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Bald weitere Lebensmittel bei Aldi, Lidl und Rewe Mangelware? Weizen wird noch knapper

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Von: Karolin Schäfer

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Ein Landwirt erntet Weizen. Indien will das Getreide vorerst nicht mehr exportieren.
Ein Landwirt erntet Weizen. Indien will das Getreide vorerst nicht mehr exportieren. © Xinhua/dpa

Neben dem Ukraine-Krieg treibt die Hitzewelle in Indien die Weizenpreise in die Höhe. Das Land kündigt einen Exportstopp an – mit Folgen.

Neu-Delhi – Seit Beginn der Kampfhandlungen im Ukraine-Konflikt sind die Weizenpreise bei Aldi, Lidl, Rewe und Co. in die Höhe geschossen. Ein Ende scheint nicht in Sicht zu sein, denn durch die Hitzewelle in Indien steigen die Preise weiter. Das Land in Südasien zählt zu den zweitgrößten Produzenten weltweit. 2021 produzierte Indien knapp 110 Millionen Tonnen.

Eine Tonne Weizen erreichte am Montagmorgen (16. Mai) im europäischen Handel an der Börse Euronext einen stolzen Preis von 435 Euro. Das bisherige Rekordhoch von 422 Euro für eine Tonne am Freitag (13. Mai) wurde damit übertroffen.

Weizen bald Mangelware? Indien kündigt Exportstopp an

Die Engpässe und deren Auswirkungen am Weizenmarkt sind auch hierzulande spürbar. „Die Preise im Supermarkt für Mehl, Haferflocken, Müsli und Cerealien, aber auch Teigwaren sind bereits gestiegen“, informierte der Verband der Getreide-, Mühlen-, und Stärkewirtschaft (VGMS).

Doch was steckt konkret hinter dem Preisanstieg des Getreides? In der vergangenen Woche hatte Indien angekündigt, den Export von Weizen zu stoppen. Derzeit leidet das Land unter den Folgen einer enormen Hitzewelle. In den vergangenen Wochen wurden Temperaturen von bis zu 45 Grad gemessen. Zudem verzeichnete die Republik den wärmsten März seit Beginn der Wetter-Aufzeichnungen.

Die Hitze wirkt sich nun unter anderem auf die Ernte aus. Deshalb wurde die Ertragsschätzung für dieses Jahr bereits um mindestens fünf Prozent nach unten korrigiert, berichtete die französische Nachrichtenagentur AFP. Durch den Exportstopp will die Regierung in Neu-Delhi in erster Linie die Versorgung im eigenen Land sicherstellen. Dennoch seien Ausfuhren von Weizen mit ausdrücklicher Genehmigung weiterhin erlaubt, betonte Handelsminister BVR Subrahmanyam.

Obwohl das Land einen Großteil der Ernte für die eigene Bevölkerung verwendet und knapp die Hälfte aller Exporte ins benachbarte Bangladesch gehen, wuchs die Bedeutung der Rolle Indiens auf dem Weltmarkt. Angesichts des andauernden Ukraine-Krieges kam es zu einer Verknappung von Weizen. Russland und die Ukraine gehören zu den größten Produzenten weltweit.

Bald Mangelware im Supermarkt? Viele Länder von Weizenimporten abhängig

Länder in Nordafrika oder im Nahen Osten sind besonders auf Weizenimporte aus der Ukraine und Russland angewiesen. Deshalb hatte die indische Regierung in Aussicht gestellt, weltweite Versorgungsengpässe durch eine Steigerung seiner Weizen-Exporte von sieben Millionen auf rund zehn Millionen Tonnen lindern zu können.

Dieses Vorhaben liegt seit vergangener Woche auf Eis. Zudem sorgt sich Neu-Delhi um den eigenen Vorrat des Landes. Der Puffer im Umfang von rund 20 Millionen Tonnen ist für den Ernstfall einer möglichen Hungersnot vorgesehen. Aufgrund der Corona-Pandemie waren davon allerdings große Teile verbraucht worden.

Auch in Indien ist die Inflation deutlich zu spüren. In einigen Regionen stiegen die Preise für Weizen und Mehl nach eigenen Angaben um 20 bis 40 Prozent. Landwirte begannen deshalb ihre Ernte auf den Weltmärkten an Händler zu verkaufen und nicht an die Regierung.

Nach Indiens Importstopp von Weizen: Hungersnöte drohen

Mathias Mogge, Generalsekretär der Welthungerhilfe, befürchtete Hungersnöte. „Länder wie Ägypten, Kenia, der Südsudan, der Libanon und viele andere Staaten waren bislang direkt oder indirekt stark von russischen und ukrainischen Exporten abhängig“, sagte Mogge dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). „Diese Länder erhalten jetzt nicht die bestellten Mengen oder müssen dafür sehr viel mehr bezahlen.“ Besonders betroffen seien arme Menschen, die viel Geld für Lebensmittel ausgeben müssten.

Die Agrarminister und -ministerinnen der G7-Staaten kritisierten Indien für den Ausfuhrstopp des Getreides. „Wir haben alle miteinander, gerade die großen Exportnationen, auch eine Verantwortung für den Rest der Welt“, erklärte Deutschlands Landwirtschaftsminister Cem Özdemir in Stuttgart. „Ich sehe das sehr kritisch“, sagte er zur Entscheidung der Regierung in Neu-Delhi.

Wie sich das auf die Situation in Supermärkten auswirken wird, bleibt abzuwarten. Schon jetzt sind die Preise zahlreicher Lebensmittel bei Rewe, Edeka, Aldi und Co. in die Höhe geschossen. Grund dafür sind vor allem Hamsterkäufe. (kas/afp/dpa)

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