Dank eines Verfahrensfehlers

Legendärer Drogenboss wieder auf freiem Fuß

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Ein Archivbild von 2005: Rafael Caro Quintero (M.).

Mexiko-Stadt - Einer der Väter des modernen Drogenhandels in Mexiko: Nach fast 30 Jahren in Haft ist Rafael Caro Quintero wieder ein freier Mann. Dem Mitgründer des Guadalajara-Kartells kam ein Verfahrensfehler zugute.

Unter den legendären Verbrechern Mexikos ist er eine der schillerndsten Figuren: der heute 60 Jahre alte Rafael Caro Quintero. Im Norden des Landes ließ er einst Tausende Bauern tonnenweise Marihuana anbauen und in Richtung Süden knüpfte er früh Kontakte zu den damals übermächtigen kolumbianischen Drogenkartellen.

Er entführte die 17-jährige Tochter einer Politikerfamilie in Jalisco, die später als seine Freundin mit ihm nach Costa Rica durchbrannte. Um sich 1985 seiner Festnahme zu entziehen, soll er angeblich angeboten haben, Mexikos Auslandsschulden - damals rund 81 Milliarden US-Dollar - zu begleichen.

Als Drahtzieher eines Mordes an einem Beamten der US-Anti-Drogen-Polizei DEA saß der Gründer des Guadalajara-Kartells 28 Jahre im Gefängnis.

Nach der Freilassung "in Luft aufgelöst"

Wegen eines Verfahrensfehlers wurde Caro Quintero nun auf freien Fuß gesetzt. Der DEA-Agent sei kein Diplomat gewesen, deshalb hätte der Drogenboss nicht vor ein Bundesgericht gestellt werden dürfen, teilten die Justizbehörden mit. Vielmehr sei ein einfaches Gericht zuständig gewesen. Die Strafe für seine übrigen Vergehen habe er bereits verbüßt.

Wohin sich der 60-Jährige nach seiner Freilassung absetzte, blieb zunächst unklar. Er habe das Gefängnis in Puente Grande am Freitag in den frühen Morgenstunden verlassen und sich „in Luft aufgelöst“, schrieb die Zeitung „Milenio“.

Generalstaatsanwaltschaft und Opposition in Mexiko zeigten sich erstaunt über die Entscheidung des Gerichts, die DEA in den USA ist wohl mehr als verwundert. Sie werde alles daran setzen, dem früheren Drogenboss in den USA erneut den Prozess zu machen, hieß es in einer Pressemitteilung der Behörde.

Letzte Worte aus der Todeszelle

Überraschende Aktion der Justizbehörde von Texas. Auf ihrer Homepage veröffentlichte sie die letzten Worte der Todeskandidaten. Wir zeigen, was sie vor der Hinrichtung sagten. © dpa
Stephen Moody tötete den 27-jährigen Joseph F. Hall, obwohl der um sein Leben bettelte. Moody floh mit 1200 Dollar. © dpa
Eine der wenigen Frauen, die exekutiert wurden war Karla Faye Tucker. Sie wurde wegen Mordes mit einer Spitzhacke an dem 27-jährigen Jerry Laynn Dean und der 32-jährigen Deborah Thornton mit einem Hammer, verurteilt. © dpa
Michael Riley wurde zum Tode verurteilt, weil er die 23-jährige Deborah Lynn Harris für eine Summe von 1100 Dollar tötete. © dpa
James Edward Martinez feuerte 20 mal auf ein Auto. Dabei starben eine Frau und ein Mann. © dpa
Willie Pondexter tötete die 85-jährige Martha W. Lennox mit einem Kopfschuss. Zum Zeitpunkt des Mordes schlief das Opfer. Anschließend floh er mit dem Auto der Toten und 18 Dollar. © dpa
Justin Fuller tötete seine beiden Nachbarn aus reiner Habgier. Mit “Fang an Warden“ ist der Gefängnis-Beamte gemeint, der die Todesstrafe vollstreckt. © dpa
Dae Devon missbrauchte eine 22-jährige Schwarze, bevor er sie tötete. © dpa
David Martinez tötete seine Freundin und deren 14-jährigen Sohn mit einem Baseballschläger. © dpa
Perkis Reginal erwürgte seine 64-jährige Schwiegermutter ohne ersichtlichen Grund. © dpa
Robert Hudson tötete 1999 eine junge Frau und deren 9-jährigen Sohn. © dpa
Kevin Watts erschoss drei Asiaten. Eine Zeugin entführte und vergewaltigte sie. © dpa
Leon Dorsey erschoss zwei Menschen und floh anschließend mit 392 Dollar. © dpa
Heliberto Chi erschoss den Besitzer eines Bekleidungsgeschäfts. Ein weiterer Zeuge überlebte. © dpa
Jose Medellin entführte und vergewaltigte mehrere Mädchen zwischen 15 und 16 Jahren. Danach tötete er sie. Mit “In Ordnung Warden“ ist der Gefängnis-Beamte gemeint, der die Todesstrafe vollstreckt. © dpa
Larry Davis tötete bei einem Raubüberfall eine Frau. © dpa
Kurz nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis missbrauchte und tötete Michael Richard eine Krankenschwester. © dpa
John Amador tötete einen Taxifahrer und die 16-jährige Beifahrerin. © dpa
Kenneth Parr misbrauchte und tötete eine Frau. © dpa
Lonnie Johnson schoss auf zwei Jugendliche. Einen schleifte er 650 Meter mit seinem Auto mit, bevor dieser starb. © dpa
Gilberto Reyes tötete seine Freundin. © dpa
Clark James Last tötete eine junge Frau bei einem Raubüberfall. © dpa
Richard Hinjosa entführte und missbrauchte eine 19-Jährige. Im Anschluss brachte er sie um. © dpa
Tommie Hughes tötete die Besitzerin eines Autohauses. © dpa
Willie Shannon tötete seinen Partner nach einem Raubüberfall. © dpa
Angel Maturio Resendiz war ein Serienverbrecher. Nach einem Gefängnisaufenthalt tötete er seine Frau. © dpa

Caro Quintero stammt aus dem Dorf La Noria in Sinaloa. Gemeinsam mit Miguel Ángel Félix Gallardo und Ernesto Fonseca Carrillo gründete er das Guadalajara-Kartell, aus dem später die Kartelle von Sinaloa und Juárez hervorgingen. In den 80er Jahren befehligte er eine Privatarmee mit hunderten Männern und zählte zu den mächtigsten Drogenhändlern Mexikos.

In Chihuahua im Norden des Landes zwang er zeitweise mehr als 4000 Menschen zur Arbeit auf seinen Drogenplantagen. 1984 stellten die Behörden auf der Ranch „El Búfalo“ die unglaubliche Menge von 8000 Tonnen Marihuana sicher. Der DEA-Agent Camarena Salazar soll den entscheidenden Hinweis für die Razzia geliefert haben.

Die Ermordung des Beamten führte zu heftigen Spannungen zwischen Mexiko und den USA. Die DEA ließ die „Operación Leyenda“ anlaufen, um die Verantwortlichen für den Tod ihres Mitarbeiters dingfest zu machen.

Nach Einschätzung mancher Experten gab es jedoch zwischen dem Guadalajara-Kartell und den USA auch ominöse Verbindungen - und zwar mit dem Auslandsgeheimdienst CIA: Der kanadische Politikwissenschaftler Peter Dale Scott schrieb in einem Aufsatz über die US-Drogenpolitik, die mexikanischen Drogenhändler hätten die USA mit dem Stoff versorgt, mit dem dann der Guerilla-Krieg gegen linke Machthaber in Mittelamerika finanziert worden sei.

dpa

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