Tebartz-van Elst gibt anderen die Schuld

Bistum Limburg: 213.000 Euro für ein Zierfischbecken

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Franz-Peter Tebartz-van Elst hat den Vorwürfen über Lug und Trug in seinem Bistum widersprochen.

Limburg - Ein Zierfischbecken für 213.000 Euro, beheizte Steine für 19.000 Euro - das sind nur zwei Posten, die die Verschwendung im Bau des Limburger Bistums deutlich machen.

Nach seiner Ablösung in Limburg hat Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst den Vorwürfen über Lug und Trug in seinem Bistum widersprochen - und die Schuld auf andere geschoben. Teile des Berichts zu den ausgeuferten Baukosten für den Bischofssitz seien nicht wahr, heißt es in einer Stellungnahme Tebartz-van Elsts. Darin macht der 54-Jährige seinen früheren Generalvikar Franz Kaspar für einen wesentlichen Teil der Kostenexplosion verantwortlich. Er selbst sei als Bischof weder ein Finanz- noch ein Baufachmann.

Nach dem Prüfbericht der bischöflichen Kommission soll der Bischof kirchliche Vorschriften umgangen und Baukosten in die Höhe getrieben haben. Der Papst hatte am Mittwoch unter anderem auf Grundlage des Berichts entschieden, den angebotenen Amtsverzicht Tebartz-van Elsts anzunehmen. Franziskus hatte den Bischof bereits im Oktober vorläufig beurlaubt.

Die Kostenpunkte: Zierfischbecken und beheizte Steine

Der Prüfbericht ist erschütternd: Präzise ist darin nachgezeichnet, wie mit Wissen und Mitwirkung von Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst die Kosten seines Bischofssitzes in die Höhe schossen. Einige Posten belegen eklatant die Verschwendung.

LICHTSCHALTER hatte der Bau Anfang 2013 bereits zum größten Teil. Doch der Bischof ließ alle schon eingebauten neuen Schalter durch ein anderes Modell ersetzen, was 20.000 Euro kostete.

Der ADVENTSKRANZ hatte in der bereits fertigen Kapelle des Bischofssitzes keine Aufhängung. Der Bauherr ließ dafür kurzerhand das Dach öffnen und eine Aufhängung nachträglich einbauen. Wie viel das kostete, konnten die Prüfer nicht mehr ermitteln - mindestens aber 18.000 Euro.

Die FLACHDÄCHER des Bischofssitzes ließ sich Tebartz-van Elst für 275.000 Euro reine Baukosten mit Natursteinen verkleiden, die Verkleidung auch vieler Innenwände mit Natursteinen kostete 108.000 Euro. Dazu flossen weitere 344.000 Euro in die Verkleidung des Dachs und der Fassade der Kapelle mit Natursteinen - zusammen also deutlich über 700.000 Euro für reine Verzierung.

BEHEIZTE STEINE gibt es im Limburger Bischofssitz auch. 19.000 Euro ließ der Bischof dafür springen, die Natursteinoberflächen der Wege im Bereich des Kreuzganges im Außenbereich elektrisch zu beheizen.

FENSTERRAHMEN IN BRONZE statt der eigentlich vorgesehenen Rahmen führten dazu, dass die Fenster statt 910.000 Euro satte 1,73 Millionen Euro kosteten.

PARKETT im Neubau verschlang insgesamt 205.000 Euro. Dies entspricht bei 420 Quadratmetern Fläche einem Quadratmeterpreis von 488 Euro - wer im Internet nach Parkettpreisen sucht, findet Angebote von 50 Euro je Quadratmeter inklusive Verlegen.

Eine WENDELTREPPE für 171.000 Euro gehört ebenfalls zum Gebäudeensemble.

Das FREILEGEN DES KELLERS verlangte umfassende Abbrucharbeiten an dem felsigen Gelände des Bischofssitzes. Bis die Wände des Untergeschosses sichtbar waren, flossen ursprünglich nicht geplante Mehrkosten von 2,7 Millionen Euro.

Ein KOI-BECKEN, ein Wasserbecken für Zierfische mit einer Tiefe von zwei Metern und aufwändiger Ausstattung, kostete 213.000 Euro und damit so viel wie ein schlichtes Einfamilienhaus.

ZWEI ZÄUNE des Bischofssitzes von zusammen gerade einmal 5,2 Meter Länge kosteten 49.000 Euro - die in brüniertem Messing gehaltenen Zäune kamen auf einen Preis von 5900 Euro pro Quadratmeter Zaunfläche.

MÖBEL- und TISCHLERARBEITEN ohne Türen verschlangen insgesamt 1,15 Millionen Euro. Der Bischof ließ sich das hochwertige Mobiliar individuell anfertigen.

AUSSTATTUNG und KUNSTWERKE über die Möbel hinaus kosteten weitere 1,17 Millionen Euro.

Die BELEUCHTUNG des Bischofssitzes kostete so viel wie andere Menschen für den Bau einer Villa ausgeben: Dafür ließ der Bischof 650.000 Euro springen.

Das BADEZIMMER von Bischof Tebartz-van Elst kostete alleine für die Ausstattung 37.000 Euro. Die Montage der hochwertigen Sanitäreinrichtungen wie etwa einer freistehenden Badewanne fehlt in dem Posten noch.

BAUNEBENKOSTEN in Form von Mehrfachbeauftragungen, Doppelvergütungen, Änderungsleistungen oder sonstiger Zusatzleistungen verschlangen schließlich satte 8,3 Millionen Euro. Immer wieder wurden alte Aufträge storniert und neue ausgeschrieben.

Neuanfang in Limburg

Das Bistum Limburg steht mit seinem neuen Leiter, dem Apostolischen Administrator Manfred Grothe, nun vor einem Neubeginn. Es gelte, „Verletzungen zu heilen und die Herausforderungen, vor denen wir stehen, anzupacken“, hatte der Paderborner Weihbischof nach seiner Ernennung gesagt.

Laut dem Untersuchungsbericht trägt Tebartz-van Elst maßgeblich Verantwortung für die Versechsfachung der Kosten für den millionenschweren Um- und Ausbau der Bischofsresidenz auf dem Limburger Domberg, weil er kirchliche Vorschriften und Kontrollgremien umging und immer wieder Sonderwünsche hatte.

Tebartz-van-Elst: Chronik des Skandals

Tebartz-van Elst
19. August 2012: Tebartz-van Elst sei erster Klasse nach Indien geflogen, um dort soziale Projekte zu besuchen, berichtet das Magazin „Der Spiegel“. Das Bistum weist die Vorwürfe zurück. © dpa
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29. Mai 2013: Die Hamburger Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Bischof wegen möglicher Falschaussage über seinen Flug nach Indien. © dpa
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28. Juni: Die umstrittene neue Bischofsresidenz hat nach Angaben des Limburger Bistums knapp 10 Millionen Euro gekostet - rund viermal so viel wie ursprünglich geplant. Der Bischof betont, dass der Bau schon 2007 vor seinem Antritt beschlossen worden sei. © dpa
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9. Juli: Das Bistum korrigiert die Gesamtkosten für die neue Residenz nach oben. Sie lägen deutlich über 10 Millionen Euro. © dpa
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25. August: Im Bistum beginnt mit einem Offenen Brief eine Unterschriftensammlung gegen die Amtsführung des Bischofs. Gefordert wird eine umfassende Aufklärung über die Kosten der Residenz. © dpa
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29. August: Das streng konservative „Forum Deutscher Katholiken“ ruft zur Solidarität mit dem Oberhirten auf. © dpa
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1. September: Tebartz-van Elst bittet alle Gläubigen seines Bistums in einem Brief um Vertrauen und räumt Fehler ein. © dpa
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9. September: Der päpstliche Gesandte Giovanni Kardinal Lajolo besucht Limburg. Der Bischof sichert wenige Tage später zu, alle Kosten für die Baumaßnahmen Prüfern zugänglich zu machen. © dpa
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23. September: Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, kritisiert Tebartz-van Elst wegen der Finanzaffäre. Eine Kommission werde untersuchen, warum die Kosten für das neue Domizil explodierten. © dpa
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25. September: In Zusammenhang mit dem Flug nach Indien beantragt die Hamburger Staatsanwaltschaft einen Strafbefehl. © dpa
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7./8. Oktober: Das Bistum beziffert die Kosten für den neuen Bischofssitz jetzt auf 31 Millionen Euro. Kritiker werfen dem Bischof Täuschung vor und fordern seinen Rücktritt. © dpa
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10. Oktober: Tebartz-van Elst verteidigt die Kostenexplosion. „Wer mich kennt, weiß, dass ich keinen pompösen Lebensstil brauche“, sagt er der „Bild“-Zeitung. © dpa
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13. Oktober: Zeitungen berichten über bis zu 40 Millionen Euro Gesamt-Finanzbedarf für die Limburger Residenz und Versuche, die Kostenexplosion zu verschleiern. Tebartz-van Elst reist nach Rom, um mit Papst Franziskus zu sprechen. © dpa
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17. Oktober: Der Papst empfängt Erzbischof Zollitsch. In dem Gespräch geht es auch um den Skandal in Limburg. Details werden nicht bekannt. © dpa
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18. Oktober: Die Kirchenkommission beginnt damit, die Vorgänge um den Bau des Bischofssitzes zu prüfen. © dpa
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21. Oktober: Papst Franziskus empfängt den Limburger Bischof. © dpa
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23. Oktober: Papst Franziskus setzt den bereits designierten Generalvikar Wolfgang Rösch (54) mit sofortiger Wirkung ins Amt ein. Bischof Tebartz-van Elst erhält „eine Zeit außerhalb der Diözese“, weil er „seinen bischöflichen Dienst zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht ausüben“ könne. © picture alliance / dpa
Tebartz-van Elst
18. November: Das Hamburger Amtsgericht stellt mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft das Strafverfahren gegen Tebartz-van Elst wegen falscher eidesstattlicher Äußerungen im Zusammenhang mit dessen Erste-Klasse-Flug nach Indien vorläufig ein. Die Einstellung wird rechtskräftig, sobald der Bischof 20.000 Euro zahlt. © picture alliance / dpa

Der Kirchenmann erklärte, er habe zum Amtsantritt in Limburg „eine in vielfacher Hinsicht ungeordnete, wenig sachorientierte und primär personenbezogene Verwaltungssituation“ vorgefunden. Auch sei ihm wegen „misslicher Erfahrungen mit anderen Bauprojekten im Bistum“ daran gelegen gewesen, „von Anfang an Qualität und Nachhaltigkeit im Gesamtprojekt zu beachten“. Allerdings habe nur der Generalvikar einen umfassenden Einblick in die Vermögensstruktur des Bischöflichen Stuhls gehabt.

Nachfolge in Limburg noch offen

Über den künftigen Limburger Bischof ist noch nicht entschieden. Wegen der großen Personalprobleme in der katholischen Kirche rechnete der Kirchenrechtler Thomas Schüller mit einer Neubesetzung nicht vor dem kommenden Jahr. „Der Pool für geeignete Kandidaten ist sehr klein geworden.“ Tebartz-van Elsts Nachfolger müsse eine gestanden Persönlichkeit sein, „die integrierend und zusammenführend“ wirke. Administrator Grothe werde in den nächsten ein bis eineinhalb Jahren dafür sorgen, dass Wunden heilen könnten, sagte Schüller.

Die Personalsituation der katholischen Kriche wird auch dadurch erschwert, dass derzeit einschließlich Limburgs sechs Bischofsposten in Deutschland neu besetzt werden müssen.

Der Papst bat die Gläubigen und den Klerus des Limburger Bistums, „die Entscheidung des Heiligen Stuhls bereitwillig anzunehmen und sich darum zu mühen, in ein Klima der Barmherzigkeit und Versöhnung zurückzufinden“. Der scheidende Bischof werde zu gegebener Zeit mit einer anderen Aufgabe betraut.

dpa

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