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„Unheilbare Immunschwäche“: Lauterbach korrigiert „technischen Fehler“ bei Interview-Panne und sieht Schuldigen

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Von: Martina Lippl

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Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (Archivfoto) rudert nach einem Interview zurück und verweist auf „technischen Fehler“.
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (Archivfoto) rudert nach einem Interview zurück und verweist auf „technischen Fehler“. © Chris Emil Janssen/imago

Karl Lauterbach warnte in einem Interview vor der Gefahr mehrerer Corona-Infektionen und einer „unheilbaren Immunschwäche“. Jetzt macht der Gesundheitsminister eine Rolle rückwärts.

Berlin – Interviews sind so eine Sache. Vor allem, wenn eine Aussage plötzlich hohe Wellen schlägt. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hatte sich in einem Interview über schwerwiegende Folgen von mehrmaligen Infektionen mit dem Coronavirus geäußert. Öftere Coronainfektionen hätten eine „unheilbare Immunschwäche“ zur Folge, sagte der SPD-Politiker. Nun revidiert Lauterbach diese Interview-Aussage und erklärt es mit einem „technischen Übertragungsfehler“.

In dem Interview mit der Rheinischen Post sagte Lauterbach: „Es ist bedenklich, was wir bei Menschen beobachten, die mehrere Corona-Infektionen gehabt haben. Studien zeigen mittlerweile sehr deutlich, dass die Betroffenen es häufig mit einer nicht mehr zu heilenden Immunschwäche zu tun haben.“ Der Gesundheitsminister ergänzte: „Das ist noch nicht sicher, wird intensiv erforscht“.

Kritik an Lauterbach-Aussage im Interview über wiederholte Corona-Infektionen

Schon kurz nach Erscheinen des Interviews tauchten Reaktionen in sozialen Netzwerken auf, berichtet merkur.de. Stefan Kluge, Klinikdirektor vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), kommentierte auf Twitter: „Unheilbare Immunschwäche nach Infektionen? Man sollte sich in der Kommunikation wirklich auf validierte, klinische Studien beziehen. Aber natürlich bleibt es wichtig, Infektionen zu vermeiden.“

Die Wissenschaftsjournalistin Christina Berndt von der Süddeutschen Zeitung kritisierte dagegen die Lauterbach-Aussage scharf. Auf Twitter diagnostiziert Berndt Lauterbach eine „schwer zu heilende Kommunikationsschwäche“, da Lauterbach „erneut so dramatisiert“ und sich dabei auf noch vorläufige Daten beziehe. Dazu teilt sie ihren Kommentar, der auf Sz.de erschienen ist.

Ihrer Meinung nach sei es unverantwortlich, dass Lauterbach Daten in einer Tageszeitung besprechen würden, die bisher nicht in wissenschaftlichen Fachjournalen veröffentlicht wurden. Es gebe nicht einmal eine vorläufige wissenschaftliche Publikation – sogenanntes Preprint. Die Befunde seien eben noch so unreif und ihre Urheber wollen erst weiterforschen, unterstreicht Berndt in ihrem Kommentar.

Es sei nach Berndts Meinung unverantwortlich, dass der Gesundheitsminister „vorläufige Daten hinausposaune und die Menschen in Angst und Schrecken“ versetze.

Lauterbach rudert bei Interview-Aussage zurück und spricht von „technischem Übertragungsfehler“

Lauterbach reagierte via Twitter auf das Meinungsstück der Journalistin. Der Gesundheitsminister rudert bei der Interview-Aussage zurück und verweist auf einen „technischen Übertragungsfehler“ den es im Bundesgesundheitsministerium (BMG) gegeben habe. „Das Zitat war: ‚Studien zeigen mittlerweile sehr deutlich, dass die Betroffenen es häufig mit einer Immunschwäche zu tun haben, deren Dauer wir noch nicht kennen.‘ Von unheilbarer Immunschwäche kann derzeit noch keine Rede sein.“

Was genau beim Lauterbach-Interview schiefgelaufen ist – hat Lauterbach bereits den Schuldigen ausgemacht?

Was sich genau hinter einem „technischen Übertragungsfehler“ verbirgt, lässt Lauterbach offen. Generell werden die Interviews mit einem Politiker autorisiert. So wird es auch der Fall beim Interview mit der Rheinischen Post gewesen sein. Laut Journalist Jan Drebes von der Rheinischen Post habe die Redaktion eine autorisierte Fassung mit dem betreffenden Satz erhalten. Die Passage sei auch in einer „Exklusiv-Vorabmeldung vollständig angegeben“ gewesen. Drebes schreibt auf Twitter, dass dies „aufgrund eines internen Fehlers beim Bundesgesundheitsministerium“ möglich gewesen sein könnte. „Ihn deswegen als Lügner zu bezeichnen, finde ich nicht angemessen“, so Drebes.

Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums soll eine falsche Version des Interviews verschickt haben. Das berichtet welt.de und beruft sich dabei auf Kreise des Ministeriums. (ml)

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