Junge Leute fotografieren sich in riskanten Positionen

Lebensgefahr für Kick und Foto: Verbotener Trend lockt auf Hochhäuser

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Blick auf den New Yorker Times Square aus schwindelerregender Höhe: Ein junger Mann lässt die Beine ins Nichts baumeln und fotografiert dabei - immer in der Gefahr, abzurutschen und in den Tod zu stürzen. Rooftopper heißen junge Leute, die diesem gefärhlichen und illegalen Trend nachgehen. Foto: Wanted Visual/dpa

New York. Viele bekommen schweißnasse Hände, wenn sie Edwards Fotos und Videos anschauen. Einmal ist er zu sehen, wie er auf einem Bein auf der Dachkante eines mehrere Hundert Meter hohen Gebäudes balanciert. Ein andermal lässt er seine Beine in die Tiefe baumeln, unter ihm New York und Menschen in Ameisengröße.

Edward ist Rooftopper. Roof heißt auf Deutsch Dach. Und Rooftopper erklimmen ohne Sicherung die höchsten Stellen von Gebäuden, um in schwindelerregender Höhe zu fotografieren und zu filmen.

Es ist ein gefährlicher Trend, der die Metropolen der Welt erfasst hat - und der schon einige junge Menschen das Leben kostete. Erst in der Silvesternacht ist ein 20-jähriger Rooftopper von einem 52-stöckigen Hotel in New York in den Tod gestürzt. Er war auf das Dach geklettert, um nachts Panorama-Aufnahmen der Stadt zu machen.

- Rooftopper-Fotos auf Instragram
- Rooftopper-Videos auf Youtube

Gerade der Adrenalinkick, den diese Gefahr auslöst, und die Liebe zur Fotografie sind für die meisten Rooftopper die Hauptgründe, ihr Leben zu riskieren. „Es ist gefährlich und absolut illegal“, sagt Edward aus New York. Deshalb gibt er seinen echten Namen nicht preis. Und deshalb können wir hier auch kein Portätfoto von ihm zeigen. „Man kann von der Polizei erwischt werden. Man kann sich ernsthaft verletzen oder sogar sterben.“

Wenn Rooftopper ihre Fotos und Videos aus einigen Hundert Metern Höhe im Internet veröffentlichen, ist ihnen der Applaus vieler Nutzer sicher. Vor allem auf der Fotoplattform Instagram und der Videoplattform YouTube zeigen sie ihre Werke. Die bekanntesten Dachbesteiger haben Zehntausende Fans auf Instagram.

Viele Rooftopper sehen sich zudem als Extremsportler, sagt Edward. Denn um in luftige Höhe zu gelangen, müssen sie oft viele Dutzend Stockwerke erklimmen.

Auch James McNally findet immer neue Wege, um sich Zugang zu New York Citys Wolkenkratzern zu beschaffen. Meist verkleidet er sich, damit er nicht auffällt, wenn er über Treppen und Aufzüge zur Hochhausspitze vordringt. Mal zieht er sich als Banker an, mal als Bauarbeiter. Der 34-Jährige war schon auf etwa 80 Gebäuden der Stadt, darunter Ikonen wie das Woolworth Building mit 241 Metern und der One57 mit 306 Metern.

Bei einer Reise nach Hongkong wurde McNally verhaftet, als er auf einen Wolkenkratzer kletterte. Er musste vier Tage im Gefängnis verbringen. Dennoch: „Sobald ich wieder nach Hongkong einreisen darf, will ich noch mehr Hochhäuser dort erklimmen.“ (dpa/abg)

Das sagt ein Kritiker

„Schrei nach Aufmerksamkeit“

Neil Ta, ein Fotograf in Toronto, war selbst jahrelang Rooftopper, gehört mittlerweile aber zu den größten Kritikern. „Gefahr verkauft sich“, sagt er und nennt den Trend eine „Sucht nach mehr Aufmerksamkeit“. Ta kritisiert: „Füße über dem Abgrund baumeln zu lassen und „Ich bin in Gefahr“-Fotos sind nur ein purer Schrei nach Aufmerksamkeit.“

Das sagt unsere Polizei

Rooftopping kann teuer werden

Wer auf ein Dach steigt und dadurch einen Polizeieinsatz auslöst, kann zur Kasse gebeten werden. Das können mehrere 100 Euro sein. Wenn auch noch die Feuerwehr ausrückt, sogar mehrere 1000 Euro, sagt Torsten Werner, Sprecher der Polizei in Kassel. Außerdem begehen Rooftopper eine Straftat, wenn sie ohne Genehmigung des Eigentümers Gebäude betreten.

Davon abgesehen: Darf die Polizei einschreiten, wenn sich jemand freiwillig in Gefahr begibt? Werner: „Wir sind nicht nur für Strafverfolgung zuständig, sondern auch für Gefahrenabwehr.“ Das würde auch bei Rooftopping der Fall sein. Aus Kassel sind ihm bisher keine Fälle bekannt. (abg/dpa)

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