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Ganzes Dorf soll geräumt werden: Polizei fürchtet eskalierende Proteste in Lützerath

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Klimaschutzaktivisten stehen am Rand des Tagebaus bei Lützerath
Klimaschutzaktivisten stehen am Rand des Tagebaus. Lützerath soll zur Erweiterung des Braunkohletagebaus Garzweiler II abgebaggert werden. © Henning Kaiser/dpa/picture alliance

Das Dorf Lützerath soll wegen Kohle abgebaggert werden. Aktivisten wollen das verhindern. Der Ort steht aktuell direkt an der Kante des Tagebaus.

Update vom 9. Januar, 12.10 Uhr: „Polizei Aachen steht vor einem schwierigen Einsatz mit erheblichen Risiken“, sagt der Aachener Polizeipräsident Dirk Weinspach auf der Pressekonferenz am Montag in Aachen. Mit der Räumung von Lützerath wird am Mittwoch begonnen, kündigt Weinspach an.

Proteste im Dorf Lützerath: Räumung steht bevor – Polizei will Einsatzpläne vorstellen

Update vom 9. Januar, 9.58 Uhr: Die Polizei schaut „durchaus sorgenvoll“ auf die kommenden Tage und Wochen, in denen die Räumung des besetzten Dorfs Lützerath anstehen könnte.

„Das wird ein herausfordernder Einsatz mit vielen Risiken“, sagte der Aachener Polizeipräsident Dirk Weinspach am Montag im WDR. Nach einem zunächst friedlich verlaufenen Dorfspaziergang und Konzert waren Polizisten am Sonntag in Lützerath mit Steinen beworfen worden. „Das ist erstmal kein gutes Zeichen“, sagte Weinspach. „Ich hoffe, dass das sich nicht wiederholen wird in der nächsten Woche.“

An dem Dorfspaziergang hatten etwa 2.000 Menschen teilgenommen. Es waren noch ungefähr 300 von ihnen auf der Veranstaltungsfläche, als die friedliche Stimmung in eine „feindselige Atmosphäre“ umgeschlagen sei, teilte die Polizei am Sonntagabend mit. Auch Kommunikationskräfte der Polizei seien angegriffen worden, als sie vermitteln wollten.

Darum ist das kleine Dorf Lützerath von Klimaaktivisten besetzt

Der Energiekonzern RWE will den Tagebau Garzweiler ausdehnen und Kohle unter dem Dorf Lützerath im Westen von Nordrhein-Westfalen abbaggern. Dagegen protestieren Klimaschützer. Am Montagmittag will die Polizei über ihre Pläne zur Räumung des besetzten Dorfs informieren.

Lebensgefahr in Lützerath! Wasser wirbelt Protest-Plan der Klima-Aktivisten durcheinander

Update vom 8. Januar, 13.04: Am Rande von Lützerath ist es am Sonntag zu einer Unterspülung der Tagebaukante mit Wasser gekommen. Dadurch bestehe in dem darüber liegenden Areal akute Lebensgefahr, warnte die Polizei. In der Folge wurde in Absprache mit dem Veranstalter ein für den Nachmittag geplantes Konzert der Kölner Band AnnenMayKantereit in einen anderen Bereich verlegt worden, sagte eine Polizeisprecherin.

Klimaschutzaktivisten haben eine Straße im Braunkohledorf Lützerath mit einem Wohnwagen und Steinen verbarrikadiert.
Klimaschutzaktivisten haben eine Straße im Braunkohledorf Lützerath mit einem Wohnwagen und Steinen verbarrikadiert. © David Young/dpa

Ausgelöst worden sei die Unterflutung durch einen Wasseraustritt aus einem Rohr. Wie es dazu gekommen sei, werde derzeit geprüft. Die für den Mittag geplante Pressekonferenz der Klimaaktivisten in Lützerath müsse nicht verlegt werden, sagte die Sprecherin.

Kohlegewinnung in Lützerath: Klimaaktivisten bereiten sich auf Räumung vor

Erstmeldung vom 7. Januar: Erkelenz - In wenigen Tagen soll der rheinische Ort Lützerath in Erkelenz zur Kohlegewinnung abgerissen werden. Um das zu verhindern, reisten am Samstag Aktivisten an. Shuttlebusse brachten sie von nahegelegenen Bahnhöfen in das unwegsame Gelände. In einem Camp auf einem Feld im benachbarten Stadtteil Keyenberg wurden mehrere neue Zelte aufgebaut.

Auch die Klimaaktivistin Luisa Neubauer wird am Sonntag in Lützerath erwartet. Neubauer und andere Initiativen riefen in den sozialen Netzwerken mit dem Hashtag #LuetzerathUnraeumbarstützer auf, sich dem Protest gegen die Räumung anzuschließen. Auf den Straßen von Lützerath wurden weitere Barrikaden errichtet, unter anderem betonierten Aktivisten Gasflaschen in die Fahrbahnen ein, um diese unpassierbar zu machen.

Auf Instagram schrieb Luisa Neubauer in einem Beitrag: „Wer mit RWE und deren gefaxten Zahlen zerstörerische Deals macht, muss erfahren, dass eine klimabewusste und mutige Zivilgesellschaft das nicht einfach so hinnimmt.“ Sie bezieht sich dabei auf die Berechnungen von RWE, laut welchen die Kohle unter anderem für Deutschlands Energieversorgung benötigt wird. „Stimmt nicht, zeigen unabhängige Berechnungen“.

Klima-Protest in Lützerath: RWE will Kohle fördern – NRW will Dorf räumen lassen

Der Energiekonzern RWE will Lützerath abreißen, um die darunter gelegene Kohle abzubauen. Aktivisten, die in dem von den einstigen Bewohnern verlassenen Weiler leben, haben Widerstand dagegen angekündigt. Die schwarzgrüne NRW-Landesregierung will das Dorf von der Polizei räumen lassen - möglicherweise schon in wenigen Tagen. Die Vorbereitungen laufen bereits. Die Landesregierung verweist darauf, dass im Gegenzug der Kohleausstieg um acht Jahre auf 2030 vorgezogen worden sei. (nz/dpa)

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