KZ-Gedenkstätte wird aus Geldmangel geschlossen

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Das Museum der KZ-Gedenkstätte Sobibor wird geschlossen - vorerst.

Warschau - Sobibor gilt neben Auschwitz-Birkenau und Treblinka weltweit als Holocaust-Symbol. Die NS-Gedenkstätte in Polen kämpft seit langem mit Geldproblemen. Nun wurde sie geschlossen.

Mehr als zehn Jahre hat Marek Bem hartnäckig um einen festen Platz der NS-Gedenkstätte Sobibor in der polnischen Museumslandschaft gekämpft. Der langjährige Leiter der Einrichtung im Osten Polens legte wegen des Personalmangels auch selbst Hand an, etwa wenn er den Kiesweg zum Museum per Harke in Ordnung brachte.

Doch nun hat der 50-jährige Anthropologe das Handtuch geworfen: “Wir haben das Museum dicht gemacht“ sagte Bem mit viel Wut in der Stimme am Donnerstag der Nachrichtenagentur dpa. Bis auf weiteres soll das Museum mit seiner ständigen Ausstellung wegen Geldmangels für Besucher geschlossen bleiben.

Die meistgesuchten Nazi-Verbrecher

Sie haben sich dem Zugriff der Justiz entzogen. Auf der Liste der meistgesuchten Nazi- Kriegsverbrecher des Simon-Wiesenthal-Zentrums in Jerusalem stehen folgende Namen: © dpa
ALOIS BRUNNER (Jahrgang 1912) in Syrien: Der wichtigste bislang strafrechtlich nicht verfolgte Nazi-Kriegsverbrecher ist möglicherweise nicht mehr am Leben. © dpa
Der ehemalige SS-Hauptsturmführer soll als “Ingenieur der Endlösung“ für den Tod von etwa 130 000 Juden aus mehreren Ländern verantwortlich sein. © dpa
Brunner wurde das letzte Mal im Jahr 2001 in Damaskus (Syrien) gesehen. © dpa
ARIBERT HEIM (1914) in Ägypten: Der als “Dr. Tod“ berüchtigte frühere KZ-Arzt soll 1992 mit 78 Jahren in Kairo gestorben sein. Als Beleg gilt ein Auszug aus dem Sterberegister. © dpa
Aufgrund einer beim Bundesfinanzhof anhängigen Steuersache schließt das Wiesenthal- Zentrum jedoch nicht aus, dass Heim noch lebt. © dpa
Er soll in den Konzentrationslagern Sachsenhausen, Buchenwald und Mauthausen zahlreiche Menschen ermordet haben, viele durch Injektionen ins Herz. © ZDF
SANDOR KEPIRO (1914) in Ungarn: Der Polizeioffizier wird verdächtigt, an der Ermordung von mehr als 1200 Zivilisten im serbischen Novi Sad teilgenommen zu haben. © dpa
MILIVOJ ASNER (1913) in Österreich: Der ehemalige Polizeichef in Kroatien soll aktiv an der Verfolgung und Deportation von Serben, Juden sowie Sinti und Roma beteiligt gewesen sein. © AP
KLAAS CARL FABER (1922) in Deutschland: In den Niederlanden wurde er für den Tod von Gefangenen 1944 zum Tode verurteilt. © dpa
Das Urteil wurde 1948 in eine lebenslange Haftstrafe umgewandelt. 1952 flüchtete er aus dem Gefängnis und lebt seit Jahrzehnten in Ingolstadt. © dpa
SOEREN KAM (1921) in Deutschland: Das ehemalige SS-Mitglied soll für den Tod eines dänischen Journalisten verantwortlich sein und die Deportation der jüdischen Gemeinde in Dänemark in deutsche Konzentrationslager ermöglicht haben. © dpa
Wegen Tötung in Dänemark verurteilt, lebt Kam heute in Kempten im Allgäu. © dpa
MICHAIL GORSCHKOW (1923) in Estland: Laut Wiesenthal-Zentrum war er am Mord an Juden in Weißrussland beteiligt. © dpa
ALGIMANTAS DAILIDE (1921) in Deutschland: Er soll Juden festgenommen haben, die später von Nationalsozialisten getötet wurden. © dpa
Von den USA ausgeliefert wurde er in Litauen verurteilt, musste seine Haft aber wegen seines Gesundheitszustands nicht antreten und lebt heute in Sachsen. © dpa

“Ohne das Geld kann die Einrichtung nicht funktionieren“, erläuterte Bem. Deshalb hätten er und seine Mitarbeiter das Gelände verlassen und alle Aktivitäten, auch die Führungen für Touristen, eingestellt. Nur privat schaue er manchmal vorbei, er fühle sich mit diesem Ort sehr verbunden, erzählt Bem, der seit vergangenem Jahr Sprecher der Gedenkstätte ist. Das 60 Hektar große Gelände des ehemaligen Lagers mit historischer Bahnrampe ist nicht eingezäunt und bleibt weiterhin zugänglich.

Die Gedenkstätte Sobibor ist eine Filiale des Regionalsmuseums im benachbarten Wlodawa an der Grenze zur Ukraine. Die lokalen Behörden in der eher armen Region machten seit langem Probleme bei der Finanzierung der Einrichtung geltend. Im diesjährigen Haushalt des Landkreises wurden die Gelder für Sobibor halbiert. Die Folge: die Hälfte der Mitarbeiter musste entlassen werden. Das polnische Kulturministerium will die Finanzierung erst ab 2012 übernehmen. Alle Versuche, eine Zwischenlösung zu finden, seien gescheitert, klagt Bem.

In den Gaskammern des Vernichtungslagers Sobibor im besetzten Polen ermordeten die Nationalsozialisten vom Mai 1942 bis September 1943 etwa 250 000 Juden aus Polen, den Niederlanden, Tschechien anderen besetzten Ländern Europas. Auch Juden aus Deutschland starben dort. Außer 30 SS-Männern gehörten zur Wachmannschaft des Lagers auch rund hundert Ukrainer, darunter John Demjanjuk. Er wurde vor knapp einem Monat in München wegen Beteiligung am Massenmord zu fünf Jahren Haft verurteilt.

Mitte Oktober 1943 wagten einige Häftlinge den Aufstand, töteten mehrere SS-Männer sowie ukrainische Wachleute und flohen in den Wald. Nur einige Dutzend der rund 500 Flüchtlinge überlebten den Ausbruch. Die meisten starben in den Sümpfen oder wurden gefangen und hingerichtet. Nach dem Aufstand schlossen die Nazis das Lager, verbrannten die Baracken und zerstörten die Gaskammern. Die Asche der Toten wurde über die Felder verstreut.

dpa

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