Amtseinführung mit gemischten Gefühlen

Lübcke-Nachfolger: Hermann-Josef Klüber ist neuer Kasseler Regierungspräsident

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Im Amt: Hermann-Josef Klüber (links) und Innenminister Peter Beuth.

Seit Freitag ist Hermann-Josef Klüber offiziell der neue Chef des Regierungspräsidiums Kassel (RP). Er ist der Nachfolger vom im Juni getöteten Walter Lübcke.

Dass dies keine gewöhnliche Amtseinführung eines Regierungspräsidenten werden würde, ließ sich allein schon an dem medialen Interesse erkennen. Hermann-Josef Klüber, der Neue, musste schon vor Beginn der Veranstaltung zahlreiche Interviews geben und Fotowünsche erfüllen. Er tat das mit viel Geduld und der nötigen Portion Gelassenheit. Später bekam er von Hessens Innenminister Peter Beuth seine Ernennungsurkunde.

Klüber, der Jurist aus Fulda, ist seit gestern also nicht nur Chef des Regierungspräsidiums Kassel. Sondern er ist damit auch offiziell der Nachfolger von Walter Lübcke, der am 1. Juni auf der Terrasse seines Wohnhauses in Wolfhagen-Istha erschossen wurde – mutmaßlich vom Rechtsextremen Stephan Ernst.

Neuer Regierungspräsident in Kassel: "Ein Tag der gemischten Gefühle"

So richtete sich der Blick während der Veranstaltung in der Kasseler Brüderkirche nicht nur nach vorn, sondern auch zurück. Winfried Becker, Landrat des Schwalm-Eder-Kreises, drückte es so aus: „Es ist ein Tag der gemischten Gefühle.“ Hier die Freude über die Ernennung Klübers, dort die Erinnerung an den Verlust Lübckes, der vielen ein Freund war.

Lübcke war also sehr präsent an diesem Tag: Unweit des Rednerpults war ein Bild von ihm aufgestellt, alle Redner würdigten noch einmal Lübcke und dessen Leistung als Regierungspräsident. Peter Beuth stellte vor allem dessen Engagement heraus, als es darum ging, sich um die Flüchtlinge in der Region zu kümmern. „Seine Arbeit hat wesentlich dazu beigetragen, dass Hessen in dieser Zeit sein humanitäres Gesicht hat zeigen können. Umso bitterer und tragischer ist es, dass dieser Einsatz mutmaßlich ursächlich für seinen Tod war.“

Seit Freitag ist Hermann-Josef Klüber offiziell der neue Chef des Regierungspräsidiums Kassel (RP). Er ist der Nachfolger vom im Juni getöteten Walter Lübcke.

Auch Klüber selbst ging auf Lübcke ein. Der neue Regierungspräsident hatte die vergangenen fünf Jahren als Vize der Behörde eng mit ihm zusammengearbeitet. „Und wie gern hätten wir ihn heute zusammen in den Ruhestand verabschiedet. Und wie gern hätten wir im Anschluss mit ihm noch ein Bier getrunken. Und wie gern hätte ich persönlich mit ihm noch eine Zigarette vor dem Haus geraucht.“

Klüber leitet das Regierungspräsidium nun erst einmal allein, einen Stellvertreter gibt es derzeit nicht. Der 63-Jährige skizzierte kurz seine beiden wichtigsten Anliegen: Er will mit seinen Mitarbeitern die Digitalisierung vorantreiben und einen neuen Regionalplan aufstellen. Das werden die Hauptaufgaben der Zukunft sein. Klüber will sie im kollegialen Miteinander angehen.

Erinnerung an Walter Lübcke

Das wird auch Astrid Gerhold, die Personalratsvorsitzende des Regierungspräsidiums Kassel, gern gehört haben. Sie gehörte zu denen, die ein kurzes Grußwort hielten. Dabei erinnerte auch sie noch einmal an Walter Lübcke, der zehn Jahre lang Leiter des Regierungspräsidiums Kassels war.

Gerhold wandte sich am Ende an die Familie Lübcke: an die Witwe und die beiden Söhne, die in der ersten Reihe der mit 300 Gästen gut gefüllten Brüderkirche Platz genommen hatten. Die Personalratsvorsitzende überreichte Irmgard Braun-Lübcke einen Blumenstrauß und sagte: „Das ist ein besonderer Blumengruß, um das auszudrücken, wofür uns bis heute die Worte fehlen.“

Von Florian Hagemann

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