Neuer Standort gesucht

Landet die 1977 entführte Lufthansa-Maschine "Landshut" bald am Kassel Airport?

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Die „Landshut“ in Dubai: Während der Entführung stand die Boeing hier drei Tage in der prallen Sonne

Die Lufthansa-Maschine „Landshut“ wurde  1977 entführt. 2017 wurde die Boeing 737 zurück nach Deutschland geholt.  Ein Verein will sie an den Kassel Airport holen.

Als die Lufthansa-Maschine „Landshut“ am 13. Oktober 1977 auf ihrem Flug von Palma de Mallorca nach Frankfurt entführt wurde, bestimmte das Thema alle Nachrichtensendungen und die Berichterstattung der Tageszeitungen. 

Palästinensische Terroristen wollten so die Freilassung von Mitgliedern der Rote Armee Fraktion (RAF) erzwingen. Der Tod des Flugkapitäns Jürgen Schumann und die Befreiung der Geiseln in Mogadischu sind ein Stück deutsche Zeitgeschichte.

"Landshut" aktuell am Bodensee

Die könnte demnächst am Aiport Kassel in Calden dokumentiert werden. Hintergrund ist die Suche nach einem Standort für die „Landshut“, die derzeit mit abmontierten Flügeln und in einem sehr schlechten Zustand in Friedrichshafen am Bodensee steht.   

„Wir würden sie gern zum Airport Kassel holen“, sagt Hartmut Fischer, der Vorsitzende des Fördervereins Fieseler Storch. Der hat mit dem historischen Propellerflugzeug bewiesen, was man aus einem sanierungsbedürftigen Oldtimer machen kann. Auf dem Flugplatz in Calden hat der komplett sanierte Storch mittlerweile eine eigene Halle.

Direkt im Anschluss gebe es ein 5000 Quadratmeter großes Grundstück, das für eine Erweiterung geeignet sei. „Wir würden uns mit Herzblut und Sachkenntnis um die Landshut kümmern“, sagt Fischer. Mit dem Anliegen hat er sich schriftlich an die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Monika Grütters, gewandt. Der Bund ist bereit, Geld für die Restaurierung der Boeing 737 (Baujahr 1970) in die Hand zu nehmen. Die wurde im Jahr 2008 nach 60.000 Flügen ausgemustert und stand lange auf einem stillgelegten Rollfeld im brasilianischen Fortaleza.

"Landshut" von Bundesregierung gekauft

Für den Schrottwert von 20.000 Euro hat die Bundesregierung die Maschine vor zwei Jahren gekauft. Zwei Tranportmaschinen brachten den Rumpf und die Flügel nach Friedrichshafen, wo sie 2017 bei einem Tag der offenen Tür des Dornier-Museums gezeigt wurden.

Ob die Landshut in Friedrichshafen bleibt oder an einem anderen Ort ausgestellt wird, ist derzeit noch offen. Im Gespräch war das Haus der Geschichte in Bonn, wo es allerdings kaum Platz für die Maschine gibt. Auch Stuttgart-Stammheim – hier saßen die RAF-Terroristen im Gefängnis – wurde schon vorgeschlagen.

Für die "Landshut" gibt es neben dem Kassel Airport weitere Bewerber

Jetzt gibt es mit dem Airport Kassel einen weiteren Kandidaten. Wie die Chancen stehen, kann im Moment auch Hartmut Fischer nicht sagen. Auf sein Angebot hat er jedenfalls eine schriftliche Antwort bekommen, die alle Optionen offen lässt. Ziel der Bundesregierung sei es, die „Landshut bestmöglich zu restaurieren und auszustellen“, heißt es in dem Schreiben. 

Nach der Prüfung möglicher Standorte komme man gern auf den Förderverein zu. Mit der Restaurierung des Fieseler Storchs, dem Bau einer Halle und der Schaffung eines entsprechenden Umfeldes habe der Verein bereits einen großen zeitgeschichtlichen Beitrag geleistet. Hartmut Fischer hofft jetzt darauf, dass sich die heimische Politik für das Projekt einsetzt und damit die Realisierungschancen erhöht.

Und was sagt der in Kassel geborene Copilot der „Landshut“, Jürgen Vietor, wie hna.de berichtet, zu dem Thema? Ihn haben wir telefonisch in der Nähe von Hamburg erreicht. „Ich finde es wichtig, dass die Maschine in einem vernünftigen Zustand öffentlich präsentiert wird“, sagt der 77-Jährige. Nach der Ermordung seines Pilotenkollegen Schumann steuerte er die „Landshut“ bis nach Mogadischu. „Wenn ich mir vorstelle, was damals in Deutschland los war, dann verstehe ich nicht, warum das alles so lange dauert“, sagt er.

In einigen Jahren gebe es keine Zeitzeugenwie hna.de berichtet, mehr, die Landshut müsse als Mahnmal erhalten werden. Ob in Friedrichshafen, Stuttgart oder Calden ist für Jürgen Vietor zweitrangig. 42 Jahre nach den Entführung der „Landshut“ sei die Zeit dafür mehr als reif.

GSG9 stürmte die entführte "Landshut"

Die Lufthansa-Maschine „Landshut“ wurde am 13. Oktober 1977 – im sogenannten Deutschen Herbst – von palästinensischen Terroristen entführt. Diese forderten die Freilassung von RAF-Mitgliedern aus deutschen Gefängnissen. Der aus Kassel stammende Copilot Jürgen Vietor war eines von fünf Besatzungsmitgliedern. 

86 Passagiere waren an Bord der Maschine. Einer der Entführer erschoss den Flugkapitän Jürgen Schumann vor deren Augen. In der somalischen Hauptstadt Mogadischu landete Vietor das Flugzeug nach fünf Tagen. Die Eliteeinheit des Bundesgrenzschutzes GSG9 stürmte die Maschine.

Alle Geiseln überlebten. Im September 2017 wurde die 1970 gebaute Boeing 737 von Brasilien aus nach Deutschland gebracht. Sie steht zur Zeit in Friedrichshafen am Bodensee.

Von Thomas Siemon

*hna.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

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