Offene Fragen

Nach MH17-Absturz: Verschärfung der Sanktionen?

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Vor einem Meer aus Blumen trauert ein Buddhist vor der niederländischen Botschaft in Kiew.

Kiew - Wurde die Maschine wirklich abgeschossen? Droht jetzt eine Verschärfung der Sanktionen? Nach der Tragödie um Flug MH 17 bleiben viele Fragen offen - ein Überblick.

Wurde die Maschine abgeschossen?

US-Geheimdienstexperten halten es für sehr wahrscheinlich, dass die Maschine über der Ostukraine von einer Boden-Luft-Rakete getroffen wurde. Auch die Ukraine und die von Russland unterstützten Separatisten gehen von einem Abschuss aus - machen sich aber gegenseitig dafür verantwortlich. Hundertprozentige Beweise für einen Abschuss gibt es bisher nicht.

Verfügen die Separatisten über Waffensysteme, die ein Flugzeug in großer Höhe abschießen könnten?

In den Kämpfen mit der ukrainischen Armee haben die Aufständischen zahlreiche Waffen erbeutet. Nach einem Bericht der russischen Nachrichtenagentur Itar-Tass von Ende Juni fiel den Rebellen auch das Flugabwehrsystem Buk in die Hände. Dessen Raketen können Ziele in bis zu 25 Kilometer treffen - und hätten also die in zehn Kilometer Höhe fliegende Passagiermaschine treffen können.

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Gibt es andere Hinweise auf eine mögliche Beteiligung der Kiew-Gegner?

Nur 17 Minuten, nachdem die Maschine von den Radarschirmen verschwand, schrieb der Verteidigungsminister der von den Separatisten ausgerufenen "Republik Donezk", Igor Strelkow, auf der russischen Internetplattform VKontakte: "Wir haben gerade eine An-26 abgeschossen" - ein Transportflugzeug sowjetischer Bauart. Die inzwischen gelöschte Eintrag könnte eine Verwechslung von MH17 mit einer Militärmaschine nahelegen.

Könnte die Ukraine die Maschine abgeschossen haben?

Auch die ukrainische Armee verfügt über Buk-Abwehrsysteme. Dem russischen Verteidigungsministerium zufolge war am Donnerstag bei Donezk eine Radarstation der ukrainischen Flugabwehr aktiv, die zur Zielerfassung für das Raketensystem Buk-M1 dienen soll. Moskau äußerte sich aber nicht dazu, ob tatsächlich eine Rakete abgefeuert wurde.

Welche Ermittler werden den Absturz untersuchen?

Unter anderem Malaysia und die Niederlande, von wo die meisten Opfer stammen, haben angekündigt, Expertenteams in die Ukraine zu schicken. Auch die internationale Polizeiorganisation Interpol und die US-Regierung boten Unterstützung bei den Ermittlungen an. Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) verhandelte am Freitag aber noch mit den Separatisten über den Zugang zu der Absturzstelle.

Was könnte Aufklärung bringen?

Aufklärung könnten die Flugschreiber - die sogenannten Black Boxes - geben. Dabei handelt es sich um ein Gerät, das die Flugdaten aufzeichnet und ein weiteres, das die Gespräche im Cockpit speichert. Schon in normalen Fällen kann die Auswertung Monate dauern. Bei MH17 ist zudem völlig unklar, ob unabhängige Ermittler die Black Boxes überhaupt in die Hände bekommen. Ein Vertreter der Aufständischen sagte, die Flugschreiber seien zur Auswertung nach Moskau geschickt worden. Alternativ könnten sonstige Daten herangezogen werden, wie Aufzeichnungen von Satelliten oder Radaranlagen. Es zeichnet sich aber ein schwieriges Indizien-Puzzle ab.

Was bedeutet die Tragödie für den Konflikt zwischen Rebellen und ukrainischer Armee insgesamt?

International wurden die Forderungen nach einer Waffenruhe nach dem Absturz massiv verstärkt - nicht nur, um Ermittlungen zu der Tragödie möglich zu machen, sondern auch mit Blick auf einen neuen Anlauf für Verhandlungen zur Beilegung des Konflikts. Die Separatisten lehnten eine Waffenruhe jedoch ab.

Droht jetzt eine Verschärfung der Sanktionen?

EU und USA haben gerade erst Sanktionen gegen Russland wegen der Ukraine-Krise verschärft. In den USA wurden umgehend nach dem Absturz Forderungen laut, die Sanktionsschraube noch stärker anzuziehen. Der einflussreiche republikanische Senator John McCain forderte, Russland und die Separatisten müssten dafür bezahlen, sollte die Spur zu ihnen führen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bezeichnete ihrerseits eine Debatte über Sanktionen als "vielleicht etwas voreilig".

MH 17: Die Angehörigen der Opfer trauern

Flug MH 17 Trauer
In Kiew ist die Flugkatastrophe allgegenwärtig. © AFP
Flug MH 17 Trauer
Ein Bub zündet eine Kerze für die Opfer an. © AFP
Flug MH 17 Trauer
Weinende Frauen stehen vor der Botschaft der Niederlande in Kiew. © AFP
Flug MH 17 Trauer
"Eine Schande für die Menschheit": Das hat der Sandkünstler Sudarshan Pattnaik am Strand in Puri nahe der indischen Stadt Bhubaneswar in den Sand geschrieben. © AFP
Flug MH 17 Trauer
Viele Menschen nehmen still Anteil am Schicksal der Toten von Flug MH 17. © dpa
Flug MH 17 Trauer
Blumen, Kerzen und ein Plüschaffee liegen im Gedenken an die Opfer vor der niederländischen Botschaft in Moskau. © dpa
Flug MH 17 Trauer
Kerzen und weiße Rosen für die Opfer des Fluges MH 17. © dpa
Flug MH 17
Ebenfalls Kerzen angezündet haben auch die Mitglieder eines Hostessen-Trainings für Flugbegleiter. © dpa
Flug MH 17 Trauer
Mit Kerzen und weißen Rosen beten Inder für die Opfer der Flugkatastrophe. © dpa
Flug MH 17 Trauer
Viele Menschen können nicht fassen, was mit Flug MH 17 passiert ist (hier: vor der Botschaft der Niederlande in Moskau). © dpa
Flug MH 17 Trauer
Eine Frau trauert vor der Botschaft der Niederlande in Moskau. © dpa
Flug MH 17 Trauer
Vor der niederländischen Botschaft in Moskau legen Menschen Blumen nieder. © AFP
Flug MH 17 Trauer
In Jakarta wird Yuriah Tanzil von einem Verwandten getröstet. © AFP
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Yuriah Tanzil (M) weint um ihre Schwester Ninik Yuriani. Sie war Passagierin auf Flug MH 17. © AFP
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In Sepang (Kuala Lumpur) trauert auch diese Frau um ihre Verwandten. © dpa
Flug MH 17 Trauer
Akmar Binti Mohd Noor (67) hat ihre Schwester auf dem Flug MH 17 verloren. © AFP
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Auf dem internationalen Flughafen in Kuala Lumpur sitzen viele Menschen, die ihre Angehörigen verloren haben, zusammen. © AFP
Flug MH 17 Trauer
Dieser Mann verlässt den Flughafen Schiphol in Amsterdam. Auch er hat gerade vom Tod seiner Angehörigen auf Flug MH 17 erfahren. © dpa
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Viele Blumen liegen vor der niederländischen Botschaft in Kiew. © AFP
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Eine Kerze für die Toten: Vor der niederländischen Botschaft in Kiew gedenkt diese Frau den Opfern der Katastrophe. © AFP
Flug MH 17 Trauer
Vor der niederländischen Botschaft in Kiew legen viele Menschen Blumen und Kerzen ab. Auch ein kleines Mädchen trauert um die Verstorbenen. © AFP
Flug MH 17 Trauer
Auch diese Familienangehörigen haben gerade vom Tod ihrer Angehörigen auf Flug MH 17 erfahren. © dpa
Flug MH 17 Trauer
Große Trauer herrscht überall in Sepang. © AFP
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Normi Binti Abdullah (r.) weint um ihren Mann Mohd Ghafar Bin Abu Bakar (54), ein Crew-Mitglied des Fluges MH 17. © dpa
Flug MH 17 Trauer
Am Flughafen in Sepang (Kuala Lumpur) trauern Angehörige der Opfer des Fluges MH 17. © AFP
Flug MH 17 Trauer
In Kuala Lumpur weint eine Frau um ihre Angehörigen. © AFP
Flug MH 17 Trauer
Am Flughafen in Kuala Lumpur wird eine Frau von einem Crew-Mitglied der Malaysia Airlines getröstet. Sie hat gerade vom Tod eines Angehörigen erfahren, der auf Flug MH 17 ums Leben kam. © AFP
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Blumen liegen auf einem geschlossenen Counter der Malaysia Airlines am Flughafen Schiphol in Amsterdam. © dpa

AFP

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