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Lützerath-Räumung im Live-Stream: Polizei droht Protestierenden mit „Anwendung unmittelbaren Zwangs“

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Von: Kilian Bäuml

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Seit Mittwochmorgen ist die Polizei dabei, das besetzte Dorf Lützerath zu räumen. Der Ort soll dem Kohleabbau weichen, doch Klimaaktivisten protestieren dagegen.

Erkelenz – Der Räumungseinsatz für das von Klimaaktivisten besetzte Lützerath wurde am Mittwochmorgen begonnen. Der Ort wurde von Polizeikräften umstellt und es kam zu gewalttätigen Zwischenfällen. Die Einsatzkräfte wurden von den Protestierenden mit Molotowcocktails, Pyrotechnik und Steinen beworfen, berichtet das Polizeipräsidium Aachen.

Der Konflikt um Lützerath hält seit Monaten an, der Ort ist ein zentrales Symbol für Klimaschutzaktivisten aus ganz Deutschland. Für die seit längerem angekündigte Räumung wird deshalb eine Eskalation befürchtet. Die Polizei ist bei der Räumung als sogenannte Amtshilfe tätig. Die Entwicklung der Räumung von Lützerath werden im oben verlinkten Livestream der Tagesschau gezeigt.

Lützerath wird geräumt: Protestierende sollen gehen, sonst „müssen Sie mit der Anwendung unmittelbaren Zwangs rechnen“

Die Polizei appellierte zunächst an die Aktivisten, friedlich zu bleiben und den Bereich zu verlassen. Inzwischen wurden die Protestierenden von der Polizei ultimativ aufgefordert, die Besetzung des Braunkohleortes aufzugeben. Das sei die letzte Möglichkeit, den Ort freiwillig zu verlassen. Andernfalls „müssen Sie mit der Anwendung unmittelbaren Zwangs rechnen“, hieß es in einer Durchsage der Polizei am Mittwochmorgen. Auch die RWE, Eigentümer der Siedlung, appelliert an die Protestierenden, das Gelände zu verlassen. Viele Protestierende möchten jedoch weiterhin Widerstand leisten.

Die Protestierenden wehren sich mit Barrikaden und Menschenketten gegen die laufende Räumung. Bei einer weiteren Aktion mit dem Namen „Gegenschlag“ wurde der Zugang in den Tagebau bei Jackerath von einem Dutzend Menschen blockiert. Dadurch sei der Hauptzugang der Polizei zu ihrem Logistiklager im Tagebau gesperrt.

Räumung von Lützerath
Die Protestierenden wehren sich gegen die Räumung des Ortes Lützerath. © Rolf Vennenbernd/dpa

Lützerath der Braunkohle weichen: Protestierende blockieren die Räumung der Polizei

Der Energiekonzern RWE will den bei Lützerath liegenden Tagebau Garzweiler ausdehnen und die unter dem Ort liegende Kohle abbauen. Zu diesem Zweck soll das verlassene Dorf abgerissen werden. Die RWE ist mittlerweile Eigentümer und erklärte, dass der Rückbau der Siedlung am Mittwoch beginne und anschließend „bergbaulich in Anspruch genommen werden“.

Als eine der ersten Maßnahmen werde „aus Sicherheitsgründen“ ein gut anderthalb Kilometer langer Bauzaun aufgestellt. „Er markiert das betriebseigene Baustellengelände, wo in den nächsten Wochen die restlichen Gebäude, Nebenanlagen, Straßen und Kanäle der ehemaligen Siedlung zurückgebaut werden“, erklärte RWE. Zudem würden Bäume und Sträucher entfernt. Anschließend könne der nahe Tagebau Garzweiler damit beginnen, die Braunkohle für die Stromerzeugung in den Kraftwerken der Region unter dem ehemaligen Ort freizulegen.

Eskalation bei Räumung von Lützerath befürchtet: Protestierende wollen „dass die Kohle im Boden bleibt“

Die Klimaaktivisten befürchten, dass es zu einer Eskalation kommen wird. „Wir sehen in den letzten Tagen, also schon vor Beginn der tatsächlichen Räumung, eine große Provokation und Eskalation von Seiten der Polizei in Richtung der Aktivisten – das bereitet mir große Sorgen“, sagt die Klimaaktivistin Pauline Brünger dem Bayerischen Rundfunk. Weiter betont sie, dass die Protestierenden friedlich demonstrieren wollen. Ihr Ziel sei es, „dass die Kohle im Boden bleibt“. Auch die bekannte deutsche Klimaaktivistin Luisa Neubauer hat sich zu den Protesten in Lützerath geäußert.

Vorwürfe gibt es auch für die Grünen. Sie sollen einen schmutzigen Deal mit der RWE ausgehandelt haben, der kein CO₂ spart, sagt Brünger. Auch die Grünen Jugend reiht sich ein. Es gebe einen Konflikt mit der Mutterpartei. Dieser betreffe jedoch nicht nur die Grüne Jugend, sondern auch viele andere Partei-Mitglieder, sagt Sarah-Lee Heinrich, Bundessprecherin der Grünen Jugend. (kiba/afp/dpa)

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