Letzter Tag Wacken: Der Abschied vom Schlamm

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Wacken. Es ist vorbei - der Abschied vom Wacken Open Air ist auch für unseren HNA-Mitarbeiter Jürgen von Polier gekommen.

Nachdem ich auch die kälteste Nacht der ganzen Woche überstanden habe, hat mein letzter Tag in Wacken wie gewohnt mit einer Dusche auf dem Pressezeltplatz begonnen.

Die Duschen sind mit Solarzellen betrieben, sodass das Morgenbad am Donnerstag und Freitag keine besonders gemütliche Angelegenheit war. Mein Zeltnachbar erklärte trocken: "Plötzlich wachsen einem 27 Hände und man wäscht sich überall gleichzeitig." Die Duschen sind in Bungalows untergebracht, und links und rechts eines naturgemäß schlammigen Mittelgangs angeordnet. Wer also duschen will, läuft entweder nicht gänzlich angezogen dorthin, oder wird merken, dass man etliche Muskelpartien des Körpers trainiert, während man versucht, die Anziehsachen nach dem Duschen nicht noch dreckiger werden zu lassen als sie es ohnehin schon sind.

Einem Duschnachbarn neben mir gelang dieses sportliche Kunststück nicht ganz und sein frisches Paar hellblauer Strümpfe verwandelte sich im Handumdrehen in ein weniger frisches Paar dunkelbrauner Strümpfe. Offensichtlich konnte ihn das nicht mehr schocken und so seufzte er nur resigniert: "Wacken".

Unterdessen trocknet der Schlamm auf dem Gelände langsam und erinnert sich offensichtlich langsam wieder daran, normalerweise eine Kuhweide zu sein, der das Wort Dünger jedenfalls nicht gänzlich unbekannt ist. Der Trocknungsprozess macht das Laufen über die Fläche nicht leichter, im Gegenteil. Dazu kommen nun gnadenlos heiße Temperaturen mit Sonnenbrandgarantie, denen die Besucher mit Strohhüten und Sonnenbrillen begegnen. So auch die 25 Jahre alte Elisa Verjans aus Gießen, die einen Tarn-Hut mit Fliegerbrille trägt. Sie hat das Festival nun zum ersten Mal miterlebt. Zum Ende des Wacken Open Air hat sie sich mit Freunden die schwedische Power-Metal-Band Sabaton angesehen und ist begeistert von der Veranstaltung. "Mich hat total beeindruckt, dass es hier alles so riesig ist", sagt sie. Auch die Verpflegung sei gut gewesen und auf ihrem Zeltplatz habe sie von Überschwemmungen nichts mitbekommen. Allerdings würden einige ihrer Freunde wohl das nächste Mal nicht mehr dabei sein. Sie würden sonst eher kleine Festivals besuchen und hätten sich über Schlamm und Dixi Klos beklagt, sagt sie grinsend.

Zum Abschluss des Festivals spielten noch die britische Kultband Judas Priest um Sänger Rob Halford und die ebenfalls aus Großbritannien stammende Dark-Metal-Band Cradle of Filth. Ich verlasse Wacken, das mir nach nur vier Tagen schon so vertraut geworden ist, am Sonntagmorgen mit gemischten Gefühlen. Um diese wirklich unglaubliche Veranstaltung miterleben zu können, musste ich bluten. Aber vielleicht ist es genau das, was Wacken nicht nur ein Festival sein lässt, sondern eine Erfahrung, die man nicht mehr vergisst. Wer mit härterer Musik etwas anfangen kann, dem kann ich nur raten, wenigstens einmal dabei gewesen zu sein. Denn die Fensehübertragungen mögen zwar gut sein, aber die wirkliche Atmosphäre der Veranstaltung können sie nicht spiegeln. Loben muss man, wie die Veranstalter ihre Besucher über alles Wichtige informiert haben. Mit Apps, Hinweisschildern und viel Personal wird in Wacken Großes geleistet. Für mich wird es sicher nicht mein letzter Besuch gewesen sein.

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