartnern Deutschland und USA. © dpa
Die deutschen Truppen forderten am Freitag, 4. September 2009, bei Kundus einen Luftangriff gegen die Taliban an. Die Amerikaner schickten Kampfflugzeuge. © AP
Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) erklärte: Die beiden von den Amerikanern bombardierten Lastwagen sollten nach Ansicht militärisch Verantwortlicher möglicherweise für einen Selbstmordanschlag auf die Deutschen genutzt werden. © dpa
Nach Angaben der Bundeswehr hatten Taliban-Kämpfer in der Nähe von Kundus einen Kontrollposten errichtet und dort gegen 01.50 Uhr Ortszeit zwei beladene Tanklastzüge in ihre Gewalt gebracht. © dpa
Die Taliban hätten den Treibstoff in den Unruhedistrikt Char Darah bringen und selbst nutzen wollen. © AP
Bei der Durchquerung des Flusses Kundus sechs Kilometer vom deutschen Wiederaufbauteam entfernt seien sie mit den Fahrzeugen in einer Sandbank steckengeblieben. © AP
Von der Bundeswehr angeforderte NATO-Flugzeuge hätten sie dann um 02.30 Uhr bombardiert. © AP
Nun soll geklärt werden, was sich genau abspielte: Die Untersuchung der Internationalen Schutztruppe ISAF zu dem von der Bundeswehr angeordneten Luftangriff dauert an. © dpa
Die Öffentlichkeit werde nach Abschluss der Untersuchungen über das Ergebnis informiert, sagte ein ISAF-Sprecher am Montag in Kabul. © dpa
Einen Zeitpunkt nannte er nicht. Die NATO-geführte ISAF und eine Delegation von Präsident Hamid Karsai untersuchen den Vorfall vom vergangenen Freitag. © AP
Nach einem Bericht der “Washington Post“ gingen erste Schätzungen der NATO-Untersuchungskommission von rund 125 Toten aus, davon mindestens zwei Dutzend Zivilisten. © AP
Der verheerende Luftangriff bringt die Bundesregierung immer stärker in Erklärungsnöte. © AP
Unter Druck gerät vor allem Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU), dem neben der Opposition auch die SPD eine miserable Informationspolitik vorwirft. © AP
Oberst Georg Klein, Kommandeur des Bundeswehrlagers in Kundus, hat den Luftangriff befohlen. © dpa
Oberst Klein hat sich zuversichtlich gezeigt, dass bei der Untersuchung des Vorgangs alle notwendigen Informationen herangezogen werden und es zu einer fairen Beurteilung kommt. © AP
Nach wie vor nicht bekannt war die genaue Zahl der Opfer. © dpa
Nach afghanischen Angaben kamen etwa 70 Menschen ums Leben. © dpa
US-Konteradmiral Gregory Smith, der Sprecher von NATO-Kommandeur Stanley McChrystal, nannte die vorläufige Zahl von 56 Toten. © dpa
Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung sagte, seinen Informationen zufolge seien bei dem Angriff ausschließlich Taliban-Mitglieder getötet worden. © dpa
Nach Darstellung von Offizieren der NATO in Afghanistan sind unter den Toten mit einiger Wahrscheinlichkeit auch einfache Bewohner der Region. © dpa
Verletzte in einem Krankenhaus in Kundus. © dpa
Ein Verletzter im Krankenhausbett. © dpa
US-Konteradmiral Gregory Smith, der Sprecher von NATO-Kommandeur Stanley McChrystal (Bild), erklärte, die Bundeswehr habe bis zur Besichtigung des Angriffsorts zu viel Zeit verstreichen lassen. © dpa
Nach Ansicht McChrystals sei die Reaktionszeit “vermutlich länger gewesen, als sie hätte sein sollen“, sagte Smith am Sonntag. © AP
Bundeswehr-Soldaten in Afghanistan. © AP
Bundeswehr-Soldaten bereiten in Kundus den Start einer unbemannten Drohne vor. Eine solche Drohne habe die Entführer der Tanklaster verfolgt und mit der Kamera 67 Taliban-Kämpfer registriert, aber keine Zivilpersonen, verlautete aus Bundeswehrkreisen in Kundus. © AP

Einer der beiden Fahrer namens Noor Ahmad sagte der dpa, die Taliban hätten den Tanklastzügen am Freitagmorgen an der Stadtgrenze nahe des Distrikts Aliabad aufgelauert und von einer Stellung in der Nähe der Straße das Feuer eröffnet. Zunächst seien die Reifen zerschossen worden. Er und sein Kollege in dem anderen Fahrzeug seien daraufhin geflohen und zu einer Polizeistation gerannt. Bei ihrer Rückkehr hätten sie gesehen, wie die Aufständischen die Tanklastzüge mit Panzerfäusten und Schnellfeuergewehren beschossen und zerstört hätten. Ein Reporter der dpa in Kundus sagte, die Polizei habe die Gegend um die Wracks der Fahrzeuge abgeriegelt.

Anfang September hatten die Taliban zwei Tanklastzüge in der Provinz Kundus gekapert. Die Bundeswehr ordnete einen Luftangriff an, der internationale Kritik und hitzige Debatten in Deutschland auslöste. Nach Angaben einer vom afghanischen Präsidenten Hamid Karsai eingesetzten Untersuchungskommission waren bei dem Bombardement neben 69 Aufständischen auch 30 Zivilisten getötet worden. Eine Untersuchung der NATO zu dem Vorfall dauert noch an.

Bundeswehr-Helikopter beschossen

Unterdessen wurden in Kundus zwei Bundeswehr-Hubschrauber vermutlich von radikal-islamischen Taliban beschossen worden. Es wurde niemand verletzt, wie das Einsatzführungskommando der Bundeswehr in Potsdam am Freitag auf Anfrage bestätigte. Ein Hubschrauber sei getroffen worden. Er sei daraufhin zum Feldlager der Bundeswehr in Kundus zurückgeflogen. Weitere Angaben machte das Einsatzführungskommando zunächst nicht. In der Region Kundus waren Bundeswehrsoldaten bereits häufiger Ziel von Anschlägen.

Bei einem Anschlag und einem Gefecht in Afghanistan wurden zwei Soldaten der Internationalen Schutztruppe ISAF getötet. Die NATO- geführte ISAF teilte in ihrem Lagebericht mit, ein US-Soldat sei am Freitag an Verletzungen gestorben, die er bei einem Granatenangriff im Osten des Landes erlitten habe. Der zweite ISAF-Soldat, zu dessen Nationalität die Schutztruppe keine Angaben machte, sei am Donnerstag in Südafghanistan bei einem Bombenanschlag ums Leben gekommen.

Nach Angaben des unabhängigen Internetdienstes icasualties.org sind seit Jahresbeginn mehr als 375 ausländische Soldaten in Afghanistan getötet worden. Bereits jetzt ist 2009 damit das verlustreichste Jahr seit Beginn des Einsatzes.

dpa

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